In der Traumwerkstatt: Die Ehrlich-Brüder Chris (l.) und Andreas an ihrer Werkbank. Der an "Mad Max" erinnernde Helm ist eine von vielen Requisiten ihrer Show. An Schraubenziehern - das ist im Hintergrund zu erkennen - mangelt es den beiden nicht. - © Meiko Haselhorst
In der Traumwerkstatt: Die Ehrlich-Brüder Chris (l.) und Andreas an ihrer Werkbank. Der an "Mad Max" erinnernde Helm ist eine von vielen Requisiten ihrer Show. An Schraubenziehern - das ist im Hintergrund zu erkennen - mangelt es den beiden nicht. | © Meiko Haselhorst

Bünde Ein Blick in die Tüftler-Werkstatt der Ehrlich Brothers

Die Magier blicken in ihrer Traumwerkstatt zurück auf ihre Kindheit und erste Zaubertricks, erzählen von Heimat, Beruf und Berufung - und werfen einen Blick in die Zukunft

Meiko Haselhorst

Bünde. Andreas Ehrlich legt den Schraubenzieher zur Seite. Jetzt ist erst mal Plauderei angesagt, am großen Tisch mit der bordeauxroten Decke, mitten in der Werkstatt. Eine Tasse Kaffee darf nicht fehlen. "Und ein Teller mit Schnittchen wäre nicht schlecht", findet der 38-Jährige. Aus den Schnittchen werden Süßigkeiten, aber irgendwie passt das auch besser: Mit Bonbons hat die Karriere der Ehrlich Brothers schließlich angefangen - vor rund 30 Jahren. "Wir sind in Herford-Falkendiek aufgewachsen", erzählt Christian Ehrlich, vier Jahre jünger als sein Bruder. Die beiden Magier, die mit ihren Shows seit Jahren Hallen und Fußballstadien füllen, erinnern sich gerne an Kindheit und Jugend in der Provinz. "Wir sind mit dem Trecker übers Feld gefahren und haben das Heu gewendet - das roch immer so geil", erzählt Andreas. "Dass das harte Arbeit war, hat man ja gar nicht geschnallt." Geschnallt hat er in jener Zeit aber den Trick des Herforder Zauberers Don Alfredo, der zur Freude seines Publikums Süßigkeiten aus einer Dose hervorzauberte. Der Junge machte sich den Kniff zueigen - und war damit fortan King auf jeder Kinderparty. Dass man damit auch Erwachsene beeindrucken konnte, hat ihm besonders gefallen. Über die Namen von damals lächeln sie heute Zum Bonbon-Trick gesellten sich weitere Zaubereien, schnell war auch Bruder Christian infiziert. Noch als Jugendliche wurden die Ausnahmetalente im "Magischen Zirkel von Deutschland" aufgenommen. Andreas bummelte als Straßenzauberer "Andy McJoy" durch die Welt, sein Bruder nannte sich "Chris Joker". Über die Namen lächeln sie heute, an die Wanderjahre erinnern sie sich aber gerne zurück - immerhin zauberten sie sich mit ihren Straßenauftritten auch in die Herzen australischer und südafrikanischer Zuschauer. Im Jahr 2000 taten sich die Brüder zusammen, 2004 änderten sie ihren Namen in "Ehrlich Brothers" - sie wollten sich abgrenzen von jenen Kollegen, die sich in eine übersinnliche Ecke stellen. Fachliche Vorbilder waren Siegfried & Roy. "Was die Show betrifft, haben wir uns auch an Rammstein und Madonna orientiert", sagt Chris. Ihre erste große Tour 2012 war ein riesiger Erfolg. Der große David Copperfield versuchte vergeblich, ihnen zwei Illusionen abzukaufen. Chris und Andreas haben mittlerweile auch in den USA einen Namen. Beide zieht es aber nicht unbedingt in die große weite Welt. Im Gegenteil: Sie haben einen engen Bezug zur Heimat. "Unsere Mama wohnt ja immer noch in Falkendiek", sagt Christian. Bünde sei für ihn vor allem Firmensitz. "Wobei das sehr kühl klingt - der Beruf ist für mich und meinen Bruder ja auch Berufung", betont er. Hier, in der Werkstatt im Ortsteil Hüffen, schrauben sie und ihre Mitarbeiter an Kulissen und Requisiten für ihre Shows. Die Kinder gehen in Bünde zur Schule Christian mag nicht verraten, wo er genau wohnt, "aber nicht weit weg von hier", sagt er. Bruder Andreas hat sich direkt neben der Werkstatt sein Haus gebaut. Für ihn und seine Familie ist Bünde jetzt auch Wohnort, seine Kinder gehen hier zur Schule. Die beiden Brüder fühlen sich auch heute noch vom Landleben angezogen. Wenn sie nicht auf Tour sind, füttert Andreas morgens zuallererst seine Schafe. So selten ist das übrigens gar nicht. "An 100 bis 150 Tagen im Jahr sind wir daheim", sagt er. Andreas Ehrlich entschuldigt sich fast für die Steinkäfige, die er als Sichtschutz um sein Haus hat aufstellen lassen. "Ich bin eigentlich gar nicht so - aber häufig stehen hier wildfremde Menschen vor der Tür", erklärt er. "Es muss ja nicht jeder sehen, wenn ich mit meinen Kindern durch den Garten laufe." Die Kinder "zaubern" die Windeln voll Apropos: Wie halten es die drei denn mit dem Zaubern? "Die haben alle schnell gelernt, wie man sich die Windeln vollzaubert", sagt der Vater. Ob das der Start für eine Weltkarriere ist, bleibt abzuwarten. Womöglich haben sie aber auch ganz andere Träume, als Papa und Onkel nachzueifern. Und die beiden selbst? "Wenn alles so bleibt wie es ist, ist das doch schon ein Traum", sagt Andreas. Dass sie auch den Rest ihres Lebens in der Region verbringen, ist für sie keine Frage. "Wo denn sonst?", sagt Andreas. Und sein Bruder Christian ergänzt: "In Las Vegas bestimmt nicht!"

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