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Monika Hess-Zanger und Dietrich Adam boten den Bünder Publikum einen nervenaufreibenden Abend voller Hinterhältigkeit. Ihre "kleinen Eheverbrechen" schreckten auch vor Mord nicht zurück. - © FOTO: FELIX EISELE
Monika Hess-Zanger und Dietrich Adam boten den Bünder Publikum einen nervenaufreibenden Abend voller Hinterhältigkeit. Ihre "kleinen Eheverbrechen" schreckten auch vor Mord nicht zurück. | © FOTO: FELIX EISELE

Zwischen Liebe und Illusion

Schmitts "Kleine Eheverbrechen" im Stadtgarten erfolgreich inszeniert

VON FELIX EISELE
23.04.2009 | Stand 22.04.2009, 21:12 Uhr

Bünde. Fünfzehn Ehejahre, ein Gedächtnisverlust und ein "Archiv, das nach dem Faktor Zeit geordnet ist" – mehr Zutaten benötigt das Stück "Kleine Eheverbrechen" von Éric-Emmanuel Schmitt nicht. Am Dienstag wurde es im Bünder Stadtgarten aufgeführt und begeisterte das Publikum.

Der Hintergrund der Geschichte – so scheint es – ist schnell erzählt: Gilles, der durch einen angeblichen Unfall auf der Haustreppe sein Gedächtnis verloren hat, kehrt von seinem Krankenhaus-Aufenthalt zu seiner Frau Lisa zurück. Diese versucht ihn wieder zurück in sein Leben als Kriminalroman-Autor zu führen. Ein Vorhaben, das zunächst vielversprechend beginnt.

Nach und nach entwickelt sich die Rekonstruktion der Ereignisse jedoch zu einem schier undurchschaubaren Verwirrspiel. Unachtsam entfährt Gilles der Ortsname ihrer Flitterwochen. Ist seine Amnesie vielleicht doch nur vorgetäuscht? Lisas Vorwurf, er habe versucht sie umzubringen, wird lässig mit einem Verweis auf den Gedächtnisverlust gekontert. Doch mit der Zeit entpuppt sich alles als Lüge.

In Wahrheit war es Lisa, die einen von Eifersucht angetriebenen Mordversuch gegen ihren Mann unternommen hat. Anlass war ein Blick in Gilles Roman "Kleine Eheverbrechen", in dem sie ihre eigene Ehe wiederfand. Gilles hingegen lügt tatsächlich: um herauszufinden, wie sich seine Frau ihren Mann und die Partnerschaft wünscht, täuscht er seine Amnesie vor.

Das Stück brilliert mit verzwickten Dialogen und feinem Sprachwitz.
Auch die beiden Darsteller vom Wolfgang-Borchert-Theater Münster wussten zu überzeugen. Monika Hess-Zanger als Lisa schafft es immer wieder, von barmherziger Liebe auf feindselige Eifersucht umzuschalten, während Dietrich Adam in der Rolle des Gilles einen bürgerlichen Feingeist mimt, der seinerseits im passenden Augenblick zum Gegenschlag ausholt. Nicht zuletzt aufgrund der schauspielerischen Leistungen waren die Besucher im Stadtgarten mehr als zufrieden.
    

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