Heizt die Menge ein: Versammlungsleiter Ayman Zribi, Schüler der Erich-Kästner-Gesamtschule, machte Stimmung. - © Noah Wedel
Heizt die Menge ein: Versammlungsleiter Ayman Zribi, Schüler der Erich-Kästner-Gesamtschule, machte Stimmung. | © Noah Wedel

Bünde Schwänzen gegen den Klimawandel

Demonstration: Rund 300 Schüler beteiligten sich am Freitag an der internationalen Aktion „Fridays for future“ auf dem Rathausplatz – und gaben sich kämpferisch

Bünde. Viele Passanten staunten zur Mittagszeit nicht schlecht, als sich eine Menschenmenge mit Schildern vor dem Rathaus bildete. Rund 300 Schüler – vornehmlich von der Erich-Kästner-Gesamtschule (EKG) und vom Gymnasium am Markt (GaM) – demonstrierten gegen den Klimawandel. „Auf dieser Titanic gibt es zu wenig Panik" war auf einem der unzähligen Plakate zu lesen. Es steht sinnbildlich für die Protestaktion „Fridays for future", die international in vielen Städten stattfand. Ab 12 Uhr gab es ein einstündiges Skandieren der jungen Generation mit den Worten „wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut". Die Schüler trotzten dem schlechten Wetter – und die meisten von ihnen schwänzten sogar den Unterricht. „Die Aufmerksamkeit für ein so wichtiges Themas wird damit größer", sagte Ayman Zribi, dem es wert ist, dafür vom Unterricht fernzubleiben. Der Schüler der EKG hatte die Veranstaltung organisiert. Lautstark feuerte er die weiteren Schüler mit Schlachtrufen an. Ebenso animierte er die Gemeinschaft, mitzuhüpfen, zu schreien und damit von den Lokalpolitikern gehört zu werden. Unentschuldigte Fehlstunden Der stellvertretende GaM-Schulleiter Thomas Holste-Malavasi sagte, dass er an die Richtlinien gebunden sei: „Wir finden es anerkennenswert, dass sich die sonst als unpolitisch und uninteressiert gehaltene Generation politisch engagiert. Dennoch kollidieren die Aktionen mit der Schulpflicht und wir sind gezwungen, die Vorgaben zu erfüllen", sagte er. Denn das Schulministerium erlaube keine Beurlaubungen und die Stunden müssten demnach als unentschuldigt gewertet werden. Die Protestaktion am Freitag war bereits die zweite dieser Art. Bereits um zehn Uhr hatten sich rund 40 Schüler vor dem Rathaus versammelt. Versammlungsleiter Ralf Wiegmann unterstützte die Jugendlichen: „Die Zukunft der Kinder sieht nicht rosig aus, da muss etwas passieren", sagte der Elektroingenieur, der berufsbedingt wisse, dass „viel zu viel Energie erzeugt wird." Schülerin Isabell Gawin fehlte bereits vor zwei Wochen unentschuldigt in der Schule: „Bisher ist deswegen nichts passiert und ich werde weitermachen, auch wenn das Folgen hat. Denn die Politiker sollen endlich nicht nur reden, sondern etwas tun", forderte die 14-Jährige. Der Tenor ihrer Mitschüler: „Wir schwänzen nicht, wir kämpfen." „Eine Wiederholung ist vorstellbar, es hat sich gelohnt", sagte Zribi. Die Schüler werden weiterhin von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch machen.

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