Von Bünde in die gesamte Bundesrepublik: Hans-Jürgen Beckmann (Geschäftsführer La-Well), (v. l.) Jörg Schlißke (Produktmanager Datenschutzqualifizierung beim TÜV), Dirk Kretzschmar (Geschäftsführer TÜV IT) und Rainer Beckers (Geschäftsführer Zentrum für Telemedizin) stoßen auf die Zertifikatsurkunde an. - © Foto: Katharina Georgi
Von Bünde in die gesamte Bundesrepublik: Hans-Jürgen Beckmann (Geschäftsführer La-Well), (v. l.) Jörg Schlißke (Produktmanager Datenschutzqualifizierung beim TÜV), Dirk Kretzschmar (Geschäftsführer TÜV IT) und Rainer Beckers (Geschäftsführer Zentrum für Telemedizin) stoßen auf die Zertifikatsurkunde an. | © Foto: Katharina Georgi

Bünde Bünder Erfindung: Digitale Nachsorge jetzt bundesweit möglich

Elektronische Visite: Weil der TÜV Nord die Bünder Erfindung ausgezeichnet hat, kann sie jetzt bundesweit eingesetzt werden. Fünf Regionen gehen bald in die Testphase, unter anderem Detmold, Münster und Unna

Katharina Eisele

Bünde. "Ärzte sind sehr skeptisch", sagt Claudia Schrewe, zuständig für Qualitätsmanagement bei der Firma La-Well. Und weil das so ist, musste die elektronische Visite, kurz elVi, besonders viele Tests durchlaufen, um an den Start zu gehen. Jetzt wurde das System vom TÜV Nord zertifiziert - und kann damit bundesweit genutzt werden. Vier Monate und jede Menge virtueller Kämpfe hat es gedauert, bis elVi die entsprechenden Tests bestanden hat. Die Idee für das System stammt vom Bünder Netzwerk Medizin und Mehr (MuM). Die Software erfunden hat dann die aus dem Netzwerk gegründete Firma La-Well. ElVi soll nicht einen ersten Arztbesuch ersetzen, sondern insbesondere die Nachbehandlung vereinfachen. "Wenn Sie in eine Scherbe treten, gehen Sie zum Arzt, der Sie behandelt. Nach einigen Tagen müssen Sie dann aber nicht mehr zur Kontrolle in die Praxis kommen, sondern können das von zu Hause erledigen", erklärt Schrewe. Für die elektronische Visite müssen Patienten, Ärzte oder Pflegeheime keine Software auf ihren Computer laden. Das System läuft über das Internet. Der Patient bekommt vom Arzt die Internetseite genannt und einen Code. Mit diesem kann er sich anmelden und landet dann im virtuellen Wartezimmer seines Arztes. Der wiederum ruft seinen Patienten mit dem Computer an und beide können sich dann sehen und hören. Aber zurück zu den virtuellen Kämpfen: Die Hacker-Abteilung von TÜV IT hat die Software immer wieder attackiert. Ihr Ziel: Daten stehlen. "Wir bewerten, wie gut Systeme vor Fremdeinwirkung und Manipulation geschützt sind", erklärt Dirk Kretzschmar, Geschäftsführer von TÜV IT. Und die Hacker des Unternehmens waren anfangs ziemlich erfolgreich. Die Lücken wurden mittlerweile geschlossen. "Vor zehn Tagen war der letzte Angriff", sagt Schrewe. Und da war klar: Durch die Sicherheitssysteme von elVi kommen die Hacker mit ihren virtuellen Angriffen nicht mehr durch - der TÜV kann sein Gütezeichen bedenkenlos vergeben. Damit können jetzt bundesweit Ärzte das System nutzen. Denn Dank Zertifikat bekommt das System eine Abrechnungsnummer bei der kassenärztlichen Vereinigung und Ärzte bekommen diese Dienstleistung künftig bezahlt. Interessenten gibt es viele: "Acht Ärztenetzwerke mit 60 Pflegeheimen werden unser System künftig nutzen", sagt Hans-Jürgen Beckmann. Der Chirurg ist Vorstandsmitglied beim Bünder Ärztenetzwerk Medizin und Mehr (MuM) und zugleich Geschäftsführer von La-Well. Erst anschließend, so erklärt er, wird elVi bundesweit frei verfügbar sein. Eine erste Testphase in Bünde mit 14 Pflegeheimen und 14 Arztpraxen ist zuvor gut verlaufen: Anfangs zögerlich wurde elVi später immer öfter eingesetzt. In einem Jahr rund 800 Mal. Und dadurch kontinuierlich verbessert: "Wir bleiben dran", sagt Beckmann. Die Software soll das Gesundheitssystem auch fit für die Zukunft machen: "Wir wissen, dass wir künftig zu wenig Ärzte und Pflegepersonal haben werden", sagt Schrewe. Daher müsse schon jetzt Schritt für Schritt und mit entsprechender Sorgfalt durch die Nutzung der digitalen Möglichkeiten gegen eine Unterversorgung gesteuert werden. "Künftig können Ärzte nicht mehr so viele Hausbesuche machen", sagt sie. Und betont zusammen mit Beckmann: "Die bestehenden persönlichen Arzt-Patienten-Kontakte sollen nicht wegfallen." Künftig soll es auch eine App für Tablet und Handy geben - ebenfalls mit entsprechenden Sicherheitsstandards. Schließ-lich besitzen viele gar keinen Computer mehr, sondern nur noch das kleine Smartphone. Begleitet wird das Projekt auch vom Land NRW, vertreten durch Rainer Beckers. Der Geschäftsführer des Bereiches Telemedizin berät und begleitet das Projekt schon seit geraumer Zeit. Nach anfänglicher Skepsis sind Ärzte, Patienten und Pflegekräfte zufrieden. Jetzt gelte es das System weiterzuentwickeln und kontinuierlich zu verbessern.

realisiert durch evolver group