Momentan der Dreh- und Angelpunkt: Die Häuser an der Robert-Schumann-Straße. Weil sie einen durchgängigen Dachboden haben, müsste die Stadt Bünde im Falle eines Weiterverkaufs zunächst erheblich in den Brandschutz investieren. - © www.gerald-dunkel.de
Momentan der Dreh- und Angelpunkt: Die Häuser an der Robert-Schumann-Straße. Weil sie einen durchgängigen Dachboden haben, müsste die Stadt Bünde im Falle eines Weiterverkaufs zunächst erheblich in den Brandschutz investieren. | © www.gerald-dunkel.de

"Briten-Häuser": Verkaufsangebot der BIMA ist Gutachtern zu hoch

Ehemalige „Briten-Häuser“: Die Gespräche zwischen Stadt und Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten gestalten sich schwierig. Trotz eines Ratsbeschlusses im März sind die Häuser noch nicht gekauft

Gerald Dunkel

Bünde. Es sei noch ein „dickes Brett zu bohren", sagte Wolfgang Koch im Juni im Zusammenhang mit den Verhandlungen zwischen Stadt Bünde und der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (BImA) über den Kauf der ehemaligen „Briten-Häuser" in Hunnebrock und Bünde-Mitte. Im März hat der Stadtrat aber beschlossen, alle zur Verfügung stehenden Häuser zu kaufen. Seit dem hat sich nach außen hin nichts getan. 14,4 Millionen Euro lautete ein Angebot der BImA im Frühjahr. Auf dieser Basis beschloss der Stadtrat in seiner damaligen Sitzung, der Stadtverwaltung die Ermächtigung über eine Darlehensaufnahme in dieser Höhe zu erteilen – und alle Häuser zu kaufen. Seit dem heißt es Warten. Nicht nur zum Unverständnis vieler Hunnebrocker, die wissen wollen, was mit den Häusern in ihrer Nachbarschaft passieren soll. Auch Ratsmitglieder werden ungeduldig. Ulf Dreier (SPD) fragte in der Ratssitzung am Donnerstag nach dem Sachstand in der Angelegenheit und nach der Ursache für die Verzögerung und bekam als Antwort vom Bürgermeister: „Die Vorstellungen der BImA und der Stadt Bünde gehen weit auseinander, wie sich im letzten Verhandlungsgespräch zeigte. Wenn die BImA nicht von ihren Vorstellungen abweicht, fürchte ich, dass wir da nicht zusammenkommen." Dreier machte darauf aufmerksam, dass es gegen den Beschluss des Rates wäre, wenn die Häuser nicht gekauft würden. Im Gespräch mit der Neuen Westfälischen sagte Ulf Dreier jetzt: „Wir haben Bedarf an Wohnraum und das Wissen darum ist ja jetzt nicht auf einmal vom Himmel gefallen. Einen Ratsbeschluss nicht umzusetzen und über Anfragen missbilligend hinwegzugehen, geht nicht." Das BImA-Angebot über 14,4 Millionen Euro, die der Rat bereits für den Kauf aller Häuser bewilligt hat, hat sich aber nicht geändert. Es liegt nur ganz offensichtlich weit über dem Wert, den ein Gutachter des Kreises Herford für die gesamten Gebäude kalkuliert hat. Wie viel genau, weiß nur ein sehr kleiner Personenkreis und offiziell noch nicht mal die Ratsmitglieder, wie es den Anschein hat. Wie die Neue Westfälische erfahren hat, soll aber allein die Differenz für die Häuser an der Robert-Schumann-Straße schon „erheblich sein". So will die BImA knapp 1,8 Millionen Euro dafür haben, laut Gutachter soll der Wert aber nur 1,5 Millionen betragen. Vorrangig um diese Häuser würden sich die aktuellen Verhandlungen drehen. Die Häuser an der Robert-Schumann-Straße stellen eine Besonderheit dar und könnten nach NW-Informationen im Falle einer Weiterveräußerung kalkulatorisch ein größeres Risiko bedeuten als andere Häuser der BImA. Grund sind zusammenhängende Dachböden der Reihenhäuser. Sollte die Stadt – sofern sie Eigentümerin wäre – diese Häuser später einzeln anbieten wollen, müsste sie zuvor erheblich in den Brandschutz investieren, was im Umkehrschluss den Verkaufspreis in die Höhe treiben würde. Stadt würde beim Weiterverkauf aller Häuser Verlust machen Wie die NW ferner aus vertraulicher Quelle erfahren hat, gibt es Berechnungen, wonach die Stadt auf jeden Fall einen Verlust erleiden würde, sollte sie die Häuser in Hunnebrock und Bünde-Mitte (Behringstraße) zu dem von der BImA offerierten Preis kaufen, sanieren und weiterverkaufen. Ganz offensichtlich ist das der Grund für die langwierigen Verhandlungen. Gemäß Gemeindeordnung hätte ein Bürgermeister in einem Fall, dass ein Ratsbeschluss das Wohl der Gemeinde gefährdet, die Pflicht, diesem Beschluss zu widersprechen und in einer weiteren Sitzung neu darüber abstimmen zu lassen. Das wäre hier dann der Fall. Die einzige Möglichkeit, nach etwa vier bis fünf Jahren schwarze Zahlen zu schreiben, werden von der Stadt wohl darin gesehen, die gekauften Häuser als Vermieterin über eine städtische Gesellschaft selbst zu bewirtschaften. Das Angebot der BImA von 14,4 Millionen Euro beinhaltet den Preis ohne „Rabatt". Einen Nachlass von 80 Prozent würde der Stadt Bünde in dem Fall gewährt, dass sie zehn Jahre lang Flüchtlinge und Asylsuchende dort unterbringt. Die „Inanspruchnahme einer Verbilligung" hat der Rat im März zumindest für die Robert-Schumann-Straße ausgeschlossen.

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