Verhungert: Tote Hummeln sind zurzeit überall zu finden. Auch in der Stadt – wenn der Bürgersteig von Linden gesäumt ist. archivFoto: Franziska Werner - © Franziska Werner
Verhungert: Tote Hummeln sind zurzeit überall zu finden. Auch in der Stadt – wenn der Bürgersteig von Linden gesäumt ist. archivFoto: Franziska Werner | © Franziska Werner

Bünde/Rödinghausen Wenn Hummeln sterben wie die Fliegen

Tod unterm Baum: Das Thema wird zurzeit leidenschaftlich diskutiert. Imker Ernst-August Meyer erklärt, warum im Moment so viele Tiere verenden

Meiko Haselhorst
19.07.2018 | Stand 19.07.2018, 12:11 Uhr

Bünde/Rödinghausen. In den sozialen Netzwerken wird das Thema heiß diskutiert. Warum liegen zurzeit so viele tote Hummeln am Boden verstreut? Vor allem unter großen Linden? Viele User sind sich sicher: „Das hängt mit dem Einsatz von Pestiziden zusammen – Stichwort Glyphosat!" Und so ist es auch. Aber nur indirekt. Imker Ernst-August Meyer erklärt im Gespräch mit der Neuen Westfälischen: „Die Hummel leidet – genau wie die Biene und viele andere Insekten – unter den schwindenden Blüten auf Feld und Flur. Das habe natürlich mit dem Einsatz von Ackergiften zu tun. „Im Hochsommer ist die Linde, insbesondere die Silberlinde, die letzte und oft einzige Futterpflanze für die Hummeln." Anfangs böten die stark duftenden Blüten Nektar und Pollen in recht großen Mengen, was den Insekten zugutekomme. Doch dann komme der Zeitpunkt, an dem die Linden ihre Nektarproduktion einstellen. Obwohl ihre Blüten noch immer duften und damit Insekten anlocken, böten sie kaum mehr Nahrung. Die Biene sammelt Vorräte, die Hummel nicht Insbesondere die Hummeln hätten es dann ausgesprochen schwer. Sie umflögen die Blüten, wobei sie sich nicht selten verausgabten. Letztlich gingen sie erschöpft zu Boden und stürben dort den Hungertod. Für die Biene, sagt Meyer, sei die Sache nicht ganz so dramatisch, weil sie in der Wahl ihrer Nahrung etwas flexibler sei und im Gegensatz zur Hummel auch Vorräte anlege. „Die halten aber auch nicht ewig – 2017 mussten alle Imker zufüttern. Und dieses Jahr wird das auch so sein. Sogar früher als sonst, weil die Natur durch die warme Witterung schon viel weiter ist", erklärt der Rödinghauser. In Meyers Garten summt und brummt es ohne Unterlass, besonders im hinteren Bereich, wo er und seine Frau eine üppige Wildblumenwiese angelegt haben. Hier finden auch die Hummeln noch ausreichend Nahrung. Meyer freut sich über seine Insel der glückseligen Brummer, Sorgen macht er sich trotzdem. Genau wie die User in den sozialen Netzwerken. Könnte ein guter Anfang sein.

realisiert durch evolver group