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Betrugsversuch | © GETTY IMAGES

Bünde Frauen werden in dubiosen E-Mails erpresst

Neue Masche: Eine Bünderin wandte sich an die Polizei. Ihr, einer Kollegin und noch einer weiteren Frau drohten Unbekannte mit der Veröffentlichung von Fotos und Videos, wenn sie nicht zahlen würden

Gerald Dunkel

Bünde. Susanne S. (Name geändert) aus Bünde ist mit allem, was sie im Internet tut, vorsichtig. Bilder von sich stellt sie so gut wie nie online und auch mit der Preisgabe ihrer E-Mail-Adresse sei sie sehr vorsichtig, wie die NW-Leserin am Lesertelefon erzählt. Umso mehr irritierte sie eine E-Mail, die sie vor einer Woche erhielt. Darin wurde sie erpresst - kein Einzelfall, wie eine Nachfrage bei der Polizei am Freitag ergab. Die Nachricht erhielt sie in englischer Sprache. "Normalerweise lösche ich solche E-Mails sofort", sagt Susanne S., doch hierbei wurde sie sehr schnell stutzig, denn schon zu Beginn der Mitteilung teilte ihr der anonyme Absender mit, dass er "ihr Passwort" habe. Die Bünderin erschrak, als sie dann das korrekte Passwort für ihr E-Mail-Konto in dem Text las. Doch damit nicht genug. Im Weiteren wurde ihr angedroht, dass Bilder und Videos, die man von ihr erstellt habe, veröffentlicht würden, wenn sie nicht 1.000 Dollar in Bitcoins (eine weltweit nutzbare digitale Währung) auf ein entsprechendes Konto überweise. Ferner sei man bei der Überprüfung ihres Laptops darauf gestoßen, dass sie auf Porno-Seiten gesurft habe. Susanne S. überschlägt sich beim Sprechen, als sie das erzählt und versichert, solche Seiten nie besucht zu haben. Ferner befolge sie den Rat ihrer Tochter, und klebe die Webcam am Laptop immer ab, wenn sie online unterwegs ist. "Als ich in der E-Mail mein eigenes Passwort las, war ich erschrocken." Eine gute Maßnahme, findet auch Steven Haydon, Sprecher der Kreispolizeibehörde. "Webcams an Laptops sind oft ein Ziel von Hackern, die auf diese Weise ein Bild von Räumen der Wohnung bekommen", erklärt Haydon. Und wenn das Gerät eingeschaltet an einer "ungünstigen Stelle" stehe, könne die Kamera ihren Besitzer unter Umständen auch in "sehr intimen Lebenssituationen" zeigen, die ein Hacker für eine Erpressung nutzen könne, so der Polizeisprecher weiter. Er ist sich aber sicher, dass in diesen Fällen überhaupt keine Aufnahmen bestehen, mit denen sich jemand erpressen ließe. Neben Susanne S. ist auch eine ihrer Kolleginnen betroffen, die etwa zur selben Zeit eine solche E-Mail erhalten hat. "Mittlerweile habe ich allein schon zehn dieser Nachrichten erhalten", sagt Susanne S. Darüber hinaus ist Steven Haydon noch ein dritter Fall bekannt, zu dem eine 49-Jährige am Freitag Anzeige erstattet hat. "Das einzig Richtige ist, mit dem Ausdruck der E-Mail zur Polizei zu gehen", sagt Haydon, der auch dazu rät, neben der Webcam auch die Mikrofone am Laptop oder PC abzukleben. "Die Betrüger wissen nicht, wofür das Passwort genutzt wird." Betrügereien mit E-Mails sind so alt wie die E-Mail selbst. Auffällig bei dieser aktuellen Masche ist allerdings, dass die Betrüger den Empfängern deutlich machen, dass sie über ein Passwort verfügen. Welches Passwort das ist, nennen die Absender aber offenbar nicht, wie ein Sprecher von EWE aus Oldenburg weiß. Dort sind auch Susanne S. und ihre Kollegin Kunde mit einem E-Mail-Konto. Beide vermuten, dass es bei dem Dienstanbieter ein Datenleck geben könnte. Das allerdings weißt der Unternehmenssprecher von sich und erklärt, dass sich die Anbieter untereinander über verschiedene Betrugsmaschen austauschen. "Diese Masche ist auch bei anderen Anbietern bekannt", erklärt er im Gespräch mit der NW. "Wichtig: Niemals zahlen!" Und dass es ausgerechnet das Passwort des E-Mail-Kontos ist, dass die Betrüger in der E-Mail aufführen, sei eher Zufall. Es könne auch genauso gut das Passwort für ein Online-Kaufhaus sein. Wie der EWE-Sprecher weiter erläutert, benutzen viele Menschen beispielsweise bei anderen Online-Diensten oder Versandhäusern ihre E-Mail-Adresse als Benutzername. "Und nicht selten wählen sie aus Bequemlichkeit auch das gleiche Passwort, wie für ihren E-Mail-Account. Wird eine solche Datenbank geknackt, ist es für Betrüger sehr leicht, automatisiert Tausende von E-Mails zu verschicken und den Empfängern zu suggerieren, dass man ?ihr Passwort? habe. Wenn nur einer davon tatsächlich überweist, hat sich die Masche schon gelohnt." Susanne S. überlegt kurz. Dann fällt ihr ein, dass sie ihr E-Mail-Passwort auch für einen Online-Spiele-Dienst verwendet - wenn auch mit einer anderen E-Mail-Adresse. Sie hat ihre Passwörter für ihre verschiedenen Internetportale jedenfalls schnell geändert und will die dubiosen Erpressungs-E-Mails sofort löschen. Bei der Polizei erklärte man ihr, dass diese Nachrichten aus dem Ausland verschickt würden und dass es kaum Chancen gebe, die Absender zur Rechenschaft zu ziehen. Wichtig sei aber immer: Niemals zahlen.

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