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Die Trainer: Maurice Michalik (v.l.), Jan-Felix Schnelle, Christian Holtmann, Guido Horst, Christian Ceppa, Klaus-Peter Ceppa und Matthias Sundermeier. - © SKD Bünde
Die Trainer: Maurice Michalik (v.l.), Jan-Felix Schnelle, Christian Holtmann, Guido Horst, Christian Ceppa, Klaus-Peter Ceppa und Matthias Sundermeier. | © SKD Bünde

Bünde Serie "Mein Verein": Karate ist mehr als nur ein Sport

Der Shotokan-Karate-Dojo Bünde e.V. ist seit 1980 aktiv und ist für seine Mitglieder und auch die Eltern seiner minderjährigen Sportler mehr als nur ein Verein

Gerald Dunkel
11.02.2016 | Stand 11.02.2016, 15:53 Uhr
Das Training: Im Alter von 5 bis Ende 50 sind die Mitglieder des SKD Bünde e.V. Besonders bei Kindern und Jugendlichen wird darauf geachtet, dass immer zwei Trainer in der Halle, dem Dojo, sind. - © Gerald Dunkel
Das Training: Im Alter von 5 bis Ende 50 sind die Mitglieder des SKD Bünde e.V. Besonders bei Kindern und Jugendlichen wird darauf geachtet, dass immer zwei Trainer in der Halle, dem Dojo, sind. | © Gerald Dunkel

Bünde. Es ist mucksmäuschenstill in der Sporthalle am Südring. Fast 30 Kinder im Alter zwischen 5 und 12 Jahren knien, die Augen geschlossen, in einer Reihe nebeneinander auf dem Boden. Hier und da wird mal geblinzelt, gelächelt. Ihnen gegenüber, etwa fünf Meter entfernt, knien zwei Männer - einer mit braunem, einer mit schwarzem Gürtel.

Etwa 15 Sekunden Stille. Dann das Kommando zum Beenden der Meditation: "Mokuso Yame". Eine langsame, tiefe Verbeugung. In den kommenden 60 Minuten erfahren die Kinder - mal spielerisch, mal äußerst diszipliniert und konzentriert -, was es heißt, den Körper und zunehmend auch den Geist zu kontrollieren.

Seit 1980 besteht der Shotokan-Karate-Dojo Bünde e.V. (SKD Bünde). In einer Zeit, in der Kampfsport in Deutschland - bedingt durch zahllose asiatische und amerikanische Martial-Arts-Kino-Streifen - einen unglaublichen Zulauf erfuhr. Karate und Kung Fu fanden hierzulande zahllose Anhänger, von denen aber nur ein kleiner Teil wirklich über Jahre hinweg durchhielt.

Guido Horst, dessen Vater Dieter vor 36 Jahren den SKD Bünde mit gründete, ist heute der Vereinsvorsitzende, Trainer und Prüfer. Er kann wiederum auf ein Trainerteam bauen, das an fünf Tagen in der Woche Kinder, Jugendliche und Erwachsene trainiert. Insgesamt gehören dem SKD Bünde derzeit fast 100 Mitglieder im Alter zwischen 4 und knapp 60 Jahren an.

Information

SKD Bünde

  • Trainiert wird montags, donnerstags, freitags und samstags in der Sporthalle am Südring (Hauptschule), mittwochs an der Hans-Böckler-Straße (Pestalozzischule).
  • Erwachsene trainieren montags, mittwochs und donnerstags, Kinder und Jugendliche donnerstags bis samstags.
  • www.skd-buende.de

Lachen, rufen, freudiges Kreischen sind in den ersten zehn Minuten des Trainings von knapp 30 Kindern zu hören. Ball- und Fangspiele gehören dazu. Fünf von ihnen sind erst zum zweiten oder dritten Mal dabei und trainieren noch in Trainingshose und T-Shirt. Die anderen tragen den weißen Karate-Anzug, viele noch mit weißem Gürtel, einige mit ein oder zwei gelben Streifen daran, woran man erkennt, dass sie bald die Prüfung für den gelben Gürtel absolvieren, den acht weitere Kinder bereits tragen.

Je dunkler die Farbe des Gürtels, desto höher die Klasse des Karateschülers. Wirklich dunkler werden die Farben aber erst nach dieser Trainingsstunde, wenn die Jugendlichen mit ihren Gürteln in Orange, Grün oder Violett zum Training kommen.

"Ich komme nicht nur
zum Trainieren, sondern weil
ich hier viele Freunde treffe"

"Karate, besonders unsere sportliche Form dieser Selbstverteidigung, also das Shotokan-Karate, fördert einerseits Ausdauer, Kondition, Fitness. Aber es bewirkt gerade bei Kindern noch viel mehr", erklärt Vereinschef Guido Horst. Karate begegne vor allem auch den zum Teil gesellschaftlich bedingten Entwicklungen, die sich nicht immer positiv auf die motorische und mentale Entwicklung des Nachwuchses auswirken würden. "Kinder, die eine Kampfsportart wie Karate erlernen, erleben ihren Körper und ihre eigenen Fähigkeiten bewusster.

Das bestätigen viele Eltern, deren Kinder beim SKD Bünde trainieren. Die Mutter eines neunjährigen Jungen erzählt: "Er wusste manchmal nicht, wohin er mit seiner Kraft sollte, war unruhig, zappelig, unkonzentriert. Das zeigte sich leider auch in der Schule." Nach einigen Wochen des Trainings - ein bis zweimal wöchentlich - sei der junge Mann schon wesentlich ausgeglichener gewesen. Andere Eltern - auch von älteren Kindern - schließen sich dem an.

"Die präzisen Bewegungsabläufe, die den Kindern abverlangt werden, schulen das motorische Bewusstsein und den Geist", sagt auch SKD-Trainer Matthias Sundermeier. Die Bedenken von Eltern, ob ihr Kind beim Karate nicht eher lerne, sich auf dem Schulhof besser zu prügeln, kann Guido Horst zerstreuen: "Die Kinder lernen auch den Respekt voreinander und Verantwortung füreinander." Nicht Sieg oder Niederlage stünden im Mittelpunkt, sondern die Entwicklung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit durch Selbstbeherrschung und Konzentration. Davon wiederum profitiere auch das Selbstbewusstsein. Was hier für Kinder und Jugendliche gilt, gilt gleichermaßen auch für Erwachsene, die dreimal in der Woche trainieren können.

Was den SKD Bünde in den Augen der Eltern aber so besonders mache, sei das Gemeinschaftsgefühl, dass von den meisten Kindern auf sie überspringe. Dafür bietet der Verein über das Jahr hinweg viele Veranstaltungen wie Vereinsfahrten, Kino-Besuche, Sommerfeste und Weihnachtsfeiern oder auch Abendessen für die Erwachsenen in gemütlicher Runde.

Und die Kinder schätzen, dass gerade bei ihrem Training immer zwei Trainer zugegen sind, um sie in Gruppen nach Wissensstand eingeteilt individueller unterrichten zu können. An insgesamt fünf Tagen in der Woche, außer dienstags und sonntags wird trainiert (siehe Infokasten).

Nach einer Stunde knien die knapp 30 Kinder wieder still in einer Reihe, ausgepowert und zufrieden, ihren Trainern gegenüber. Eine langsame Verbeugung beendet das Training für diesen Tag. Manche kommen einmal, manche zweimal, einige auch dreimal in der Woche - "nicht nur zum Training", sagt die achtjährige Zoe, "sondern weil ich hier auch viele Freunde treffe".

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