Eine Frohnatur: Mirja Boes bringt nicht nur das Publikum im Bünder Stadtgarten zum Lachen. - © Foto: Torben Stallmann
Eine Frohnatur: Mirja Boes bringt nicht nur das Publikum im Bünder Stadtgarten zum Lachen. | © Foto: Torben Stallmann

Bünde Sentimentaler Comedy-Karneval mit Mirja Boes

Stadtgarten: Mirja Boes sorgt mit ihrem Programm "Auf Wiedersehen. Hallo." für gute Unterhaltung und einige Spekulationen

Bünde. Die Reihen des Stadtgartens sind gut gefüllt. Rund 600 Zuschauer warten auf das Bühnenprogramm "Auf Wiedersehen. Hallo." von Mirja Boes. Doch gilt der erste Moment des Programms den "Honkey Donkeys", der Band, die die Komikerin schon viele Jahre begleitet. In roten, grünen und blauen Kleidern, bestückt mit Federkronen und neonfarbenen Federboas, heizen sie, durch ihre Tanzeinlage, dem Publikum ordentlich ein. Zuletzt kommt dann die Protagonistin hereingetanzt. "Hallo Bünde", begrüßt sie ihre Zuschauer, diese Antworten mit tosendem Jubel - es sind die Lorbeeren vergangener Tage, die diesen Applaus anheizen. Fehlende Scham und die völlige zwischenmenschliche Barrierefreiheit machen die Authentizität der Künstlerin Mirja Boes aus. So nimmt es ihr keiner Übel, dass die ersten 15 Minuten der Show allumfänglich dem Thema Darmspiegelung gewidmet wurden. Fanclub für Darmspiegelung gegründet Ganz im Gegenteil: Einige ihrer Gäste bekennen sich als Fan von Darmspülungen. Kurzerhand gründet Boes einen Darmspiegelungs-Fanclub. Die vierfache Comedy-Preis-Trägerin ist großartig, wenn sie improvisiert. Im Gespräch mit den Zuschauern wirkt sie immer wieder ein wenig befreit. Aktualität und die Leichtigkeit prägen ihre Improvisationskünste. Für die 47-Jährige soll es eine Abschiedstour sein. So finden sich immer wieder Elemente aus vergangenen Auftritten in der Veranstaltung wieder. "Ich wollte zum Abschluss auch mal das männliche Leben thematisieren. Die haben es schließlich schwer genug", sagt sie. Doch das will so recht nicht gelingen - vielleicht weil sich nach eigenen Angaben Empathie in der zehnten Klasse abgewählt hat. Bei den Gesichten aus ihrem Leben verfällt sie immer wieder in die weibliche Perspektive. Themen wie die erste Menstruation auf der Beerdigung ihres Großvaters bringen daher vor allem die weiblichen Fans zum Lachen. Mit ihr steht die sechsköpfige Kapelle, die "Honkey Donkeys", auf der Bühne. Mit einer Kiste Bier gewappnet sitzen sie während der Stand-up-Einlagen im hinteren Bereich der Bühne und warten auf ihren Einsatz. Durchweg selbstironisch präsentiert sich Boes mit ihrer Band. Oftmals stehen die Texte ihrer Lieder im kompletten Gegensatz zu ihren vorher gesagten Worten. Es ist das musikalische Augenzwinkern, das auf eindringlichen Melodien gebracht wird. Wenn der ehemalige Schlagerstar "Möhre" vorher über die Unannehmlichkeiten der Periode und das Leiden der Betroffenen erzählt, so singt sie im Anschluss "Ich werde zum Tier, wenn ich menstruier". Ein selbstironischer Rückblick Es ist das kurzfristige Aufeinandertreffen von extremer Albernheit auf fast anmaßende Ehrlichkeit, die die Veranstaltung ausmachen. Rheinländischer, bunter Karneval trifft auf den selbstironischen Rückblick einer 24-jährigen Bühnenkarriere. Beispielhaft dafür ist die letzte Nummer vor der Pause. Die Honkey Donkeys interpretierten "Möhres" Nummer-eins-Schlagerhit "20 Zentimeter, nie im Leben kleiner Peter" auf unterschiedlichste Weise. So stehen auf einmal die Wildecker Herzbuben, Elvis, Udo Lindenberg, Ramstein und Luciano Pavarotti im Stadtgarten und singen ihren Hit. Mirja Boes sitzt dabei fast ehrfürchtig auf dem Boden der Bühne und filmt mit ihrem Handy. Die Einlage ist symbolisch für den ganzen Auftritt. Das Programm lebt von den Geschichten vergangener Tage. Es ist ein Best-of von Mirja Boes, was angesichts einer Abschiedstour legitim ist. Doch lässt sie mit dem Progammtitel "Auf Wiedersehen. Hallo." eine Wiederkehr offen. Dann aber ein "Hallo" mit neuen Themen und mehr vom Improvisationstalent.

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