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Bünde Hilfe für traumatisierte Menschen

An der Kaiser-Wilhelm-Straße hat Bündes erstes Trauma-Institut eröffnet

VON GERALD DUNKEL
13.04.2013 | Stand 11.04.2013, 19:44 Uhr
Diana und Ulrich Kerzbeck in einem ihrer neuen Räume im Trauma-Institut Bünde. Sie wollen ein Netzwerk aus Ärzten, Organisationen und Institutionen schaffen, das traumatisierten Menschen helfen soll. - © FOTO: DUNKEL
Diana und Ulrich Kerzbeck in einem ihrer neuen Räume im Trauma-Institut Bünde. Sie wollen ein Netzwerk aus Ärzten, Organisationen und Institutionen schaffen, das traumatisierten Menschen helfen soll. | © FOTO: DUNKEL

Bünde. Menschen können nach schlimmen Erlebnissen ein Trauma bekommen, das sie ohne Hilfe unter Umständen das ganze Leben belasten kann. Diana und Ulrich Kerzbeck aus Bünde sind auf diese psychischen Schocks spezialisiert und haben im weiteren Umkreis das erste Trauma-Institut gegründet. Und es gibt offenbar einen großen Bedarf.

Ein Trauma ist, wenn die Seele einen Schock bekommen hat, der nach einem verheerenden Erlebnis auftritt. Naturkatastrophen, Unfälle, sexueller Missbrauch, Folter, Kriegserlebnisse, Amoklauf oder Überfälle. Ereignisse wie diese können einen solchen Schock hervorrufen und "nahezu jeden Menschen aus der Bahn werfen", sagen die Heilpraktikerin für Psychotherapie Diana Kerzbeck und ihr Mann, der Psycho- und Traumatherapeut Ulrich Kerzbeck.

Wie gut jemand mit traumatisierenden Erlebnissen klarkommt, hänge von jedem Menschen individuell und dessen Umfeld ab. Reaktionen können auftreten wie Gefühle von Hilflosigkeit, Panikattacken, sozialer Rückzug, Vermeidung von allem was an das Ereignis erinnert, Erinnerungslücken, Schlafstörungen, ja sogar Depressionen oder Selbstmordgedanken.

Ulrich Kerzbeck nennt ein Beispiel: "Opfer einer Vergewaltigung haben beispielsweise einen bestimmten Geruch als Trigger, der sie von einem Moment zum nächsten zu dem Moment der Vergewaltigung zurückversetzt." Diese sogenannten Trigger sind Signale, die ein traumatisches Erlebnis unmittelbar wieder präsent und das Opfer in einen Schockzustand versetzen. Trigger nach Unfällen könnten beispielsweise das Geräusch von Glasscherben sein, auf die man tritt, Blaulicht, oder das Martinshorn eines Rettungswagens.

"Das kann dazu führen, dass sich diese Menschen aus bestimmten Bereichen oder auch völlig aus der Öffentlichkeit zurückziehen, um Situationen, die sie an ein schlimmes Erlebnis erinnern, zu vermeiden", erklärt Trauma- und Hypnosetherapeutin Diana Kerzbeck. "Aber das Vermeiden dieser Symptome macht es nur noch schlimmer", ergänzt ihr Mann. Die Konfrontation mit dem Erlebten sei der erste Schritt auf dem Weg, ein schlimmes Erlebnis zu verarbeiten und den seelischen Schock zu lösen. "Allerdings müssen wir einen Klienten oft erst davon überzeugen, dass diese Konfrontation gut für ihn ist", so Ulrich Kerzbeck.

Nicht selten sei es auch so, dass ein traumatisierte Mensch eine Sucht ausbilde und zum Beispiel dem Alkohol oder anderen Drogen verfalle, um sich zu kurzzeitig zu betäuben. Was nach den Worten Ulrich Kerzbecks dann bei einem Entzug häufig nicht in Betracht gezogen werde ist, dass die Sucht die Folge eines schockierenden Erlebnisses sein kann. "Bei einem Entzug wird dann nur Wert auf Abstinenz gelegt, aber nicht nach der Ursache geforscht." Meist sei der Rückfall in die Sucht dann schon vorprogrammiert.

Ein Trauma sei immer behandelbar, so Diana Kerzbeck, die in ihren Behandlungen auch die Hypnose einsetzt. Oft fühlten sich die Klienten schon nach dem kostenlosen Erstgespräch erheblich besser, sagt sie.

Im Oktober sind Diana und Ulrich Kerzbeck mit ihrem Trauma-Institut in die Kaiser-Wilhelm-Straße 14 gezogen und bilden dort sogar Heilpraktiker für Psychotherapie aus, oder führen Fortbildungen für Mediziner oder andere Psychotherapeuten durch.

Ziel der beiden sei das Schaffen einer Versorgungsstruktur von zeitnahen Behandlungsmöglichkeiten für akut und posttraumatisch Betroffene. Dazu wollen sie auch umliegende Krankenhäuser, Jugend- und Sozialämter, Ärztenetze, Firmen, oder auch Polizei und Rettungsdienst, aber auch die Bundeswehr miteinbeziehen. Denn Ulrich Kerzbeck hat in den vergangenen Jahren immer mehr Soldaten, die aufgrund ihrer Kriegserlebnisse posttraumatische Stresssyndrome aufweisen.

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