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BÜNDE Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Wie zwei Bünder von einem dubiosen Gewinnschreiben hinters Licht geführt wurden

VON FELIX EISELE
25.07.2012 | Stand 25.07.2012, 08:14 Uhr
Zwei Bünder entdeckten die auf den ersten Blcik gute Überraschung in ihren Briefkästen. - © FOTO: DPA
Zwei Bünder entdeckten die auf den ersten Blcik gute Überraschung in ihren Briefkästen. | © FOTO: DPA

Bünde. Es klang alles so lukrativ. Einen nagelneuen Farb-Fernseher, ein Fresspaket, einen Kaffeeautomaten und oben drauf 1.000 Euro in Bar versprach das Gewinnschreiben der "Räucherkate" aus Verden, das vor wenigen Tagen im Briefkasten von Elfriede M. (Name von der Redaktion geändert) landete. Geblendet vom vermeintlichen Glück schlug die Bünderin zu – und wurde bitter enttäuscht.

"Die Räucherkate sagt Danke" – so stand es in großen Lettern im angeblichen Gewinnbrief. "Wofür?", hätte sich Elfriede M. fragen können, zumal sie von dem Unternehmen noch nie zuvor etwas gehört hatte. Heute kennt sie die Antwort: Die Naivität und Gutgläubigkeit düpierter Kunden muss es sein, für die sich die Räucherkate vorab bedankte. Zunächst aber schöpfte Elfriede M. – dem dubiosen Anschreiben zum Trotz – keinen Verdacht.

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Die perfiden Tricks der "Räucherkate"

Die "Räucherkate" gibt ein Postfach, aber keine Adresse an. So verhindert sie eine etwaige Gewinn-Einklage.

Es wird zur Übergabe eines Gewinns eingeladen. An wen er geht steht dort aber nicht.

Der Fernseher wird lediglich offeriert. Von einem Geschenk ist nirgends die Rede.

Es wird gebeten, eine zweite Person "zum Tragen" mitzubringen. Dadurch erhöhen die Anbieter den Kundenkreis.

Das Fahrt-Ziel wird nicht genannt. So erschwert man der Polizei das Einschreiten.

Mit dem angegebenen Postfach agierten schon andere Firmen mit gleicher Masche. Woanders trat die "Räucherkate" mit Postfächern in Vechta, Bremen und Tweelbäke auf. (Quelle: Verbraucherzentrale)

Von einer versäumten Veranstaltung der Verdener "Räucherkate" war dort die Rede. Eigens für sie habe man Geschenke und Prämien besorgt, die nun auf ihre Abholung warteten. Dieser "riesige logistische Aufwand", so der Wortlaut, solle nicht umsonst gewesen sein: "Wir laden Sie noch einmal letztmalig ein." Als Dankeschön offeriere man ihr einen Fernseher, ein kostenloses Fresspaket und – für alle Ehepaare – einen Kaffee-Express-Automaten inklusive Porzellantassen. Darüber hinaus erhalte der Gewinner 1.000 Euro in bar.

Insbesondere das versprochene Lebensmittelpaket, zusammengestellt aus Räucherfisch, Butter, Wein, Likör, Brot, Eiern, Käse, Schinken und Honig, lockte das Interesse von Elfriede M. Eine "Räucherkate" kenne sie zwar nicht, der Gewinn aber erschien ihr äußerst lukrativ. Per beiliegender Antwortkarte meldete sie sich und ihren Neffen für die Busfahrt zur "Gewinnübergabe mit reichhaltigem Frühstück" an – und fiel schließlich aus allen Wolken.

Die erste Überraschung erlebten die beiden Bünder bereits im Bus. "Dort sagte man uns, dass die Reise nicht nach Verden, sondern nach Melle-Westerhausen gehe", erinnert sich M.’s Neffe. Ein cleverer Schachzug der "Räucherkate", wie er findet: "So können diese Leute später schwieriger ausfindig gemacht werden. Im Anschreiben fehlte ja auch schon jegliche Adresse."

Auch das "reichhaltige Frühstück" erwies sich als Enttäuschung. "Außer einer Tasse Kaffee mussten wir alles selbst zahlen", sagt M.’s Neffe, "und von den versprochenen Gewinnen war auch weit und breit nichts zu sehen." Stattdessen wurden er und seine Tante zu einem Verkaufsgespräch genötigt. Enzympräparate, Gelenkkapseln und sonstige Medikamente wurden dem überwiegend älteren Publikum offeriert und mit Horrorszenarien ausgeschmückt.

"Den Senioren wurde dort weisgemacht, sie würden ohne derlei Medikamente in desolaten Pflegeheimen landen", erzählt M.’s Neffe, der als Krankenpfleger um Wirksamkeit und Marktwert der Präparate Bescheid weiß. "Sie waren viel zu teuer und die Kunden hätten Vorkasse leisten müssen", sagt er. "Von den falschen und unverschämten Urteilen über Pflegeheime ganz zu schweigen."

Gekauft haben die beiden am Ende nichts, den versprochenen Fernseher, das Fresspaket, das Bargeld und den Kaffee-Automaten nicht einmal zu Gesicht bekommen. Bis auf ein paar billige Werbegeschenke, so sagen sie, habe es dort nichts zu holen gegeben. "Das ganze war nichts als Bauernfängerei", ärgert sich der Neffe und bedauert insbesondere die vielen Senioren, die sich auf ihre Gewinne freuten. Auch er und seine Tante standen am Ende mit leeren Händen da. "Wir hoffen, dass nicht noch mehr Menschen auf diese Masche hereinfallen."

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