Zufrieden mit seiner Wahl: Kevin Budde (v.l.) wirft seinen Wahlschein in die Urne. Die Wahlhelfer Valerie Wieck (13), Kristina Budkov (14), Luca Joel Nichau (14) und Alexander Leifheit (14) unterstützen die Schuüler bei der Stimmabgabe. - © Foto: Carina Schmihing
Zufrieden mit seiner Wahl: Kevin Budde (v.l.) wirft seinen Wahlschein in die Urne. Die Wahlhelfer Valerie Wieck (13), Kristina Budkov (14), Luca Joel Nichau (14) und Alexander Leifheit (14) unterstützen die Schuüler bei der Stimmabgabe. | © Foto: Carina Schmihing

Bünde Das allerste Kreuzchen

Juniorwahl: Noch bevor die Erwachsenen am Wochenende ihre Stimme für einen neuen Bundestag abgeben dürfen, waren die Schüler der Erich-Kästner-Gesamtschule an der Reihe

Tarek Meiners
Carina Schmihing

Bünde. Es fühlt sich fast so an wie die Generalprobe für die erste richtige Wahl in einigen Jahren. Am Montag und Dienstag durften Tausende Schüler in den Jahrgangsstufen sieben bis elf an der Juniorwahl teilnehmen. Dabei waren auch die Schüler der Erich-Kästner-Gesamtschule in Bünde. Mit täuschend echt aussehenden Wahlzetteln machen sich die Jugendlichen auf den Weg in ihre Wahlkabine, um ihre beiden ersten Kreuzchen zu setzen. Was die Erststimme und was die Zweitstimme bewirkt, haben die Jugendlichen in den vergangenen Wochen im Unterricht gelernt. Sie haben sich mit den Parteiprogrammen auseinandergesetzt und sind eigentlich gut darauf vorbereitet, mit ihrer Stimme Einfluss auf die Politik zu nehmen. Da sie aber noch nicht volljährig sind, gibt es für sie die Juniorwahl, die an etlichen Schulen in ganz Deutschland durchgeführt wird. Lehrer Martin Fiedler findet es schade, dass es auf Bundesebene kein Wahlrecht für unter 18-Jährige gibt. "Sie wären ein gutes Gegengewicht zu den vielen alten Menschen", erklärt er. "Eigentlich darf es nicht sein, dass so viele Alte die Weichen für die Zukunft stellen, in der die heutige Jugend einmal leben muss." Als Beispiel führt er hier den Brexit an, bei dem vermehrt ältere Menschen für einen Austritt aus der Europäischen Union gestimmt haben. Der Raum der Schülervertretung wurde kurzum zum Wahllokal umfunktioniert. Beim Eintreten werden die Wähler von vier Wahlhelfern begrüßt. Nach Abgabe der Benachrichtigungskarten haken die Wahlhelfer die Namen im Wählerregister ab. Dann wird der Wahlzettel ausgehändigt. Alles wirkt täuschend echt. Die Jugendlichen sollen spüren, dass ihre Stimme ernstgenommen wird, erklärt Fiedler. Doch hin und wieder schallt dann doch noch mal die Frage aus einer Kabine, wie viele Kreuzchen denn jetzt gesetzt werden dürfen. Die Wahlhelfer nehmen das gelassen und erklären jedem Schüler genau, wie er seine Stimme abgeben kann. Am Donnerstag werden die Wahlurnen dann entsiegelt und alle Stimmen ausgezählt. Das Ergebnis gibt es jedoch erst am Montag der nächsten Woche. "Wir dürfen die richtige Wahl nicht mit unserem Ergebnis beeinflussen", scherzt Fiedler. Obwohl die Schüler in diesem Jahr auch schon die Junior-Landtagswahl durchgeführt haben, stellt sich keine Wahlmüdigkeit ein. Zuletzt nahmen rund 80 Prozent an der Abstimmung teil. Auch jetzt wird mit einer Beteiligung in dieser Höhe gerechnet. Im Frühjahr haben die Jugendlichen ganz anders abgestimmt, als es die erwachsenen Bürger getan haben. Klarer Sieger war damals die SPD. Die FDP hätte es bei den jungen Leuten nicht ins Parlament geschafft - dafür aber die Tierschutzpartei, die Piraten und ganz knapp die AfD. Es bleibt abzuwarten, wie die Jugendlichen sich dieses Mal entschieden haben. Die Ergebnisse wird die Erich-Kästner-Gesamtschule voraussichtlich wieder auf ihrer Webseite veröffentlichen.

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