Geschäftsführerin von MuM: Annette Hempen - © GERALD DUNKEL
Geschäftsführerin von MuM: Annette Hempen | © GERALD DUNKEL

Bünde Ärzte beraten sich per Videokonferenz

Projekt TELnet@NRW: Medizin und Mehr aus Bünde beteiligt. Projekt mit 20 Millionen Euro gefördert. Ärzte wollen sich künftig gegenseitig beraten

Peter Heidbrink

Bünde. Ärzte verschiedener Arztpraxen und Krankenhäuser, die per Videokonferenz gemeinsam darüber diskutieren, welche Therapie für einen Patienten wirklich am besten ist - das sieht das Projekt TELnet@NRW vor. Das Ärztenetz "Medizin und Mehr" (MuM) aus Bünde ist an dem Projekt beteiligt, das mit rund 20 Millionen Euro aus einem bundesweiten Innovationsfonds, der von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert wird, gefördert wird. "Ziel ist beispielsweise die Vermeidung unnötiger Antibiotika-Gaben, die Verbesserung der Versorgung von Patienten mit multiresistenten Keimen und die Verringerung von Infektionen mit multiresistenten Keimen", erklärt Annette Hempen, Geschäftsführerin von Medizin und Mehr. Durch den gemeinsamen Austausch solle verhindert werden, dass Patienten zu häufig Antibiotika verabreicht bekommen und eine Antibiotikaresistenz entwickeln. "Das ist ein aktuelles Thema, das die Ärzte wirklich bewegt. Sie sehen diese Problematik", sagt sie. Neben dem Ärztenetz aus Bünde mit 55 niedergelassenen Ärzten sind ein weiteres Ärztenetz aus Köln und Kliniken - darunter die Universitätskliniken Münster und Aachen - im Aufbau des telemedizinischen Netzwerks involviert. Das Projekt sieht vor, dass beispielsweise kleinere Krankenhäuser vom Wissen größerer Kliniken profitieren. Medizin und Mehr bedient sich schon seit geraumer Zeit der Telemedizin. Ärzte fahren beispielsweise in bestimmten Fällen nicht mehr persönlich die Strecke zu ihren Patienten in ein Pflegeheim, sondern machen eine "elektronische Visite" (ElVi) - eine Videokonferenz, bei der sie eine Diagnose von außerhalb stellen oder ihre Patienten oder deren Pflegekräfte beraten (Die NW berichtete exklusiv). Damit lasse sich in vielen Fällen Zeit einsparen - insbesondere in solchen, in denen lediglich ein ärztlicher Blick zur Nachkontrolle ausreicht. Die Expertise, die MuM in diesem Bereich bereits gesammelt hat, sei auch entscheidend für die Beteiligung am neuen Projekt gewesen, so Hempen. Die Telematik-Plattform, die dabei entstehen soll, sei durchaus hilfreich: "Videokonferenzen mit Experten der Uni sind sinnvoll, denn vier Augen sehen häufig einfach mehr als zwei", erklärt Hempen. Das Projekt soll insgesamt drei Jahre laufen und ist als Studie angelegt, in der ermittelt werden soll, inwiefern sich die Behandlungsqualität dadurch flächendeckend verbessert. Die Organisation und Ausstattung startet am Mittwoch, 1. Februar. Erste Daten sollen dann ab Montag, 1. Mai, erhoben werden.

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