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Der Gedenkstein in Hücker-Aschen im November 2020 noch ohne Umgestaltung. - © Privat
Der Gedenkstein in Hücker-Aschen im November 2020 noch ohne Umgestaltung. | © Privat

Bünde/Spenge Kritik an Umgestaltung der Gedenkstätte von Franziska Spiegel

Noch gibt es kein Hinweisschild an der Straße, das den Weg zum Gedenkstein im Hückerholz weist. Ein solches fehlt auch in Bünde für die Stolpersteine. Zudem bringt die Linke eine neue Idee ein, um die beiden Orte und Franziska Spiegels letzten Gang sichtbar zu machen.

Katharina Eisele
08.08.2022 , 16:00 Uhr

Bünde/Spenge. Wie kann der ermordeten Bünder Jüdin Franziska Spiegel würdevoll gedacht werden? 1944 wurde sie im Hückerholz von SS-Leuten erschossen. Eine Debatte darum hatte sich schon vor zwei Jahren entsponnen, als die beiden Ortsverbände der Partei Die Linke aus Bünde und Spenge sich über den Zustand beklagten. An der Gedenkstätte in Hücker-Aschen hat sich zwar einiges getan, das geht den Kritikern von damals aber nicht weit genug, wie sie jetzt in einer Stellungnahme schreiben. Titel: „Nur ein erster Schritt in die richtige Richtung“.

Wie seinerzeit berichtet, zeigten sich die Kritiker „entsetzt“ über den Zustand des Gedenksteins, der Anfang der 1990er Jahre als Mahnmal erreichtet worden war: Stein und Tafel waren verdreckt, selbst gezimmerte Bänke aus Paletten waren die einzige Sitzmöglichkeit. Die Stadt Spenge griff damals die Kritik auf und gestand im Kulturausschuss ein, dass durch eine fehlende Einfriedung oder Abgrenzung abgestellte Kerzen und Kränze immer etwas „unaufgeräumt“ aussähen.

Das hat sich getan

Mittlerweile ist, wie berichtet, der Gedenkstein im Hückerholz eingefriedet worden. Vergangenes Frühjahr hatte außerdem der Kreisheimatverein eine Steele mit einem QR-Code aufgestellt. Durch das Scannen des Codes mit dem Smartphone oder Tablet können Besucherinnen und Besucher etwas über das Leben und die Ermordung Franziska Spiegels erfahren. Genau dies hatte auch die Partei Die Linke gefordert: Sie hatte sich für einen intermedialen Zugang ausgesprochen.

Und dennoch geht die Neugestaltung Alexander Kalteis aus Bünde und Eric Brennemann aus Spenge nicht weit genug: „Es ist nur ein erster Schritt in die richtige Richtung, doch darauf muss nun aufgebaut werden“, schreiben sie in einer Stellungnahme, die der NW vorliegt. Dabei bleiben sie nicht bei einem nebulösen Rundumschlag, sondern benennen konkrete Forderungen an die beiden Städte. So fehle weiterhin eine Sitzmöglichkeit. „Auch ein Schaukasten wäre wichtig, schließlich hat nicht jeder Besucher ein internetfähiges Handy dabei oder weiß, wie man den QR-Code einscannt“, argumentieren sie. Auf Bünder Seite gelte dasselbe für die Stolpersteine am ehemaligen Kotten, „die schnell übersehen werden“.

Der Gedenkstein wurde mittlerweile eingefriedet und eine Stele mit QR-Code aufgestellt. - © Jörg Militzer
Der Gedenkstein wurde mittlerweile eingefriedet und eine Stele mit QR-Code aufgestellt. | © Jörg Militzer

Wünschenswert wäre an den jeweiligen Anfahrtsstraßen zudem ein Hinweisschild, das in Spenge auf das Denkmal und in Bünde auf die Stolpersteine verweist. „Es ist besonders wichtig, hier zu handeln, da der ehemalige Wohnort von Franziska Spiegel selbst nicht mehr existiert“, mahnen die beiden Politiker.

Ein Gedenk-Gang?

Noch nicht bedacht worden ist bisher eine Verbindung der beiden Gedenkorte. Dafür schlagen Kalteis und Brennemann vor, den letzten Weg, den Franziska Spiegel damals gehen musste, sichtbar zu machen, „von den Stolpersteinen bis zum Denkmal“. Als Beispiel nennen sie die Fußspuren, die zum Beispiel an der Bustedter Grundschule den Weg der Kinder zum Schulbus markieren.

„Wir möchten noch einmal auf die wichtige erinnerungskulturelle Funktion verweisen, die von den beiden zentralen Punkten ausgeht, die auf das grausame Verbrechen hinweisen“, heißt es abschließend.

Und zumindest der Spenger Bürgermeister Bernd Dumcke gab auf Anfrage der NW zu verstehen, dass es von städtischer Seite aktuell keine Planung gebe, da mehr zu machen als das, was schon umgesetzt worden sei. Wer sich aber ehrenamtlich einsetzen wolle, könne das gerne tun.

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