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Bünde Abitur im Doppelpack

Schüler machen in diesem Jahr nach acht und neun Jahren Abitur / Höhere Abbrecherquote

VON CORINNA SCHWANHOLD
24.03.2013 | Aktualisiert vor 0 Minuten
Im April beginnen die Abiturklausuren. In diesem Jahr machen einige Schüler nach acht Jahren Abitur, andere nach neun Jahren. - © FOTO: DPA
Im April beginnen die Abiturklausuren. In diesem Jahr machen einige Schüler nach acht Jahren Abitur, andere nach neun Jahren. | © FOTO: DPA

Bünde. Gestern war der letzte Schultag der Abiturienten. In diesem Jahr wird zum letzten Mal das Abitur nach 13 Jahren (G9) vergeben, während gleichzeitig zum ersten Mal Schüler nach zwölf Jahren (G8) die Schule verlassen. Über ihre Erfahrungen im Doppeljahrgang sprach die NW mit Abiturienten der beiden Bünder Gymnasien.

Um die beiden Jahrgänge aneinander zu gewöhnen, wurden die Schüler von G8 und G9 in der Einführungsphase (frühere Stufe 11) zunächst nur in wenigen Fächern wie Sozialwissenschaften, Geschichte, Religion und Kunst gemeinsam unterrichtet, in den anderen Kursen blieben die Jahrgänge getrennt. Die meisten Schüler hätten das gut gefunden, sagt Jan-Christian Ritz (G9), Abiturient am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Am Anfang der Sekundarstufe II wurden die Klassen aufgelöst. "Wir mussten uns erst in das neue Kurssystem einfinden, daher fand ich die langsame Gewöhnung an den anderen Jahrgang gut", sagt Ritz. Anfangs kannte der Gymnasiast nur wenige Schüler des G8-Jahrgangs. Dies änderte sich, als G8 und G9 in der Qualifikationsphase I (frühere Stufe 12) in allen Unterrichtsfächern gemeinsam unterrichtet wurden. "Es hat noch ein halbes Jahr gedauert, bis wir uns aneinander gewöhnt hatten. Heute fühlen wir uns wie eine einzige, große Stufe", sagt Ritz. Diese Gemeinschaft stellt der Schüler auch in den Kursen fest: Am Anfang der Oberstufe hätten die Schüler meist nach Jahrgängen getrennt in den Räumen gesessen. Mittlerweile mache es keinen Unterschied mehr, ob jemand das Abi nach acht oder neun Jahren macht.

Sarah Cerny (18 Jahre, G8) vom Stein-Gymnasium schätzt ebenfalls das Gemeinschaftsgefühl in ihrer Stufe. Trotzdem sei es schwer, alle Mitschüler zu kennen. Der Doppeljahrgang habe Vor- und Nachteile: "Es ist eine tolle Erfahrung, so viele Menschen kennenzulernen. Allerdings ist die Organisation nicht immer einfach. Man muss einige Einschränkungen hinnehmen, beispielsweise beim Abiball." Viele sorgen sich um ihre Zukunft – immerhin machen allein an den beiden Bünder Gymnasien jeweils rund 240 Schüler ihr Abitur – fast doppelt so viele wie in den vergangenen Jahren. Obwohl an der Gesamtschule und den Berufskollegs jeweils nur ein Jahrgang das Abitur macht, haben viele Schüler Angst, keinen Studien- oder Ausbildungsplatz zu bekommen. "Viele Schüler suchen deshalb nach einer Ausweichmöglichkeit wie einem Freiwilligen Sozialen Jahr", erzählt Jana Exner. Die 17-jährige Schülerin des Gymnasiums am Markt (G8) möchte aus diesem Grund selbst ein Jahr im Ausland verbringen. "Auf diese Weise kann man das Problem der begrenzten Studienplätze umgehen", sagt sie.

Auch die Lehrer sahen sich mit einer einzigartigen Situation konfrontiert. Einige befürchteten, die Schüler könnten insgesamt eine schwächere Leistung zeigen als andere Jahrgänge, so Michael Albers, Oberstufenkoordinator am Stein-Gymnasium. "Dieser Fall ist aber nicht eingetreten." Albers hat selbst einen Physik-Leistungskurs im Doppeljahrgang unterrichtet. "Die Notenverteilung in den beiden Jahrgängen ist gleich, auch sonst habe ich von keinen Problemen gehört." Lediglich eine etwas höhere Abbrecherquote kennzeichne den Doppeljahrgang. So hätten allein in der Qualifikationsphase I fast 30 Schüler die Stufe verlassen. "Dieses Phänomen besteht an allen Schulen. Möglicherweise ist die Angst, keinen Studienplatz zu bekommen, ein Grund. Das ist allerdings nur eine Vermutung." Auch bei der Organisation seien keine Probleme aufgetreten. Es gebe zwar eine neue Prüfungsordnung. "Aber auch das haben wir gut in den Griff bekommen", sagt Albers. Im April und Mai sind die Abitur-Prüfungen. Danach wird sich zeigen, ob es für alle klappt mit einem Studienplatz und ihren Plänen. Eines ist sicher: So einen Doppeljahrgang wird es nie wieder geben.

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