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Bünde Rocken bis die Pfunde purzeln

Herzmonat November: Wie zwei Patienten mit Hilfe einer Ernährungsberatung 78 Kilo abspeckten

VON ANDREA ROLFES
19.11.2009 | Stand 18.11.2009, 20:35 Uhr
Erwin Dickertmann hat sein Gewicht mit gesunder Ernährung und Fahrradfahren von 150 auf 115 Kilo reduziert. Elke-Ann Pont-Franke hat 140 Kilo gewogen und 43 Kilo abgenommen.
Erwin Dickertmann hat sein Gewicht mit gesunder Ernährung und Fahrradfahren von 150 auf 115 Kilo reduziert. Elke-Ann Pont-Franke hat 140 Kilo gewogen und 43 Kilo abgenommen.

Bünde. Ihr Arzt hatte sie bereits gewarnt, sprach von gesundheitlichen Risiken. Doch Petra-Ann Pont-Franke ignorierte die Anspielungen auf ihr zu hohes Gewicht. Erst als sie erfuhr, dass Mitschüler ihren Sohn wegen seiner dicken Mutter hänseln, platzte der Knoten. Die 33-Jährige begriff, dass sie abspecken muss. Das Team der Ernährungsberaterinnen des Ärztenetzes MuM halfen der Rödinghausenerin dabei.

Petra-Ann Pont-Franke steht mit ihren Pfunden keineswegs alleine auf weiter Flur. Jeder zweite ist heutzutage übergewichtig, weiß Ernährungsberaterin Pia-Christiana Bank. "Kein Wunder", sagt sie", es ist ja auch verdammt schwer in Zeiten des Überflusses schlank zu bleiben." Das Problem: Übergewicht und Fettleibigkeit sind hohe Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Grund genug für die deutsche Herzstiftung, den November zum Herzmonat auszurufen, um für Aufklärung zu sorgen. Diese Gelegenheit möchten die Ernährungsberaterinnen des Gesundheitsprojektes OptiMuM nicht ungenutzt lassen.

Schließlich gibt es auch in Bünde viel zu tun. Tausende übergewichtige Patienten haben Pia-Christiana Bank und Anja Große Wortmann bisher beraten, derzeit sind es 80. Eine von ihnen ist Petra-Ann Pott-Franke. Ihr Spiegelbild hat sich inzwischen erkennbar verändert. Mit einem Doppelkinn, Kleidergröße 56, 140 Kilo bei 1,77 Metern Größe betrat sie im März das Büro der Ernährungsberatung. Heute, neun Monate später, hat sie sich um 43 Kilo erleichtert, lacht viel und ist meist heiser. Warum? Weil ihr Fitnessprogramm nicht nur Pfunde purzeln lässt, sondern auch die Stimmbänder angreift. Von Sport im Allgemeinen hält die Rödinghausenerin nämlich nicht viel. Deshalb überlegte sie mit ihrer Ernährungsberaterin Anja Große Wortmann, was sie nichtsdestotrotz ins Schwitzen bringen könnte.

Das Hobby war schnell gefunden. "Ich gehe jetzt auf Konzerte", sagt Petra-Ann Pont-Franke ganz selbstverständlich. Manchmal einmal, manchmal zwei Mal die Woche. "Dann rocke ich so mit, dass die Fetzen fliegen." Das tut zwar der Stimme nicht gut, hat dem Hüftspeck allerdings ordentlich eingeheizt.

Der Anfang war gemacht, fehlte nur noch eine Umstellung der Ernährung. Denkt jeder - doch weit gefehlt. Die 33-Jährige verzichtet weder auf ihre heißgeliebten Süßigkeiten, noch auf Vollfettkäse. "Schuhsohlen habe ich lange genug gegessen", sagt sie. Ein bisschen mehr Obst und Gemüse, dafür ein Bonbon weniger. Das ist alles. Ein Erfolgsrezept.

Erwin Dickertmann, ebenfalls Patient der Optimum-Ernährungsberatung, geht mit sich etwas härter ins Gericht. Für ihn ist Schluss mit XXL-Menüs, er begnügt sich nun mit dem "Happy-Meal". Und natürlich gab es statt Currywurst gesunde Rohkost. Erwin Dickertmann schmunzelt. "Ich kam mir irgendwann wie ein Kaninchen vor", sagt der 49 -Jährige, der in neun Monaten sein Gewicht von 150 auf 115 Kilo reduzierte. "Alles freiwillig", betont Pia-Christiana Bank. "Ich habe ihn zu nichts gezwungen", schwört sie. Auch nicht zum Fahrradfahren. Seit der Bünder erfolgreich in die Pedale tritt, traut er sich wieder eine Radlerhose anzuziehen. "Das hätte ich früher nie gemacht."

Selbstvertrauen und Zufriedenheit strahlt auch Petra-Ann Pont-Franke aus. Kleidergröße 56 ist Schnee von gestern, jetzt schaut sie glücklich in den Spiegel. Ihr Doppelkinn ist weg, die langen schwarzen Haare sind einem Kurzhaarschnitt mit roten Strähnen gewichen. Ihr Sohn ist stolz auf sie, ihre Freundinnen freuen sich, dass sie wieder häufiger auf Konzerten dabei ist und ihr Mann staunt über seine rundum glückliche Frau. "Er hat mir gesagt, das ich mich sehr zum Positiven gewandelt habe", sagt die junge Frau und lacht.

Sie hat allen Grund dazu. Nicht nur, weil sie heute lieber in den Spiegel schaut, sondern weil sie gesünder lebt. Vorbeugung ist wichtig und der Ernährung kommt eine Schlüsselrolle zu. "Niemand muss aussehen wie eine dürre Tanne", sagt Pia-Christiana Bank. "Doch die häufigste Todesursache waren 2008 Herz- und Kreislauferkrankungen." Und Petra-Ann Pont-Franke und Erwin Dickertmann hätten bewiesen, das vieles machbar ist, ohne auf geliebte Naschereien verzichten zu müssen.

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