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Ein Fußballtrainer aus Bünde hat in Löhne eine Bierflasche auf einen Kneipengast geworfen und ihn verfehlt. Das Amtsgericht hat ihn jedoch wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung verurteilt. - © Verwendung weltweit
Ein Fußballtrainer aus Bünde hat in Löhne eine Bierflasche auf einen Kneipengast geworfen und ihn verfehlt. Das Amtsgericht hat ihn jedoch wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung verurteilt. | © Verwendung weltweit

Löhne/Bünde Fußballtrainer wirft Bierflasche auf Gast vorm "Jahneck" in Löhne

Nach der Sperrstunde suchte der 27-jährige Mann offenbar Anschluss bei einer Gruppe anderer Gäste. Doch die wiesen ihn ab.

Ulf Hanke
16.07.2019 | Stand 16.07.2019, 10:51 Uhr

Löhne. Der Mann ist auf Bewährung, weil er als Postbote Tausend Briefe unterschlagen hat. 17.000 Euro Schulden drücken, zwei Ausbildungen hat er abgebrochen, er lebt bei seiner Großmutter und von Arbeitslosengeld. Am 3. Februar aber wollte der Bünder, der ehrenamtlich als Fußballtrainer arbeitet, nach den Hallenmeisterschaften richtig feiern - und zwar bis in die Puppen. Der Abend vorm "Jahneck" in Löhne endete jedoch mit einem Bierflaschenwurf auf einen anderen Gast. Danach übergab sich der Angeklagte. Der Gast wurde von der Flasche zum Glück nicht verletzt, nur die Heckscheibe eines Autos ging zu Bruch. Der Werfer musste sich aber am Freitag vorm Amtsgericht Bad Oeynhausen wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung verantworten. Der 27-jährige Angeklagte aus Bünde konnte sich nicht mehr an viel erinnern. Außer, dass er nach einem Streit weggelaufen und blindlings eine leere Bierflasche nach hinten geworfen habe. Angeblich zur Verteidigung. Der Richter hakte nach. "Selbstverständlich wollte ich niemanden verletzen", sagte der Angeklagte: "Ich habe noch nie jemandem weh getan." Eine Erklärung dafür, warum er weggerannt sei und die Flasche warf, lieferte der Angeklagte nicht. Auch nicht dafür, was womöglich Anlass für den Streit vorm Weglaufen war. Die Polizei stellte später 2,61 Promille Alkohol in seinem Blut fest. Vier Zeugen erzählen eine ganz andere Geschichte Die Erinnerungslücken konnten vier Zeugen füllen. Die jungen Männer waren ebenfalls bis zur Sperrstunde in der Gaststätte und hatten neben, aber nicht mit dem 27-jährigen Bünder gezecht. Nach kurzem Aufenthalt vor der Tür entschieden sie, nach Hause zu fahren und der Angeklagte wollte mit - die Zeugen wollten das aber nicht. Sie fuhren nicht in die gleiche Richtung. Mehrere der Zeugen erzählten zudem, dass der Angeklagte bereits noch im Stehen mit einer Bierflasche gezielt nach einem aus ihrer Gruppe geworfen habe. Gesehen hat den Wurf aber nur der Anvisierte. Er duckte sich rechtzeitig, die Bierflasche flog über seinen Kopf hinweg und zerstörte die Heckscheibe eines parkenden Autos. Danach sei der Mann weggerannt, ein anderer aus der Gruppe lief hinterher, holte ihn ein und sah, wie der Mann sich an einer Hecke übergab. Die Bewährungshelferin stellt eine negative Sozialprognose aus Der Verteidiger sah im Alkoholkonsum des Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit, die Flasche sei sicherlich nicht gezielt geworfen worden. Der Rechtsanwalt forderte ein mildes Urteil. Der Staatsanwalt verwies dagegen auf die laufende Bewährung des Angeklagten. Seine Bewährungshelferin hatte ihm zudem eine negative Sozialprognose ausgestellt, weil er Termine mit ihr nicht eingehalten habe und auch nicht ernsthaft zur Schuldnerberatung gegangen sei. Der Richter schloss sich dem Staatsanwalt an und verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 15 Euro (1.350 Euro). Die Bewährung aus dem anderen Urteil wird womöglich noch zurückgenommen. Der Angeklagte und der Staatsanwalt nahmen das Urteil an. Es ist damit rechtskräftig.

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