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Jungtier: Ein Kitz (Symbolfoto) ist im Bünder Stadtteil Holsen vermutlich von Hunden zu Tode gehetzt worden.  - © Heinz Heckmeier
Jungtier: Ein Kitz (Symbolfoto) ist im Bünder Stadtteil Holsen vermutlich von Hunden zu Tode gehetzt worden.  | © Heinz Heckmeier

Bünde Gerissenes Reh in Bünde: Hundebesitzer zahlt Entschädigung

Freilaufende Hunde stehen in Holsen im Verdacht, ein junges Kitz zu Tode gehetzt zu haben. Der Jagdpächter ärgert sich über verantwortungslose Halter - gleichwohl diese in diesem Fall vorbildlich handelten.

Jan-Henrik Gerdener
19.08.2019 | Stand 20.08.2019, 10:36 Uhr

Bünde. "Nehmt Rücksicht auf's Wild" steht auf einem Schild an einem Baum, mitten zwischen zwei Feldern. Als erster Tipp wird darauf geraten, Hunde an die Leine zu nehmen. Nur wenige hundert Meter weiter entfernt kommt dennoch ein Rehkitz zu Tode - gerissen von einem Hund. Doch an der Frage, welcher Hund der "Täter" war, scheiden sich die Geister. Denn hier steht Aussage gegen Aussage und es gibt keine direkten Augenzeugen. Freilaufende Hunde seien in Holsen aber generell ein Problem, meint Wilhelm Schmidt, einer der drei Jagdpächter in Holsen, die für den Schutz des Wildes vor Ort zuständig sind. "Warum es hier keine Leinenpflicht gibt, entzieht sich meiner Kenntnis." So kommt es zur tierischen Tragödie. Sie sei nur ein Fall von vielen. Spaziergänger wollen Todesschrei des Rehs gehört haben Vergangene Woche gehen zwei Anwohner hier mit ihren Hunden - einem Ridgeback und einem Deutsch Kurzhaar - spazieren. Die Tiere sind nicht angeleint. Laut ihrer Schilderung bleibt der Deutsch Kurzhaar hinter den beiden zurück. Eine Anwohnerin meint, in dieser Zeit den Deutsch Kurzhaar dabei zu sehen, wie ein ansässiges Reh mit zwei Kitzen aufgeschreckt wird und ein dunkler Hund eines der Kitze hetzt. Dann verschwinden sie aus ihrer Sichtweite hinter einer Scheune. Als sie hinter die Scheune geht, findet sie das Rehkitz tot vor. Ob der Hund tatsächlich das Reh gerissen hat, hat sie allerdings nicht gesehen. Die beiden Spaziergänger wollen unterdessen einen Todesschrei des Rehs gehört haben. Dann sehen sie die gestikulierende Frau und nähern sich ihr. Der Besitzer des Deutsch Kurzhaar ruft nun seinen Hund zurück. Er und sein Begleiter bezeugen, dass der Hund aus der entgegengesetzten Richtung zu ihnen kommt und keinerlei Spuren von Blut aufweist. Freiwillige Zahlung ist kein Schuldeingeständnis Es folgt ein erhitztes Wortgefecht, in dem Beschuldigungen ausgesprochen werden. Doch es lässt sich weder beweisen, dass der Hund das Reh gerissen hat, noch dass er es nicht hat. In diese schwierige Situation wird Jagdpächter Schmidt nun gerufen. "Da weder ich noch sonst jemand genau gesehen hat, was passiert ist, kann ich nichts machen. Es kann einer der beiden Hunde gewesen sein. Es kann aber auch theoretisch ein ganz anderer Hund gewesen sein", erklärt er. Hätte sich der Täter ermitteln lassen, hätte ihm ein Bußgeld wegen einer Ordnungswidrigkeit und eine Strafzahlung an den Jagdpächter zum Ersatz des toten Wildes gedroht. Schmidt meint, dem Besitzer des beschuldigten Hundes sei "hoch anzurechnen, dass er mich sofort gerufen hat. Viele machen das nicht." Der Mann erklärt sich zudem dazu bereit, einen Betrag in die Jagdkasse zu zahlen. "Das ist aber kein Schuldeingeständnis, sondern als Entschädigung, weil wir unsere Hunde aus den Augen verloren haben und für die Mühen, die Herr Schmidt wegen uns hatte", erklärt er. "Täglich 20 bis 30 Besitzer mit freilaufenden Hunden" Auch wenn sich die Schuldfrage wohl nie wirklich klären lassen wird, ärgert Schmidt sich über solche Fälle. "Eigentlich hätten die beiden das besser wissen müssen und ihre Hunde anleinen sollen. Denn jeder Hund hat einen Jagdtrieb." Doch gerade an der Stelle des Vorfalls ließen Hundebesitzer ihre Tiere immer wieder frei laufen. "Jeden Tag sehe ich hier zwischen 20 und 30 Besitzer mit ihren freilaufenden Hunden. Teilweise sogar mit bis zu fünf Hunden auf einmal. Die kann der Halter doch nicht mehr kontrollieren. Die heizen sich dann so auf, dass das Wild gar keine Chance mehr hat." Er ärgert sich, dass auch die aufgestellten Schilder ignoriert würden. Auch seien viele Besitzer nicht einsichtig, wenn er sie darauf anspreche. Stattdessen würden sie direkt beleidigend oder würden ihn sogar bedrohen. "Das Problem gibt es aber nicht nur in Holsen. Viele Jagdpächter aus den anderen Stadtteilen erzählen mir ähnliches."

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