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Eine Frau schaut sich die Gastherme im Keller an. Bei der Hitze ist es zu mehreren Kohlenmonoxid-Unfällen gekommen. - © picture alliance / Photoshot
Eine Frau schaut sich die Gastherme im Keller an. Bei der Hitze ist es zu mehreren Kohlenmonoxid-Unfällen gekommen. | © picture alliance / Photoshot

Einsätze Risiko bei Hitze: Kohlenmonoxid-Alarm in Wohnungen mehrerer NRW-Städte

Die Feuerwehr muss zu Einsätzen ausrücken, weil die Abgase von Gasthermen in Wohnungen strömen.

Nadine Uphoff
25.07.2019 | Stand 25.07.2019, 20:52 Uhr
Lena Kley

Bünde/Minden/Lemgo. In einer Dachgeschoss-Wohnung in Bünde ist am Mittwochabend Kohlenmonoxid (CO) ausgetreten. Laut Bünder Feuerwehr lag das an der großen Hitze. Das Gas ist farblos, geruchlos und deshalb besonders gefährlich – und im Ernstfall tödlich. Dies ist derzeit nicht der einzige Fall: Auch in Herne und Bochum musste die Feuerwehr wegen der extremen Wetterlage zu zwei beziehungsweise fünf Kohlenmonoxid-Einsätzen ausrücken. Doch in allen Fällen hatten die Hausbewohner am Ende Glück: Ein CO-Melder rettete sie. Schornstein funktioniert bei Hitze nicht Der Grund für den Austritt des Gases in allen Fällen sind nach Angaben der verschiedenen örtlichen Einsatzkräfte die dezentralen Gasthermen, die an den Schornstein angeschlossen sind. Die Wohnungen hatten sich stark aufgeheizt, so dass die Abgase nicht richtig durch den Schornstein abziehen konnten und das Kohlenmonoxid in der Wohnung austrat. Dirk Franck, Obermeister der Schornsteinfeger-Innung Ostwestfalen-Lippe, zeigte sich überrascht von der Häufung der Fälle. In ganz OWL habe es im Jahr 2018 drei Kohlenmonoxid-Vorfälle gegeben. Er erklärt: „Ein Schornstein funktioniert nach dem Temperaturprinzip. Die warmen Abgase steigen auf, weil sie eine geringere Dichte als die kalte Luft außerhalb des Schornsteines haben.” Wenn es jetzt aber, wie aktuell, so heiß draußen ist, dass der Temperaturunterschied gegen Null tendiert, dann funktioniere der Schornstein nicht: Die Abgase steigen sehr langsam auf oder entweichen gar nicht. Keller ist besserer Standort für Gastherme Um zu verhindern, dass Gas zurück zum Brenner gelangt und es zu einer Verpuffung kommt, gibt es eine Strömungssicherung an der Therme. Diese leitet die Gase dann aber in die Wohnung oder den Keller, je nachdem, wo das Gerät angebracht ist. Da sich die Bewohner aber selten im Keller aufhalten, hält Dirk Franck es für besser, die Gasthermen dort zu installieren. Das sei in größeren Wohnblöcken aber nicht machbar. Und: Falls dort mal CO austreten sollte, kann es über das Treppenhaus aufsteigen. CO-Melder kann Leben retten Was den Bewohnern in den bekannt gewordenen Fällen das Leben gerettet hat, war ein CO-Melder. Durch den wurden sie gewarnt und konnten rechtzeitig die Feuerwehr rufen. Auch der Obermeister der Schornsteinfeger-Innung rät zu solchen Warngeräten, wenn man eine Gastherme in der Wohnung hat. Die Feuerwehr Bünde reagierte in diesem aktuellen Fall sofort: Sie gab der Energie- und Wasserversorgung Bünde Bescheid, die erstmal den Gas-Anschluss sperrte, da noch nicht sicher war, ob weitere Wohnungen in dem Haus betroffen waren. Anschließend rückten die Feuerwehr mit Löschgruppen und weiteren Kräften des DRK und des Rettungsdienstes an. Es stellte sich heraus, dass nur die eine Wohnung betroffen war. Tatsächlich hatten aber zwei der drei Personen Kohlenmonoxid im Blut. „Das waren keine besorgniserregenden Werte, aber sie wurden vorsorglich ins Krankenhaus gebracht", sagte Rüdiger Meier, Leiter der Feuerwehr Bünde. Hitze ist nicht allein für Vorfälle verantwortlich Dass Gasthermen bei Temperaturen über 30 Grad zum Risiko werden, verneint Dirk Franck aber: „Gasthermen sind sicher. Aber CO-Unfälle wird man nie komplett ausschließen können.” Es gebe keine kritische Temperatur, ab der der Schornsteinfeger gerufen werden sollte. Denn es würden noch weitere Faktoren, wie die Größe, Länge und Beschaffenheit des Schornsteins sowie der Luftdruck eine Rolle spielen. Im Zweifel empfiehlt es sich nach dem Gebrauch der Therme, also etwa nach dem Duschen, zu lüften. Regelmäßige Wartung ist wichtig Zusätzliche Sicherheit biete ein Abgastemperatursensor, der an der Gastherme angebracht ist. „Er soll die Therme abschalten, wenn es zum Rückstrom der Abgase kommt”, sagt der Mindener. Das Problem: Manchmal sind die Fühler verstaubt und können dann nicht richtig arbeiten. Daher sei es sehr wichtig, Gasthermen mindestens einmal im Jahr warten zu lassen. Das kann Andreas Busse, Serviceleiter bei der Firma „T&R Gebäude Service", die unter anderem im Heizungskundendienst tätig ist, unterstreichen: „Je mehr Ablagerungen auf dem Sensor sind, desto schlechter arbeitet er." Dabei handele es sich nicht nur um Staub, denn die Therme saugt die Umgebungsluft an. Wenn das Gerät im Bad hängt, könnte sich Haarspray absetzen oder Fett in der Küche.

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