Sammelt Unterschriften: Reinhard Rokitta, Inhaber der Bünder "Punkt-Apotheke", spricht sich für ein Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel aus. - © Foto: Niklas Krämer
Sammelt Unterschriften: Reinhard Rokitta, Inhaber der Bünder "Punkt-Apotheke", spricht sich für ein Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel aus. | © Foto: Niklas Krämer

Bünde Unterschriften für den Erhalt der Apotheken vor Ort

Petition: Reinhard Rokitta fordert ein Versandhandelsverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel. Der Inhaber der "Punkt-Apotheke" ärgert sich über Rabatte, die online gegeben werden

Niklas Krämer
20.05.2018 | Stand 22.05.2018, 11:50 Uhr

"Wenn die Bedingungen gleich wären, dann könnten wir damit leben", sagt Reinhard Rokitta. Doch das sind sie für den Inhaber der "Punkt-Apotheke" nicht. "Die haben andere Möglichkeiten und bieten andere Konditionen." Er meint damit ausländische Versandapotheken, die über das Internet Arzneimittel anbieten - und das zu besonders günstigen Preisen. Rokitta fordert deshalb - wie viele andere Apotheker deutschlandweit auch - ein Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel. "Solche Rabatte können und dürfen wir Apotheken vor Ort nicht geben", sagt er. "Das sind ja auch keine inhabergeführten Apotheken, sondern da stecken Konzerne hinter, das sind Global Player." Der Ärger ist Rokitta deutlich anzumerken, er fühlt sich von der Politik im Stich gelassen. "In 21 EU-Ländern gibt es dieses Verbot, in Deutschland aber nicht." Bei den Rabatten, die die "großen" Versandapotheken ihren Kunden gewähren, spricht er deshalb auch von "Bestechung". "Die zahlen hier in Deutschland nichts ein, die Beiträge für ein Rezept fließen dann direkt ins Ausland." Er wisse nicht, ob das jedem bewusst sei, der bei Versandapotheken sein Rezept einlöse. Er schüttelt mit dem Kopf. "Dadurch wird das gesamte Gesundheitswesen in Deutschland geschwächt." Schließlich böten die Apotheken vor Ort auch einen 24-Stunden-Notdienst sowie eine persönliche Beratung an. Keine Antworten von Seiten der Politik Ja, natürlich wolle er einen freien Wettbewerb. Doch Rokitta zieht einen Vergleich zu Büchern, bei denen es eine gesetzliche bzw. vertragliche Preisbindung gibt. "Warum ist das nicht auch bei Arzneimitteln möglich? Auf diese Frage habe ich von der Politik keine Antwort erhalten." Am 8. Mai hat ein Apotheker-Kollege von Rokitta eine Online-Petition ins Leben gerufen. Darin wird ein Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel gefordert. Seitdem haben mehr als 9.000 Menschen dort virtuell unterschrieben. Ganz analog - mit Kugelschreiber und auf einem Blatt Papier - können auch die Kunden in der "Punkt-Apotheke" unterzeichnen. "Für den Erhalt der Apotheke vor Ort" steht daneben auf einem Zettel. Die Unterschriftenliste will Rokitta dann an die Online-Petition weiterleiten. "Seit der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs zur Gültigkeit der Arzneimittelpreisverordnung für rezeptpflichtige Arzneimittel befindet sich die deutsche Apothekerschaft in existenziellen Nöten", heißt es in der Begründung der Online-Petition. Warten auf einen Gerichtstermin Rokitta ärgert sich aber nicht nur über ausländische Versandapotheken, sondern über das Gesundheitsamt. Es hatte ihm untersagt, Bücher und CDs für den guten Zweck zu verkaufen (die NW berichtete). Außerdem wurde ihm eine Zahlung von 500 Euro aufgebrummt, da er den Tisch nicht sofort entfernt hatte. Dagegen geht er nun vor dem Verwaltungsgericht Minden vor. Auf einen Termin wartet er noch. "Aber selbst wenn ich Recht bekommen sollte, würde es für die entgangenen Spenden keinen Schadensersatz geben."

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