Vor Gericht: Mit einem Autounfall und einer anschließenden Flucht zu Fuß beschäftigte sich jetzt das Amtsgericht Bünde. Am Ende wurde der Angeklagte freigesprochen, da ihm die Tat nicht nachgewiesen werden konnte. Foto: Gerald Dunkel - © Gerald Dunkel
Vor Gericht: Mit einem Autounfall und einer anschließenden Flucht zu Fuß beschäftigte sich jetzt das Amtsgericht Bünde. Am Ende wurde der Angeklagte freigesprochen, da ihm die Tat nicht nachgewiesen werden konnte. Foto: Gerald Dunkel | © Gerald Dunkel

Bünde Vorwurf Unfallflucht: Gericht spricht Angeklagten frei

Prozess: Einem 47-Jährigen wurde vorgeworfen, alkoholisiert einen Verkehrsunfall verursacht zu haben und dann zu Fuß geflüchtet zu sein. Doch dem Gericht fehlt der Nachweis, dass er wirklich am Steuer saß

Bünde. Die Vorwürfe waren schwer: Laut Anklage soll ein 47-jähriger Bünder alkoholisiert mit seinem Pkw einen Autounfall verursacht haben und dann zu Fuß von der Unfallstelle geflüchtet sein. Dafür musste er sich vor dem Amtsgericht Bünde verantworten. Für die Richterin war es jedoch in letzter Konsequenz nicht nachweisbar, dass er tatsächlich am Steuer gesessen hatte. Darum endete der einstündige Prozess mit einem Freispruch. Laut Anklage soll der 47-Jährige am 27. Mai 2018 mit seinem Mercedes gefahren sein, obwohl er alkoholisiert gewesen sei. „Er war nicht mehr in der Lage, das Auto zu führen", sagte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Gegen 21.18 Uhr soll der Bünder dann in der Straße, in der er wohnt, gegen zwei parkende Pkw gefahren sein. Es entstanden wirtschaftliche Totalschäden in Höhe von 1.350 Euro und 3.450 Euro. „Obwohl er den Unfall bemerkte, entfernte er sich von der Unfallstelle", warf ihm die Staatsanwaltschaft vor. Spätere Blutproben ergaben Werte von 2,19 beziehungsweise 2 Promille. Angeklagt wurde der Halter des Mercedes wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung und unerlaubten Entfernens vom Unfallort. Angeklagter schweigt Zu den Vorwürfen äußern wollte sich der Angeklagte nicht. Er schwieg während des gesamten Prozesses. Einzig ein 57-jähriger Anwohner schilderte das, was er gesehen hatte. „Das Auto kam mir Schlangenlinien fahrend entgegen", sagte der Bünder. Der Fahrer sei viel zu schnell unterwegs gewesen. Der 57-Jährige habe dann mit seinem Auto gewendet. Dann habe er nur gesehen, dass am roten und blauen Pkw Schäden entstanden seien – und wie ein Mann aus dem Mercedes zu Fuß flüchtete. „Die Tür ging auf, er stieg aus und weg war er." Da es jedoch schon dunkel war, konnte er den Mann nicht genau erkennen. „Er war groß, kräftig und hatte lichtes Haar", so der Zeuge. Eine Anwohnerin habe in der Zwischenzeit die Polizei gerufen. 35 Minuten später griffen die Beamten den Halter des Fahrzeugs auf und brachten ihn zur Unfallstelle. Doch der Zeuge konnte vor Gericht nicht sicher behaupten, dass es sich dabei um die Person handelte, die er zuvor auf der Flucht gesehen hatte. „Es könnte sein – die Größe passte." „Haben Sie denn die Person, die damals aus dem Mercedes flüchtete, heute schon gesehen?", wollte die Richterin wissen. Auch das konnte der Zeuge nicht sicher beantworten. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Strafe in Höhe von 70 Tagessätzen á 30 Euro und einen Führerscheinentzug von einem Jahr. Für sie war klar: Die Statur und sonstige Beschreibungen würden mit dem Angeklagten übereinstimmen. Der Verteidiger sah es wiederum nicht als erwiesen an, dass der 47-Jährige überhaupt am Steuer gesessen habe. „Der Zeuge konnte ihn nicht wiedererkennen." Auch wer den Pkw gesteuert habe, der ihm vor dem Unfall entgegenkam, habe er nicht bemerkt. Die Richterin sprach den Angeklagten schließlich frei. Der Grund: Mit erforderlicher Sicherheit könne nicht festgestellt werden, ob er das Auto gefahren habe.

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