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Die Bäume sind gewachsen: Der Turm mit dem runden Dach und der Eingang mit den Säulen sind jedoch geblieben. - © Foto: Kenter
Die Bäume sind gewachsen: Der Turm mit dem runden Dach und der Eingang mit den Säulen sind jedoch geblieben. | © Foto: Kenter

Bünde Hier bekam jeder sein Fett weg

Auflösung: Margarinefabrik Lindemann nutzte Patent eines Wahl-Herforders

Jörg Militzer
09.11.2016 | Stand 09.11.2016, 05:49 Uhr
Firma Lindemann - © Archiv Militzer
Firma Lindemann | © Archiv Militzer

Bünde. Den Begriff der "guten Butter" kennen heute meist nur noch die älteren Mitbürger, die sich an Zeiten des Mangels und niedrigeren Lebensstandards erinnern können. Ganz bewusst wurde bei diesem Brotaufstrich aus tierischer Produktion das Prädikat "gut" als Abgrenzung gegen die weniger guten Ersatzstoffe gewählt. Schaut man etwa auf die Zutatenliste der ersten Margarine die - aus Milch, Wasser, Nierenfett, dem Enzym Lab und zerstoßenem Kuheuter - in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zusammengemischt worden sein soll, ist man auch nur allzu gern geneigt, diese Abgrenzung zu unterstreichen.

Erst mit dem von Wilhelm Normann erfundenen, allgemein als Fetthärtung bezeichneten Verfahren ließ sich Margarine in industriellem Stil als fast ebenbürtige "Ersatzbutter" herstellen. Ein Verfahren das sich unter der Adressierung "Doberg bei Bünde" auch Wilhelm Lindemann in seiner 1902 gegründeten "Westfälischen Süßrahm-Margarine- und Pflanzenbutter-Fabrik" zunutze machte. Obwohl der Firmengründer bereits 1960 starb, legte er damit den Grundstein zu einem bis heute anhaltenden, erfolgreichen Kapitel der Bünder Wirtschaftsgeschichte jenseits von Tabak- und Zigarrenfertigung.

Karin Hendrichs schreibt: Das Foto zeigt die Firma Lindemann im Bünder Ortsteil Bustedt. Im Jahr 1902 gründete Wilhelm Lindemann (1876-1960) im Elternhaus mit Gastwirtschaft, Laden und Bäckerei die "Westfälische Süßrahm-Margarine-Fabrik". Er fabrizierte nach dem gerade erst vom Herforder Wissenschaftler Wilhelm Norman erfundenen Verfahren aus damals noch preiswerten Pflanzenfetten eine reine Pflanzenmargarine für die rasch wachsende Bevölkerung, die sich die teure Butter nicht leisten konnte. Ende der 20er Jahre entstand an der Provinzialstraße - heute Herforder Straße - auf einem Gelände von 60.000 Quadratmetern mitten zwischen Wiesen und Ackerland die noch heute dort ansässige Firma mit Fabrikationsgebäuden und Lagerhallen im Umfang von etwa 20.000 Quadratmetern. Die Gebäude aus der Gründerzeit sind in einigen Teilen erhalten geblieben. Vor allem der imposante ehemalige Eingangsbereich im Stil eines Portikus oder der markante Treppentum.

Seit 2002 heißt das Unternehmen "Westfälische Lebensmittelwerke Lindemann" und liefert Margarine und Backmittel für Bäckereien, Gastronomie und Handelsketten, bekannt unter dem Namen "Westfalia". Die Familie wohnte auch privat auf dem Firmengelände, die Villa liegt noch heute im Park. In Erinnerung wird den Bustedtern das Freibad der Firma Lindemann sein, das nicht nur der Familie, sondern auch den Mitarbeitern und Familien zur Verfügung stand.

Peter Kuhlmann schreibt: Es handelt sich diesmal um das Margarine-Werk Lindemann an der Herforder Straße. Ich kann mich noch gut an die "70er" Jahre erinnern, wo ich freitags immer für meine Kollegen aus Herford Margarine einkauften musste. Auch kann ich mich noch gut an den "Nostalgie"-Fahrstuhl erinnern, wo die Stockwerke einfach mittels Draht und Blechzeiger an der Wand angezeigt wurden. Ich glaube, die Margarine lautete "Boni".

Manfred Heiland schreibt: Das Foto zeigt ein Bustedter Wahrzeichen. 1902 gründete Wilhelm Lindemann am Rande des Dobergs eine Fabrik, die heute unter dem Namen "Westfälische Lebensmittelwerke" bekannt ist. Vor der Gründung seiner Firma hat er an gleicher Stätte bei seinem Vater in dessen Bäckerei, Laden und Gastwirtschaft mitgearbeitet. Von der Dobergstrasse kann man den Produktionstrakt längs zur Herforder Strasse mit seinem seltenen Stahlbetondach und dem markanten runden Treppenturm, sowie dem Säuleneingang im Stil eines Portikus gut erkennen. Im Vordergrund verdeckte früher der Bauernhof Tellbüscher, der zum Gut Bustedt gehörte und abgerissen wurde, die Sicht. Leider nicht im Bild erkenntlich sind die Gaststätte und Tankstelle. Rechts sind noch die Bäume der ehemaligen Gaststätte Büscher zu erkennen; heute steht dort ein Baumarkt. Gegenüber vom Werk, an der Albert-Schweitzer-Strasse, lag die 1939 erbaute Feierabendhalle. Zur Produktionserweiterung wurde diese Halle abgerissen. Daneben gründete Sohn Hans 1955 die Orion Eisenverarbeitungsfirma. Daher erklärt sich die Überschrift "von weich zu hart"! Mit der Feierabendhalle verbinde ich persönlich sehr viel. Als neunjähriger Junge habe ich dort nach 18 Monatiger Flucht- und Vertreibung aus Ostpreußen im Februar 1946 zum ersten Mal Bustedter Boden betreten. Dass Bustedt mal meine 2. Heimat werden sollte, war damals noch nicht zu erahnen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten lebe ich heute sehr gerne im Bünder Stadtteil Bustedt. Man kann wohl sagen, dass ich "Bustedter aus Leidenschaft" bin.

Reinhard Schürmann schreibt: Es handelt sich um die Margarinefabrik von Wilhelm Lindemann in Bustedt, Herforder Straße- Ecke Albert-Schweitzer- Straße, in der seit 1902 Margarine, Butter usw. hergestellt wird. Die Einfahrt zum Betriebshof liegt in der Albert-Schweitzer-Str. und hier fing Julius Lindemann mit einem Restaurationsbetrieb an und kam auf die Idee, einige Zutaten für das Restaurant selber herzustellen. In den 30er Jahren war die Firma Lindemann ein Nationalsozialistischer Vorzeige-Betrieb, der sehr viel für die Belegschaft tat. Unter anderem wurde am Doberg eine Badeanstalt gebaut, die alle Familienangehörigen der dort beschäftigen nutzen konnten.

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