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Tüftler: Jedes kleine Detail kann einen winzigen, aber entscheidenden Unterschied auf der Rennstrecke ausmachen. Dieser Fahrer nimmt einen größeren Umbau an seinem Wagen vor. Fotos: Maurice Arndt
Tüftler: Jedes kleine Detail kann einen winzigen, aber entscheidenden Unterschied auf der Rennstrecke ausmachen. Dieser Fahrer nimmt einen größeren Umbau an seinem Wagen vor. Fotos: Maurice Arndt

Bünde Kleine Autos für große Tüftler

Rennsport: In Holsen surren die Motoren. Modellautofans fahren dort mit ihren Wagen um die Wette. Jedes kleine Detail kann auf der Rennstrecke den Unterschied ausmachen

Maurice Arndt
11.02.2019 | Stand 10.02.2019, 18:45 Uhr

Bünde. Auch in Zeiten von Elektromotoren denken die meisten bei Rennsport noch immer an lautes Gedröhne, dicke Sonnenbrillen und Benzingeruch. Etwas anders sieht der Rennsport beim "RC-Team Preußisch Oldendorf" aus. Die 50 Mitglieder des Vereins sausen seit 2001 mit fast lautlosen, ferngesteuerten Elektro-Autos um die Wette - seit 2017 auf neuer Strecke auf Bünder Boden. Dort wurde nun am Wochenende das erste externe Rennen des Jahres ausgetragen. Mit der "RCK-KleinSerie" begrüßte das RC-Team eine relativ junge Rennserie in der "RC-Arena Bünde" in Holsen. Die neue Serie erfreute sich sofort großer Beliebtheit. "Wir mussten irgendwann einen Cut machen bei 60 Teilnehmern. Mehr passen nicht in unser Fahrerlager", berichtete Mirko Hennig, Vorsitzender des RC-Teams. Potenziell hätten aber noch deutlich mehr Fahrer Interesse an einer Teilnahme bei dem zweitägigen Event gehabt. Einen Grund für das große Interesse sah der Vorsitzende in der Einsteigerfreundlichkeit der Veranstaltung. Neben den Rennklassen VTA für Klassik-Fahrzeuge und LMP für Formel-Fahrzeuge mit Hinterradantrieb, die sich beide eher an fortgeschrittene Fahrer richten, gab es auch die Klassen GT-Sport und GT2. In der GT2-Klasse konnten alte Porsche-Modelle bestaunt werden, während in der GT-Sport-Klasse Fahrzeuge mit einfach gehaltenen Chassis, also Unterbauten, eingesetzt wurden. Jeweils ideal für Anfänger. Erstmals in Holsen Dadurch kamen einige Fahrer erstmalig nach Holsen. Denn beim regionalen P&W-Cup und den vereinseigenen PR.O.S.T (Preußisch OIdendorfer Speed Tage) nehmen in der Regel eher fortgeschrittene Fahrer teil. Darüber hinaus wurde das Rennwochenende als Kombilauf der Regionalgruppen Nord und West ausgetragen. Insgesamt ist die "Klein-Serie" in fünf Regionalgruppen aufgeteilt, die sich voraussichtlich im Frühjahr 2020 zu einer Art deutschen Meisterschaft treffen sollen. An den zwei Renntagen setzten sich die Fahrer bis ins kleinste Detail mit Strecke und Fahrzeug auseinander. Schließlich ist jede Strecke anders: Neben der Streckenführung gibt es auch verschiedenen Beläge. Auf Indoor-Strecken, wie in Holsen, wird meistens auf Teppich gefahren, während man im Freien über Asphalt düst. Am Samstag wurde deshalb von elf bis 19 Uhr getestet. Nacheinander fuhren die vier Klassen immer wieder für rund zehn Minuten auf die Strecke und versuchten - mit bis zu 40 km/h - Kurve für Kurve zu perfektionieren. Zwischen den Testphasen schraubten die Piloten im Fahrerlager an ihren Vehikeln. Eine Umrundung dauert nur etwa zehn Sekunden "Man kann zum Beispiel am Fahrwerk, den Stoßdämpfern und den Reifen werkeln", erklärte Hennig. Jedes noch so kleine Detail kann einen winzigen aber entscheidenden Unterschied ausmachen. Auch die Aerodynamik, also der Überbau, sei wichtig. Letzten Endes kommt es auch im kleinen Rennsport auf Tausendstel-Sekunden an. Insbesondere weil eine Umrundung der 100-Meter-Strecke nur rund 10 Sekunden dauert. Da bleibt wenig Zeit, um einen großen Vorsprung herauszufahren. Ein Vorsprung war aber vor allem am Sonntag wichtig. Dann fuhren die vier Klassen am Vormittag ihr Qualifying. Nur die schnellsten Fahrer qualifizierten sich für die Finalrennen am Nachmittag. Die etwas langsameren Fahrer durften nach dem Qualifying zwar auch noch einmal fahren, nur eben nicht mehr um die ersten Plätze. Neben den eigenen Rennen und den wöchentlich zwei Trainingssessions, begeistern sich die Mitglieder des RC-Teams auch für den "großen" Motorsport. "Jeder, der selbst fährt, ist rennsportbegeistert", weiß Hennig. Unter anderem habe man bereits das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring besucht. "Da sind wir dann richtig klassisch zum Campen hingefahren." Ganz ohne Gedröhne und Benzingeruch können auch RC-Fahrer nicht.

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