0
Protest vor dem Rathaus: Junge Klimaaktivisten stellten sich mit ihren Eltern im Vorfeld der Ratssitzung auf. - © GERALD DUNKEL
Protest vor dem Rathaus: Junge Klimaaktivisten stellten sich mit ihren Eltern im Vorfeld der Ratssitzung auf. | © GERALD DUNKEL

Bünde Streit um den Weg zum Klimaschutz im Bünder Stadtrat

Um das Thema ist in dem Gremium nun der Wahlkampf ausgerufen worden. Junge Klima-Aktivisten protestieren vor dem Rathaus und fordern von der Politik mehr Einsatz gegen den Klimawandel.

Gerald Dunkel
11.10.2019 | Stand 11.10.2019, 06:27 Uhr

Bünde. Dass es Jugendlichen bei ihrem Protest für eine klimafreundliche Politik nicht nur ums Blaumachen an Freitagen geht, zeigten Schüler und ihre Eltern unter anderem auch am Mittwochabend vor der Sitzung des Stadtrates vor dem Rathaus. Für die Schüler, die eine gesunde Umwelt zum Ziel haben, ist es zum Teil unverständlich, dass man über das Thema überhaupt in Streit geraten kann. Sie wurden als Zuschauer der Ratssitzung eines Besseren belehrt. Aileen Wichert ist Schülerin der Erich-Kästner-Gesamtschule und war am Mittwochabend eine der Aktivistinnen, die sich mit Bannern und Transparenten vor dem Rathaus für eine grüne Zukunft starkmachten. Aber eben nicht nur da und auch nicht nur an besagten Freitagen im Rahmen der „Fridays for Future"-Aktionen. „Wir haben schon an vielen Veranstaltungen teilgenommen – auch in unserer Freizeit", sagt die 15-Jährige und fügt zusammen mit Hella Niediek und Emma Rohwetter, mit denen sie ein Banner hält, an: „Und wir sind auch alle mit unseren Fahrrädern hier und wurden nicht von unseren Eltern mit dem Auto gebracht." Ein Vorwurf, den sie sich häufig anhören müssen. Antrag ist für SPD und Grüne zu oberflächlich In der Sitzung des Stadtrats folgten mehrere Tagesordnungspunkte aufeinander, die sich mit dem Klimaschutz befassten. Zunächst ein gemeinsamer Antrag von CDU, FDP und UWG, der sowohl von der SPD wie auch den Grünen zusammengefasst als oberflächlich bezeichnet wurde. Kieper: „Darin werden Maßnahmen gefordert, die längst angestoßen sind. Man kann dem Antrag zustimmen, denn er schadet nicht, er hilft aber auch nicht." Diplomatischer klang Stefanie Janßen (Grüne): „Der Antrag ist sehr weich gefasst und er reicht natürlich nicht." Wie bereits berichtet, fordern die drei Fraktionen unter anderem, dass sich der Rat zu den Klimazielen der Bundesrepublik Deutschland und der EU bekennen soll. Ferner soll der Rat anerkennen, dass die „Veränderung des Klimas auch in Bünde ernsthafte Maßnahmen erfordert, um diese Ziele zu erreichen". Auch soll der Rat auf „tatsächlich wirksame und zielführende Maßnahmen" setzen und der Klimabeirat soll künftig die Herausforderungen des Klimawandels für Bünde diskutieren und der Politik Vorschläge für eine klimagerechte Stadtentwicklung machen. Andrea Kieper bezeichnete den Antrag als „begrüßenswert", weil er überhaupt erstmal ein Antrag aus dem „konservativen Lager zu diesem Thema" sei. Einteilung in "gute und schlechte Lager" Ernst Tilly (FDP) argumentierte als einer der drei Antragsteller: „Wir haben hier Ziele formuliert, für die wir alle haftbar gemacht werden können. Und hier wäre es wichtig, die Gemeinsamkeit deutlich zu machen." Tilly kritisierte ferner, dass Kieper versuche, Lager zu bilden und diese in „gut und schlecht" einzuteilen. „So sollten wir nicht miteinander umgehen." In die gleiche Richtung ging die Wortmeldung von Martin Schuster (CDU), der anmahnte, dass die SPD am Tag zuvor im Planungsausschuss mehrheitlich einen Antrag nicht mitgetragen habe, in dem es darum ging, „die Privatinitiative zum Thema Bäume finanziell zu fördern". Gegenseitig wirft man sich vor, nur die Vorschläge des politischen Gegners zu kritisieren, aber selbst keine Vorschläge einzubringen und den Klimaschutz zum Wahlkampfthema zu machen. Letztlich nahm der Rat den gemeinsamen Antrag von CDU, FDP und UWG aber einstimmig an. Ebenso auch einen Antrag der SPD auf die „Fortschreibung des Integrierten kommunalen Klimaschutzkonzepts" im darauf folgenden Tagesordnungspunkt. Die Klima-Aktivisten auf der Besucherempore des Ratssaals erlebten, dass die Politik gemeinsam zwar das große Ziel haben kann, das Klima und die Umwelt zu schützen, dass man über die Wege dahin aber auch unterschiedlicher Meinung sein kann und diese mitunter umso deutlicher artikuliert wird, je näher ein Wahltermin rückt.

realisiert durch evolver group