Beratung: Zwei Mediziner betrachten Aufnahmen eines Computertomographen (CT), der Schnittbilder des Brustkorbs mit der Lunge gemacht hat. ARCHIVFoto: Gerald Dunkel - © Gerald Dunkel
Beratung: Zwei Mediziner betrachten Aufnahmen eines Computertomographen (CT), der Schnittbilder des Brustkorbs mit der Lunge gemacht hat. ARCHIVFoto: Gerald Dunkel | © Gerald Dunkel

Bünde / Kirchlengern / Rödinghausen Enorme Resonanz am Ärztetelefon

Herz- und Lungenerkrankungen: Nur einen Bruchteil von mehreren hundert Anrufen konnte Chefarzt Thomas Bitter am Wochenende in der NW-Redaktion beantworten. Eine zweite Auflage der Aktion ist geplant

Bünde/Kirchlengern/Rödinghausen. Bei Fragen, die Patienten zum Teil sogar quälen, haben Ärzte heute immer weniger Zeit, um sie zu beantworten. Das liegt nicht daran, dass sie das nicht wollen, sondern an den Anforderungen, die die verschiedenen Ebenen im Gesundheitswesen – angefangen bei den Krankenkassen – an sie stellen. Ihnen fehlt oft einfach die Zeit. Dass der Gesprächsbedarf aber groß ist, zeigte erneut das Lesertelefon der NW in Kooperation mit dem Lukas-Krankenhaus am Wochenende. Erkrankungen von Herz und Lunge bildeten das Oberthema der Anrufe, die Dr. Thomas Bitter, Chefarzt der medizinischen Klinik II am Bünder Lukas-Krankenhaus, beantwortete. Und die Nachfrage war überwältigend. Eigentlich sollte auch Bitters leitender Oberarzt Markus Peter Kindermann dabei sein. Der fiel allerdings krankheitsbedingt kurzfristig aus. Aber selbst wenn Kindermann anwesend gewesen wäre, wäre der Kaffee in den Tassen vermutlich kalt geworden, denn es gab kaum Zeit für einen Schluck davon. Nach seinem dritten Telefonat blickte Bitter auf das Display des Telefons in der Redaktion und war überrascht: „59 unbeantwortete Anrufe" las der Mediziner vor. Da lief die Telefonaktion gerade einmal sechs Minuten. Sieben Minuten später zeigte das digitale Zählwerk „100 unbeantwortete Anrufe" und blieb bei dieser Zahl stehen, weil der Speicher damit voll war. Chefarzt Thomas Bitter konnte in den zwei Stunden von den mehreren hundert Anrufen aber immerhin 32 beantworten, die inhaltlich eine große Bandbreite aufwiesen. „Vielschichtig und bunt gestreut durch Herz und Lunge", so Bitter. Erkrankungen des Herzens ziehen oft die Lunge in Mitleidenschaft, Erkrankungen der Lunge führen häufig zu Herzschäden. Beide Organe müssten als Einheit betrachtet werden, so der Mediziner. Thematische Bandbreite der Fragen war groß Der Chefarzt war froh, dass ihm keine Fragen gestellt wurden, wie die nach der Notwendigkeit, bestimmte Medikamente weiterhin einzunehmen. „Das kann ich am Telefon dann wirklich nicht beantwortet", sagte er. Einige Anrufer wurden bereits von einem anderen Arzt untersucht und wollten von dem Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Pneumologie (Lungenheilkunde) lediglich eine Zweitmeinung. Die thematische Bandbreite reichte dabei von der Behandlung von Herzrhythmusstörungen über die Frage nach dem Ablauf einer Herzkatheteruntersuchung bis hin zur Feststellung und Behandlung von Pilzen in der Lunge. Recht häufig ging es um den Ablauf von Diagnoseverfahren. Thema war aber auch das Rauchen. Ein Mann, der eigenen Angaben zufolge seit etwa 50 Jahren zwei Schachteln Zigaretten täglich raucht, wollte wissen, woran er merken könne, dass er „mal zum Arzt muss". Sorge bestand aber auch bei einigen Anrufern wegen vermeintlich zu niedrigen Blutdrucks und ob dadurch eine Ohnmacht ausgelöst werden könne. Bitter riet zu einer 24-stündigen Blutdruckmessung, die der Hausarzt veranlassen könne. „Einmalige Messungen beim Arzt oder im Krankenhaus sind immer nur eine Momentaufnahme. Außerdem spielt dann auch immer noch die Aufregung des Patienten in ungewohnter Umgebung mit hinein", so der Mediziner. Mit einer Aufzeichnung des Blutdrucks rund um die Uhr, mit einem Messgerät, das der Patient auch zu Hause und im Bett trägt, komme man Problemen und der Ursache eher auf die Spur. Zudem, so Thomas Bitter weiter, hänge es auch immer davon ab, ober der niedrige Blutdruck Probleme verursache oder nicht.

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