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Co-Working-Spaces liegen im Trend und laut der Grünen-Fraktion sind sie besonders in Corona-Zeiten eine attraktive, hygienische und in vielen Fällen auch umweltfreundliche Alternative zum Arbeitsplatz im Großraumbüro des Arbeitgebers. - © Foto: Tumisu/Pixabay
Co-Working-Spaces liegen im Trend und laut der Grünen-Fraktion sind sie besonders in Corona-Zeiten eine attraktive, hygienische und in vielen Fällen auch umweltfreundliche Alternative zum Arbeitsplatz im Großraumbüro des Arbeitgebers. | © Foto: Tumisu/Pixabay

Bünde Grüne wollen offene Bürogemeinschaften

So genannte „Co-Working-Spaces“ in der Innenstadt sollen laut der Grünen-Fraktion helfen, in der „Corona-Zeit“ flexibel und hygienisch außerhalb der Firma zu arbeiten.

Gerald Dunkel
01.07.2020 | Stand 04.07.2020, 09:41 Uhr

Bünde. Homeoffice, also das Arbeiten zu Hause, ist zumindest für diejenigen, die vorwiegend Schreibtischarbeit zu erledigen haben, zunehmend zu einer echten Alternative zum Büro im Unternehmen geworden. Seit Mitte März gilt die Heimarbeit als ein wirksames Mittel zur Unterbrechung von Infektionsketten, weil die Kollegen sich nicht persönlich, sondern allenthalben in Videokonferenzen sehen.

Nicht für alle ist die Arbeit im Homeoffice die Erfüllung, schon gar nicht, wenn Kinder im Haus sind, die noch nicht verstehen können, dass Mama oder Papa eben nicht frei haben, obwohl sie doch zu Hause sind.

Dezentrale Arbeitsplätze ohne Ansteckungsgefahr

Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat will Möglichkeiten schaffen, wie sowohl Freiberufler, aber auch Angestellte so genannte „Co-Working-Spaces“, also Plätze in einer offenen Bürogemeinschaft in der Stadt nutzen können. Die könnten von Firmen angemietet werden, um besonders in der aktuellen Pandemie-Situation dezentrale Arbeitsplätze ohne Ansteckungsgefahr zu schaffen.

Uwe Mausch stellte einen entsprechenden Antrag seiner Fraktion jetzt im Ausschuss für Wirtschaftsförderung vor.

Es wird dabei nicht nur das momentane Ansteckungsrisiko reduziert, „es werden auch Ressourcen frei“, heißt es in dem Antrag. „Zeit, Kosten und Nerven für die oft anstrengenden Pendlerfahrten zu weiter entfernten Arbeitsplätzen können eingespart werden. Das macht dezentrales Arbeiten zumindest für einige Tage in der Woche für Unternehmen und die Mitarbeiter gleichermaßen interessant“, so die Grünen. Voraussetzung sei natürlich die Einhaltung von Hygienemaßnahmen auch in diesen dezentralen Arbeitsbereichen. Das „Recht auf Homeoffice“ würde ihren Worten nach von Teilen der Bundesregierung angestrebt.

Eine Innenstadtbelebung ginge damit einher

Vor zwei Jahren hielt der Professor für Städtemanagement, Ares Kalandides, einen Vortrag bei der Vereinigung der Selbstständigen (VdS) im Kreis Herford. Dabei beleuchtete er sowohl die Situation der großen wie auch der kleinen und mittleren Städte. Eine Tendenz in der Veränderungen von Städten sah der Wissenschaftler in der Verknappung von Wohnraum besonders in Großstädten und den Trend zu eben diesen von den Grünen angesprochenen „Co-Working-Spaces“.

Eine Innenstadtbelebung ging laut der Grünen damit einher, da die „Co-Worker“ mittags oft in der Stadt verblieben, um dort zu essen, oder nach Feierabend auch in der Stadt einkaufen.

Döring: »Ein Antrag wie aus einem Kinderparlament«

Laut dem Grünen-Antrag soll die Stadtverwaltung prüfen, wo geeignete Räume entwickelt und angeboten werden könnten. Im Blick hat die Fraktion zum Beispiel leerstehende Ladenlokale in der Innenstadt. Eine Vermarktung oder Buchung von Einzelarbeitsräumen oder auch größeren Besprechungsräumen soll demnach über die Internetseite der Stadt erfolgen.

Eine Idee, die erst nach einer Diskussion überwiegend Anklang bei den übrigen Ausschussmitgliedern fand. Jörn Döring (UWG) spottete hingegen, dass das Papier wie „ein Antrag aus einem Kinderparlament“ wirken würde, in dem deren Mitglieder forderten „Wir wollen eine Großraumdisko“. Laut Döring sei es nicht Aufgabe der Stadt, in den Immobilienmarkt einzugreifen.

Guido Ronsiek (FDP) sagte, dass man nicht einfach beschließen kann, dass diese Räume entstehen sollen, ohne den Bedarf zu kennen. „Erst muss man die Nachfrage ermitteln, bevor man ein Angebot schafft“, sagte auch Kai Unzicker (SPD). Martin Schuster (CDU) nannte ähnliche Beispiele aus Osnabrück und Herford. „Die Frage ist aber, welche Rolle die Stadt Bünde dabei spielt.“ Eine Aufgabe, die über das Netzwerken hinausgeht, sieht Schuster für die Stadt nicht.

Ladenlokale sind teurer zu vermieten als Büroflächen

Uwe Mausch: „Zunächst heißt es erst einmal, die vorhanden freien Räume zu ermitteln und erst im weiteren Verlauf zu gucken, ob die Stadt dafür zuständig ist, oder ob sich der Vermieter oder Verpächter darum kümmern kann.“

Hartmut Bokel und Ralf Grund warfen ein, dass Eigentümer von Ladenlokalen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht darauf anspringen würden, „denn wer ein Ladenlokal verpachtet, kann einen wesentlich höheren Quadratmeterpreis verlangen als für Büroflächen. 15 bis 25 Euro für ein Ladenlokal, aber nur 4 bis 8 Euro für Bürofläche“.

Laut Jörn Döring, der aus einem Branchenartikel zitierte, sollte Corona nicht als Grund zur Schaffung von Co-Working-Spaces herangezogen werden. „Die Co-Working-Branche sagt, dass aufgrund von Corona die Nachfrage einen massiven Rückgang erfahren hat.“

Letztlich konnten sich alle Ausschussmitglieder dem Vorschlag anschließen, dass die Stadt zunächst prüft, ob solche Möglichkeiten überhaupt bestehen.

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