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Im Vorfeld der Fußball-EM bewahrheitet sich das Churchill-Zitat, finden die Musiker Cram, Yeti, Andi Art, Töppi und Lappi (v.l.). Hund Terry leidet derweil mit seinen Artgenossen. - © FOTO: FELIX EISELE
Im Vorfeld der Fußball-EM bewahrheitet sich das Churchill-Zitat, finden die Musiker Cram, Yeti, Andi Art, Töppi und Lappi (v.l.). Hund Terry leidet derweil mit seinen Artgenossen. | © FOTO: FELIX EISELE

BÜNDE In der Ukraine liegt der Hund begraben

Mit ihrem Song "Hunde ohne Namen" setzen "Jimmy Slick" ein Zeichen gegen Straßensäuberungen im Vorfeld der Fußball-EM

VON FELIX EISELE
18.04.2012 | Stand 18.04.2012, 10:18 Uhr

Bünde. Erschütternde Bilder kursieren im Internet. Heimatlose Hunde in den Straßen der Ukraine sterben qualvoll an Gift, erliegen Schussverletzungen, verbrennen bei lebendigem Leib in rollenden Krematorien. Schön soll es aussehen, wenn König Fußball im Sommer das Zepter schwingt. Mit ihrem Protestsong "Hunde ohne Namen" aber zeigt die Bünder Band "Jimmy Slick" den Straßensäuberungen im Vorfeld der Europameisterschaft die rote Karte.

Die Vorfreude ist groß, die Erwartungen an das DFB-Team riesig. Ganz Deutschland fiebert dem Titel entgegen, wenn im Juni die Fußball-Europameisterschaft beginnt. Mit Ausnahme der Bünder Punk’n’Roll-Band "Jimmy Slick", die der Euphorie beharrlich trotzt.

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"Mario Gomez gefällt das"

"Hund ohne Namen" ist eine an den Tote-Hosen-Sound erinnernde Ballade, in der "Jimmy Slick" Wut und Emotionen in Sachen Hundetötungen verarbeiten.

Der Song steht auf www.jimmy-slick.de zum Download bereit und ist schon jetzt zu einer Hymne der Protestbewegung "Aktion Fairplay" geworden.

Andi Art verlinkte den Song auf der Facebook-Seite von Nationalspieler Bastian Schweinsteiger. Dessen Kollege Mario Gomez klickte prompt den "Gefällt mir"-Button.

"Wir spielen hier nicht mit", sagen die fünf Jungs mit Blick auf die makaberen Geschehnisse in der Ukraine, die gemeinsam mit Polen als Ausrichter des Sport-Ereignisses fungiert. Um sich glanzvoll vor der Welt präsentieren zu können, so berichtet die Tierschutzorganisation "Peta", lasse die Regierung streunende Hunde aus den Straßen der EM-Austragungsorte auf grausame Weise verschwinden.

Ein Unding, finden die Musiker von "Jimmy Slick". "Kein Geld, keine Euphorie, kein Jubel, kein Wettkampf ist es Wert, diese Abschlachtung hinzunehmen", zeigen sie sich empört. Und vermutlich, so meinen sie, würden auch viele Fußballfans ähnlich denken, wüssten sie nur um die Vorkommnisse Bescheid. "Mit unserem Song wollen wir wachrütteln", sagt Gitarrist Cram, "vielleicht bleibt ja etwas hängen". So wie es ihnen selbst erging, als sie die ersten von Peta-Ermittlern verbreiteten Bilder zu Gesicht bekamen.

"Da war zunächst emotionale Traurigkeit", erinnert sich Frontmann Andi Art, "danach kam nur noch Wut". Über die kaltblütige Ermordung von Lebewesen, über Herzlosigkeit, vor allem aber über das tatenlose Zusehen seitens der Fußballverbände. "Wieder einmal wird hier Geldmacherei über Leben gestellt", beklagt Andi Art, in dessen Augen schon die Vergabe der EM an die Ukraine ein großer Fehler seitens der FIFA war.

Zumal das Problem zu vieler Straßenhunde schon lange bekannt sei, wie "Peta" berichtet. Allein die Taten, wie etwa eine groß angelegte Kastrationskampagne, hätten zu lange auf sich warten lassen. "Die Menschen haben es versaut und bestrafen nun die Tiere dafür", echauffieren sich die Musiker. Längst haben sie beschlossen, die EM zu boykottieren. "Es ist schade um den Sport und um das Gemeinschaftsgefühl beim Gucken", so die einhellige Meinung. Der Fußball und seine Fans könnten schließlich nichts dafür, wohl aber die Verbände. "Da werden Millionen in Stadien investiert, aber für Tiere ist kaum etwas übrig. Mit diesem Wissen hätten wir einfach keinen Spaß daran".

Dass viele DFB-Anhänger diesem Vorbild folgen, glauben die Jungs indes nicht. "Aber wenn sie sich Gedanken machen und das Ganze kritisch hinterfragen, haben wir schon etwas erreicht".

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