Wohngemeinschaft: (v.l.) Birgit Büttner, „Biala“ und NABU-Ortsgruppensprecherin Anja Reckeschat mit der Plakette. Oben ist das Schwalbennest zu sehen. Büttner hat ein Brett darunter befestigt, damit das Nest besser hält. Foto: Meiko Haselhorst - © Meiko Haselhorst
Wohngemeinschaft: (v.l.) Birgit Büttner, „Biala“ und NABU-Ortsgruppensprecherin Anja Reckeschat mit der Plakette. Oben ist das Schwalbennest zu sehen. Büttner hat ein Brett darunter befestigt, damit das Nest besser hält. Foto: Meiko Haselhorst | © Meiko Haselhorst

Bünde Nabu zeichnet schwalbenfreundliches Haus aus

Schwalbenfreundliches Haus: Der NABU hat wieder seine beliebten Plaketten verteilt. Birgit Büttner aus Hunnebrock hat eine davon bekommen. Bei ihr nisten die Rauchschwalben im Pferdestall

Bünde. Das Idyll bei Birgit und Uwe Büttner hinterm Haus ist in diesen Tagen schwer zu überbieten: Blauer Himmel, blühende Sträucher und Bäume, summende Bienen, ein dezenter Duft nach Pferdestall – und Rauchschwalben in der Luft. Und in einigen Wochen werden hoffentlich – wie jedes Jahr – niedliche Schwalbenküken aus den Nestern schauen. Um solcherlei Szenarien in die Zukunft zu retten, verleiht der NABU seit Jahren seine Plakette „Schwalbenfreundliches Haus". Diesmal wurden unter anderem die Büttners ausgezeichnet. „Wir dulden die Vögel nicht nur, wir versuchen ganz bewusst, ihnen hier einen Lebensraum zu schaffen", erklärt Birgit Büttner. Zwei künstliche Schwalbennester im Stall – bislang noch nicht angenommen – zeugen von ihrer Zuneigung zu den Vögeln. In drei anderen Nestern hat’s im vergangenen Jahr Nachwuchs gegeben. „Zwei im Pferdestall, eins sogar im Weidezelt", sagt sie. „Hätte nicht gedacht, dass da aus der Brut was wird – hat aber geklappt", freut sie sich. Büttner hat unter allen Nestern kleine Brettchen befestigt, damit sie nicht auseinanderbrechen oder herunterfallen. Auf so viel Unterstützung können die Vögel heute nicht mehr allzu häufig bauen. Schwalben – Rauch- wie Mehlschwalben – haben unter den modernen Zeiten und ihren Begleiterscheinungen arg zu leiden. Der einstige Allerweltsvogel ist längst nicht mehr so häufig wie vor 20 oder 30 Jahren zu beobachten. Es mangelt an Lebensraum, Nistmaterial und Futter Eine der Ursachen für den Rückgang der Vögel – nicht nur im Bünder Land – ist der fortschreitende Verlust von Nistmöglichkeiten. Die Mehlschwalbe braucht Hauswände, an die sie ihr Nest kleben kann. Viele Hausbesitzer wollen das aber nicht, benutzen extraglatten Putz, schimpfen über Kleckse an Boden und Fassade und tun alles, um die Vögel von ihrem Haus fern zu halten – leider mit ziemlichem Erfolg. Die Verwandte der Mehlschwalbe, die Rauchschwalbe, braucht für ihre Nester das Gebälk offenstehender Ställe oder Dielen. Dort baut sie ihre Nester direkt unters Dach, so wie bei den Eheleuten Büttner. Während früher in jedem Kuhstall Platz für mehrere Rauchschwalbenpaare war, sind heute viele Viehställe verschlossen – sofern es sie überhaupt noch gibt. „Und wenn die Ställe nicht mehr benutzt werden, fliegt die Rauchschwalbe meist auch nicht mehr rein – die zieht sich dorthin, wo Leben ist", erklärt Friedhelm Diebrok vom NABU. Nicht asphaltierte Feldwege und Hofeinfahrten, für beide Schwalbenarten einst ideale Orte zum Sammeln des für den Nestbau nötigen Schlamms, sind heute ebenfalls eine Seltenheit. Und die Population an potenziellen Futterinsekten, so Diebrok, sei mancherorts um 80 Prozent zurückgegangen – der gewinnorientierten und pestizidgläubigen Landwirtschaft sei Dank. „Wer nichts zu fressen findet, dem können rauverputzte Hauswände und offene Kuhställe nicht mehr helfen", sagt der Vorsitzende der NABU-Kreisgruppe. „Bio-Produkte kaufen!", sagt Friedhelm Diebrok Die Eheleute Büttner haben sich von ihm ohne viele Worte davon überzeugen lassen, umgehend eine Hecke aus einheimischen Sträuchern anzupflanzen. „Wir legen noch heute los", kündigte der Umweltschützer am Montagmorgen an. Wo Weißdorn, Kornelkirsche & Co. wachsen, summen früher oder später – meist früher – auch wieder viele Insekten. Und wo Insekten durch die Luft schwirren, machen Vögel Jagd auf sie. „Damit unterstützt man also nicht nur die Schwalben, sondern auch andere Vögel und Kleintiere." Übrigens: Wer keinen Garten oder keinen Balkon hat, kann trotzdem etwas für Schwalben und andere Singvögel tun. „Bio-Produkte kaufen!", sagt Friedhelm Diebrok. „Letztendlich wird sich die Natur nur dann erholen, wenn unsere Landwirtschaft ihr System umstellt", reißt er ein Thema an, das beim NABU und auch bei anderen Umweltschützern immer mehr im Fokus steht.

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