Punktevergabe: Auch Jürgen Müller (l.) gehörte der Jury an. Daneben Bürgermeister Wolfgang Koch und Nils Wehmeyer (Sparkasse). - © Björn Kenter
Punktevergabe: Auch Jürgen Müller (l.) gehörte der Jury an. Daneben Bürgermeister Wolfgang Koch und Nils Wehmeyer (Sparkasse). | © Björn Kenter

Bünde Vorträge von emotionaler Wucht

Erich-Gutenberg-Berufskolleg: Die Leistungen der Schüler beim zweiten Poetry-Slam der Internationalen Klasse beeindrucken das Publikum

Björn Kenter

Bünde. Viele Worte benötigte Yeldiz nicht, um die Zuhörer beim zweiten Poetry-Slam des Erich-Gutenberg-Kollegs in ihren Bann zu ziehen. Ihr kurzer, aber umso emotionalerer Vortrag über ihre Erfahrungen auf der Flucht berührte die junge Frau so sehr, dass sie kurzzeitig mit den Tränen kämpfte. "Ihr glaubt nicht, was ein Mädchen alles schaffen kann", rief sie entschlossen denjenigen zu, die nicht an sie geglaubt zu haben scheinen. "Bildung und Wissenschaft sind wichtiger als Kriege zu führen", lautete ihr eindringlicher Appell. Der Kontrast zum anschließenden Vortrag von Ayoub hätte größer kaum sein können. Mit einem gewinnenden Lächeln betrat der junge Mann die Bühne und berichtete über seine Erfahrungen bei einer ungeliebten Beschäftigung - dem Warten, egal ob beim Zahnarzt, auf dem Bahnhof oder darauf, die Frau fürs Leben zu finden. "Hört auf zu warten, fangt an zu leben!" - Mit dieser Aufforderung an Jung und Alt im Publikum beendete Ayoub seinen Text, für den er von der Jury die Höchstpunktzahl erhielt und sich gemeinsam mit Yeldiz den Sieg sicherte. Lediglich am Montag und Mittwoch hatten die Schüler mit den Poetry-Slammern Sarah Lau und August Klar in einem Workshop an ihren Texten gearbeitet. Los ging es mit Schreibübungen "Zu Beginn haben wir einige Schreibübungen gemacht, um zu schauen, was die Schüler interessiert und welche Texte sie vortragen wollen", berichtete Sarah Lau. Anschließend hätten die Jungen und Mädchen aber größtenteils selbstständig gearbeitet. Die beiden Paderborner sind regelmäßig an Schulen unterwegs, um mit Schülern zu arbeiten, der Besuch einer internationalen Klasse sei allerdings eine Ausnahme. "Das hat unglaublich Spaß gemacht. Die Schüler hatten viel Energie und waren nicht so schüchtern, wie wir das schon mal an Gymnasien beobachten. Allerdings waren sie auch sehr perfektionistisch", ergänzte August Klar mit einem Lächeln. Fiktive Geschichte über jungen Flüchtling Nicht länger als sechs Minuten darf ein Auftritt bei einem Poetry-Slam dauern. Der Vortrag von Esber, der bereits im vergangenen Jahr dabei war, dauerte zwar deutlich länger, seine fiktive Geschichte über die traumatischen Erfahrungen eines jungen Menschen auf der Flucht mit dem Titel "Alptraum II" beeindruckte jedoch durch eine ungemein hohe sprachliche Qualität und bildgewaltige Metaphern. "Der Übergang zur Vergabe der Zeugnisse fällt mir nun wirklich schwer", gestand Lehrerin Andrea Dettmer anschließend. "Sie sind vor zwei Jahren mit einem Rucksack voller Ängste, Sorgen und Fragezeichen hierher gekommen. Jetzt haben sie einen Rucksack mit Zeugnissen, Zertifikaten und Bescheinigungen dabei. Ich wünsche viel Kraft für den weiteren Lebensweg", verabschiedete Dettmer die Schüler und bedankte sich bei der Sparkasse als Sponsor sowie bei Landrat Jürgen Müller und Bürgermeister Wolfgang Koch im Publikum.

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