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Der Vlothoer Landwirt Hendrik Halewat, sein Elverdisser Kollege Rainer Bohnenkamp und Hermann Dedert als Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld stehen auf deinem Acker, der womöglich in einigen Jahren von der neuen ICE-Trasse durchschnitten wird. - © FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP
Der Vlothoer Landwirt Hendrik Halewat, sein Elverdisser Kollege Rainer Bohnenkamp und Hermann Dedert als Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld stehen auf deinem Acker, der womöglich in einigen Jahren von der neuen ICE-Trasse durchschnitten wird. | © FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP

Kreis Herford Neue ICE-Trasse: Bauernfamilie in Sorge um ihre Zukunft

Rainer Bohnenkamp aus Elverdissen fürchtet, dass die Bahn seinen Hof durchschneiden wird. Er und seine Berufskollegen nennen viele Gründe, sich gegen eine Neubautrasse zwischen Bielefeld und Hannover zu wehren.

Frank-Michael Kiel-Steinkamp
20.03.2021 | Stand 24.03.2021, 19:24 Uhr

Kreis Herford. Die Landwirtsfamilie Bohnenkamp ist 1995 mit ihrem Bauernhof aus dem Elverdisser Dorfkern an den Ortsrand Richtung Brake gezogen, um Platz zu machen für den Bau eines Supermarktes und um in eine sichere Existenz zu investieren. Jetzt ist Rainer Bohnenkamp in großer Sorge um die Zukunft seines 10 Hektar großen Hofes, den eines Tages der Sohn übernehmen soll.

"Man wird enteignet zum Ackerlandpreis"

Sollte die neue ICE-Trasse zwischen Bielefeld und Hannover nicht entlang der vorhandenen Bahntrasse gebaut werden, sondern auf einer anderen Route, ist die Gefahr groß, dass der Hof in Sichtweise des Wohnhauses Braker Straße 99 durchschnitten wird und eineinhalb Hektar besten Ackerlands verloren gehen. "Man wird enteignet zum Ackerlandpreis und auch der Resthof wird an Wert verlieren", fürchtet der 47-Jährige. "Elverdissen würde durchtrennt."

"Wir haben von der ICE-Strecke nichts", meint Hendrik Halewat. Er fürchtet, dass beim Neubau mehr Ackerland in Mitleidenschaft gezogen wird, als die reine Trassenfläche. Rainer Bohnenkamp weiß, dass sich Teile eines Ackers, unter dem 1993 eine Überland-Erdgasleitung verlegt worden sei, immer noch nicht von der Bodenverdichtung erholt habe.

Bohnenkamp ist nur ein Beispiel für viele Landwirte, denen ein ähnliches Schicksal droht. "Die Bauern des WLV-Kreisverbandes Herford-Bielefeld stellen sich vehement gegen die Neubautrasse des ICE", heißt es in einer Stellungnahme, die der Kreisvorsitzende Hermann Dedert bei einem Ortstermin abgegeben hat. Mit dem hölzernen Warndreieck der Vlothoer Bürgerinitiative gegen die ICE-Neubautrasse machte auch Hendrik Halewat symbolisch auf die Gefahr aufmerksam.

"Das kann man glauben, muss man aber nicht"

Hermann Dedert ist als Vertreter der Landwirte Mitglied im sogenannten "Plenum" aus Vertretern der betroffenen Kreis und Kommunen. "Uns wurde versichert, dass der Planungsbereich mit möglichen Trassenverläufen noch ein weißes Blatt sei", sagte Hermann Dedert. "Das kann man glauben, muss man aber nicht", ist der Hiddenhauser skeptisch. "Wenn das Ziel ist, 31 Minuten zu gewinnen, fallen von den fünf möglichen Trassen die meisten aus, auch die Bestandsstrecke." Die Landwirtschaft werde in jedem Fall Hauptbetroffene sein, sagte Dedert. Und: "Die Landwirte sind verunsichert. Man fühlt, das steckt noch mehr dahinter." Es müsse vollständige Transparenz geschaffen werden. Man wolle sich nicht der Verkehrswende mit mehr Verkehr auf der Schiene verschließen, aber: "Es muss verträglich für Mensch, Natur und Steuerzahler sein."

Fläche wäre für regionale Lebensmittelproduktion verloren

Zentraler Punkt für die Landwirte sei der Flächenverlust als Produktionsgrundlage für die Bauern, sagte Dedert. Dabei gehe es nicht nur um den Bau selbst, sondern auch um naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen. Für die geforderte Erzeugung regionaler Lebensmittel sei der Verlust der Fläche schädlich. Der Boden habe darüber hinaus wichtige Funktionen für Natur, Umwelt und Klima. Die Zerschneidung der Landschaft zerstöre Natur- und Erholungsräume. Auch die betroffene nicht-bäuerliche Bevölkerung müsse insbesondere beim Neubau einer Trasse mit einer Verringerung von Wohn- und Lebensqualität rechnen.

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