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Julian (2) blickt neugierig in die Kamera. Er und sein großer Bruder Robin (6) balgen gern auf dem bunten Moosgummi-Teppich im Wohnzimmer. - © GERALD DUNKEL
Julian (2) blickt neugierig in die Kamera. Er und sein großer Bruder Robin (6) balgen gern auf dem bunten Moosgummi-Teppich im Wohnzimmer. | © GERALD DUNKEL

Bünde Welt-Downsyndrom-Tag: Ein Video als ein Plädoyer für das Anderssein

Warum Vanessa und Christian Kristahn sich ihren zweijährigen Julian nicht mehr anders vorstellen können. Ein Musikvideo, das heute erscheint, hat seine Wurzeln im Garten der Familie

Gerald Dunkel
21.03.2019 | Stand 21.03.2019, 09:03 Uhr |

Bünde. Manchmal passieren große Dinge einfach aus dem Bauch heraus. So ist es auch mit der bundesweiten Produktion eines Musikvideos zum heutigen Welt-Downsyndrom-Tag (WDST), an dem 80 Familien, Profi-Bands, eine Filmagentur und viele Sponsoren mitgewirkt haben. "Du bist so" ist der Titel und zeigt dem Betrachter eine wichtige Botschaft. "Im vergangenen Jahr", so Vanessa Kristahn, "erschien ein Video der britischen Elterninitiative 'Wouldn?t change a thing'. Das wurde innerhalb kürzester Zeit zu einem viralen Hit im Internet. Wir saßen im Oktober mit einigen Eltern beim Kaffee in unserem Garten und dachten uns: 'So was könnten wir doch eigentlich auch mal machen'." Das Ergebnis reißt mit. 130 Kinder und Jugendliche mit und ohne Down-Syndrom senden darin die Botschaft in die Welt: "Du bist so und ich bin anders" und "wir sind schön und gut und richtig wie wir sind"! "Ein Song, der nicht nur für eine Gesellschaft von Menschen mit und ohne Behinderung gelten kann", sagt Vanessa Kristahn, die für die Öffentlichkeitsarbeit der Elterninitiative verantwortlich zeichnet. Kinder mit Downsyndrom gehören dazu "Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um Inklusion und die Ausweitung der Pränataldiagnostik ist es Eltern und Angehörigen von Menschen mit Downsyndrom ein Anliegen, Vorurteile und Berührungsängste abzubauen", sagt die Mutter. Mit dem Song- und Videoprojekt will die Initiative zeigen, dass "Kinder mit Downsyndrom dazu gehören und das Downsyndrom nichts ist, vor dem man Angst haben muss. Weder im Umgang mit Menschen mit Downsyndrom noch als werdende Eltern", erklärt Vanessa Kristahn, die - genauso wie ihr Mann Christian, nicht verhehlt, dass es ein Schock gewesen ist, als sie erfuhr, dass Julian das Downsyndrom hat. "Wir haben uns vorher bewusst dazu entschieden, keinen Test zu machen", sagt sie. Aber auch jetzt hält sie nichts von vorgeburtlichen Untersuchungen. Einerseits wegen der Unsicherheit, da sie eine Behinderung nie hundertprozentig nachweisen könnten. "Aber vor allem, weil man jemandem doch nicht das Recht auf Leben absprechen kann", sagt sie und fährt fort: "Ja, es hat ein bisschen gebraucht, bis wir die Situation angenommen haben. Aber heute können wir uns Julian gar nicht mehr anders vorstellen." So sieht es auch Julians älterer Bruder, der sechsjährige Robin. Beide balgen auf dem Fußboden, wie es Geschwister nun einmal tun. Ein Bild, das sich thematisch in vielfacher Form in dem Musikvideo "Du bist so" fortführt. Mehrere Musiker aus der Region sind daran beteiligt. So zum Beispiel die Band "KrAWAllo", Astrid Hauke alias "Lieselotte Quetschkommode" und Jochen Vahle von der Band "Randale" aus Bielefeld. Aber auch die Band "Affenbande" aus Biberach sowie Suli Puschban und "Ich & Herr Meyer" aus Berlin sind dabei. Die Produktion des Films finanzierte die Deutsche Stiftung für Menschen mit Downsyndrom über Mittel, die wiederum aus der Aktion "Mützen, die nützen" von Radio Herford stammen. Viele weitere Unterstützer sorgten dafür, dass das Projekt umgesetzt werden konnte. "Wir hoffen, dass wir mit dem Song und dem Video eine breite Öffentlichkeit erreichen, vor allem auch Menschen, die sonst keine Berührungspunkte zum Downsyndrom haben", wünscht sich auch Rita Lawrenz, Vorsitzende der Deutschen Stiftung für Menschen mit Downsyndrom. Ab heute wird der Song auf allen gängigen Streaming-Diensten verfügbar sein. Sämtliche Erlöse der Künstler und Urheber aus diesem Vertrieb kommen der Deutschen Stiftung für Menschen mit Downsyndrom zugute.

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