Mit einem alten Feuerwehrauto auf Wahlkampf-Tour: Der Bünder Jörn Döring ist für den Europa-Wahlkampf der Freien Wähler mitverantwortlich. - © Niklas Krämer
Mit einem alten Feuerwehrauto auf Wahlkampf-Tour: Der Bünder Jörn Döring ist für den Europa-Wahlkampf der Freien Wähler mitverantwortlich. | © Niklas Krämer

Bünde Mittendrin statt nur dabei

Europawahl: Jörn Döring ist einer der Mitorganisatoren des bundesweiten Wahlkampfs der Freien Wähler. Bald beginnt die heiße Phase. Dann ist er in ganz Deutschland unterwegs

Bünde. München, Leipzig, Köln, Essen und wieder München. Etwa 4.500 Kilometer hat Jörn Döring in einer Woche zurückgelegt. Bald können es noch mehr werden. Nämlich dann, wenn der Wahlkampf in die heiße Phase geht. Jörn Döring organisiert den Europa-Wahlkampf für die Freien Wähler. Und das deutschlandweit. Der Bünder gehört einem dreiköpfigen Team an, das sich im Hintergrund um alles kümmert, damit die Freien Wähler ein bestmögliches Ergebnis bei der Europawahl am 26. Mai erreichen. Ob Kampagnen, die Gestaltung von Plakaten oder die Strategie in den sozialen Netzwerken: Bei all dem hat Döring ein gehöriges Wort mitzureden. Mandat für den Stadtrat legt er zum April nieder In der heimischen Politik ist der 41-Jährige ohnehin kein Unbekannter. Döring sitzt im Stadtrat und in Fachausschüssen, kandidierte bereits für die Freien Wähler für den Bundestag. Zum April legt er jedoch sein Mandat für den Stadtrat nieder, für ihn übernimmt Uwe Blomeier. Das habe jedoch nichts mit der Organisation des Europawahlkampfes zu tun. „Das hatten wir im Vorfeld der Kommunalwahl 2014 bereits so festgelegt“, erklärt Döring. Einen vollen Terminkalender hat er in diesen Wochen ohnehin. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass er den deutschlandweiten Europa-Wahlkampf für die Freien Wähler mit leiten darf? Um diese Frage zu beantworten, erzählt Döring aus seinem Leben. Er war mit einer Werbeagentur selbstständig, sammelte da schon erste Erfahrungen in den sozialen Netzwerken, die noch in den Kinderschuhen steckten. Beruflich unterstützte er Parteien bei Kommunalwahlkämpfen, übernahm den Druck für Flyer, erstellte Radiospots. „Da habe ich erste Einblicke bekommen.“ Es ging für ihn in die Gastronomie, er war Teil der Betriebsleitung der Herforder Diskothek „X“. Danach kandidierte er für die Freien Wähler, klebte dabei Plakat um Plakat. Auch aufgrund seiner Erfahrung kam er jetzt in das Organisationsteam. Denn innerhalb der Freien Wähler hat sich Döring einen Namen gemacht, er ist Landesschatzmeister seiner Partei und leitet die NRW-Landesgeschäftsstelle in Dortmund. Die Freien Wähler setzen in diesem Jahr bei ihren Kampagnen und deren Umsetzung auf die eigenen Reihen. Bei der Bundestagswahl hatten sie dafür noch eine Werbeagentur beauftragt. „Die haben das gut gemacht, doch das Individuelle hat gefehlt“, sagt Döring. Dass das in diesem Jahr anders sein soll, ist auch der Job des Bünders. Stark vor Ort, engagiert für Europa – so wollen die Freien Wähler bei der Europa-Wahl punkten. „Für Rahmenbedingungen ist die EU nötig, Details können aber direkt vor Ort besser entschieden werden“, erklärt Döring. Die Freien Wähler präsentieren sich pro europäisch, das verdeutlicht schon das Motto „unsere Heimat Europa“. Momentan läuft für Döring die Phase der Bestellungen: Plakate, Flyer – all das wird gebraucht, um auf die Freien Wähler aufmerksam zu machen. Er koordiniert und schaut, wo und wie plakatiert werden darf. „Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie viele Plakate man am Tag schafft.“ Außerdem starten bald die Kampagnen in den sozialen Netzwerk. Und all das müssen die Freien Wähler laut Döring mit begrenzten finanziellen Mitteln umsetzen. „Wir hoffen, dass wir drei Mandate bekommen“, nennt Döring seinen Ansporn. Momentan sind die Freien Wähler mit nur einem Mandat im EU-Parlament vertreten. Wenn die heiße Phase des Wahlkampfes beginnt, wird man Döring nicht all zu oft in Bünde antreffen. Dann wird er mit einem alten, knallroten Feuerwehrauto – es wurde zum Wahlmobil der Freien Wähler umfunktioniert – auf Deutschland-Tour sein. Er ist bei der Planung von Infoständen involviert, unterstützt bei Wahlveranstaltungen. Zum Plakatierengeht’s in die Heimat Ingolstadt, Düsseldorf und das Saarland heißen dann unter anderem seine Ziele. Es werden lange Touren, nicht nur aufgrund der Distanzen. „Das Auto fährt maximal 75 km/h“, sagt Döring und lacht. Eine Woche hat er sich dann doch frei gehalten: Nämlich dann, wenn in Bünde plakatiert werden darf. „Wenn sonst Unterstützung gebraucht wird, helfe ich.“ Dem 41-Jährigen würden durch diesen Job „neue Perspektiven“ aufgezeigt. „Vor Kurzem habe ich mich mit dem bayrischen Wirtschaftsminister, Hubert Aiwanger, ausgetauscht“, sagt Döring. Auch mit Ulrike Müller, Europaabgeordnete der Freien Wähler, stehe er in Kontakt. Hat er damit einen Schlussstrich unter seine kommunalpolitischen Absichten in Bünde gezogen? „Nein“, sagt Döring. „Es kann gut sein, dass die Kommunalpolitik bald wieder auf meinem Zettel steht.“

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