Konzil über das Internet: MuM-Geschäftsführerin Annette Hempen kann sich rund um die Uhr mit Infektiologin Miriam Haverkamp an der Uniklinik in Aachen austauschen. - © Foto: Jemima Wittig
Konzil über das Internet: MuM-Geschäftsführerin Annette Hempen kann sich rund um die Uhr mit Infektiologin Miriam Haverkamp an der Uniklinik in Aachen austauschen. | © Foto: Jemima Wittig

Bünde Antibiotikaexperten beraten in Bünde übers Internet

Telemedizin: Das Bünder Ärztenetz Medizin und Mehr beteiligt sich an einem speziellen Projekt. Drei Jahre lang zeichnet es alle Infektionskrankheiten auf und tauscht sich bei Bedarf über das Internet mit Infektiologen an der Uniklinik in Aachen aus

Jemima Wittig

Bünde. Bindehautentzündungen, Darminfektionen, infizierte Wunden - alles Infektionskrankheiten, die behandelt werden müssen. Aber müssen sie auch mit Antibiotika geheilt werden? Um Fragen wie diese klären zu können, nimmt das Bünder Ärztenetz Medizin und Mehr (MuM) seit Februar an dem Projekt TELnet@NRW teil. Es wird als Bestandteil des Innovationsfonds durch den Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert. Bis Ende 2020 erheben Projektpartner wie das Bünder und Kölner Ärztenetz und 17 Krankenhäuser anonym die Daten ihrer Patienten mit Infektionskrankheiten und tauschen sich bei schwierigen Fällen mit Infektiologen an den Unikliniken in Aachen und Münster über ein Computerprogramm aus. "Das ist wie Skype für Ärzte", erklärt MuM Geschäftsführerin Annette Hempen. "Unser Programm Elvi ermöglicht Chats und Videokonferenzen, aber auch die sichere Weiterleitung von Patientendaten, wie zum Beispiel von Elektrodiagrammen." Im Bünder Land selbst gibt es keinen Infektiologen. Die Telekommunikation ermöglicht daher eine flächendeckende Versorgung von Patienten, durch die keine weiten Wege zurück gelegt werden müssen, Wartezeiten verkürzt werden und die Zusammenarbeit gefördert wird. Durch zu häufigen Einsatz von Antibiotika nimmt die Zahl von Infektionskrankheiten und resistenten Keimen zu und der Bedarf an Fachkräften steigt. Allein in Bünde wurden in diesem ersten Jahr anonym 24.640 Fälle von den 46 teilnehmenden Ärzten erfasst. Rund um die Uhr können sich die Bünder Ärzte an vier Infektiologen an der Universitätsklinik Aachen wenden. Eine davon ist Miriam Haverkamp. "Alle Seiten lernen voneinander", sagt die Ärztin. "Die Verläufe von ambulanten Fällen bekommen wir im stationären Sektor selten zu sehen." Auch die Patienten würden begeistert auf das neue Angebot reagieren, wenn sich mehrere Ärzte um ihr Problem kümmern würden. Durch das Projekt sollen die Infektionskrankheiten und deren Behandlung statistisch erhoben werden. Außerdem soll ein sektorübergreifendes telemedizinisches Netzwerk aufgebaut und evaluiert, die Zusammenarbeit der Ärzte gefördert und die Akzeptanz der Patienten von einer Behandlung über das Internet getestet werden, um die Behandlungsmethode in die Regelversorgung aufzunehmen. "Telemedizin wird helfen, Schranken zwischen den Sektoren abzubauen und mittelfristig die Versorgung zu verbessern. Denn durch das Internet kann flächendeckend auf Fachwissen zurückgegriffen werden", ist sich Hempen sicher. Probleme bei der Behandlung sieht sie aber in der flächendeckenden Netzversorgung und der Antibiotikaresistenz durch die Tiermast. Erste Ergebnisse sollen im März 2018 auf einem Kongress in Münster vorgestellt werden.

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