: Die Engländersiedlung in Hunnebrock (auf dem Foto Häuserblocks an der Robert-Schumann-Straße). - © DIETER SCHNASE
: Die Engländersiedlung in Hunnebrock (auf dem Foto Häuserblocks an der Robert-Schumann-Straße). | © DIETER SCHNASE

Bünde Briten-Häuser: Stadt sichert sich Erstzugriff

Wohnblocks in Hunnebrock werden begutachtet / Nutzungskonzept in Arbeit / Rat muss noch entscheiden

Bünde. Die gemauerte Hinterlassenschaft der Briten auf Bünder Stadtgebiet - rund 90 Wohneinheiten in Hunnebrock und 30 bis 35 an der Behring- und Engelstraße - stellt die Politik vor nicht leichte Entscheidungen. "Die Stadt wird die Erstzugriffsoption ausüben", bestätigte Bürgermeister Wolfgang Koch auf Anfrage der NW. Hierüber gebe es Einigkeit in den Fraktionen. Das gilt aber noch nicht für einen späteren Erwerb aller oder eines Teils der Wohnungen. In einem Gespräch mit Vertretern der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) sei das Interesse Bündes kürzlich bekundet worden, so Koch. Allerdings nur für die Wohnungen an der Kleiststraße, Eichholz-, und Robert-Schumann-Straße im Stadtteil Hunnebrock. Die BImA hat alle Wohnungen der hierzulande stationierten britischen Streitkräfte übernommen und bietet sie nach deren Abzug zunächst den Kommunen an. Für Hunnebrock ist die Frist am 30. Mai abgelaufen, insofern besteht hier Handlungsbedarf. "Ob Bünde und die BImA zueinanderkommen, ist auch eine Frage der Wertermittlung und Preise", so der Bürgermeister. Gutachter der Bundesanstalt oder ein externes Büro müssten dazu noch ein Gutachten erstellen. Als sicher gilt bereits, dass der Kaufpreis bei einer solchen Anzahl Wohneinheiten mehrere Millionen Euro betragen wird - eine Investition, über die der Bünder Rat beschließen müsste. Der Bürgermeister geht davon aus, dass eine grundsätzliche Klärung zu dem Thema in diesem Jahr erfolgt. Die Kommunalbetriebe Bünde (KBB) und die Bau & Siedlungsgenossenschaft (B&S) erstellen momentan ein Nutzungskonzept für die freien Wohneinheiten. Bis Mitte des Jahres soll es vorliegen. Bei der langfristigen Nutzung der Häuser mit der B&S zu kooperieren, sei "möglich und gewollt", erklärte dazu Peter Speckmann, Leiter der KBB.Kernaufgabe der Stadt: Wohnungen erwerben Neben dem Preis ist für Wolfgang Koch die zweite, mindestens ebenso wichtige Frage, was mit der Immobilie künftig geschehen soll, zu der auch der ehemalige Kindergarten der Briten und der Naafi-Shop an der Eichfeldstraße gehören. Für letzteres Gebäude sieht Koch kaum eine Nutzungsmöglichkeit. Dass die Städte ein Konzept darüber vorlegen müssen, wie die Immobilien künftig kommunal genutzt werden könnte, hatte der Abteilungsleiter Verkauf bei der BImA-Direktion Dortmund gegenüber der NW bereits im vorigen Jahr deutlich gemacht. "Es ist aber nicht die Kernaufgabe der Stadt, Wohnungen zu erwerben", machte Koch noch einmal deutlich. Zudem gebe es gegenwärtig einen Trend in der Politik, wonach sich Kommunen eher von Immobilien trennen würden. Für ein Nutzungskonzept sei eine wirtschaftliche Basis nötig. Bewohnt sind nach dem Auszug der Briten unabhängig davon schon zwei Häuserblocks an der Eichholzstraße/Kleiststraße - neben der Werkstatt der Lebenshilfe Lübbecke. Wie berichtet, werden 14 Wohnungen momentan für die Unterbringung von Flüchtlingsfamilien genutzt, sechs à 80 Quadratmeter, acht à 65 Quadratmeter. Die BImA hat sie der Stadt vorerst mietfrei überlassen und an die Kommunalbetriebe Bünde übergeben. "Wir wollen das Gebiet aber nicht zu einem Flüchtlingszentrum machen", erklärte Wolfgang Koch. Vielmehr plädiert er weiter für eine dezentrale Unterbringung der Asylbewerber wie derzeit erfolgreich praktiziert. Die Wohnungen an der Behring- und Engelstraße stehen seinen Worten nach ebenfalls weitgehend leer. Hier laufe die Frist aber noch. Unabhängig von den städtischen Finanzen gibt er zu bedenken, ob sich Bünde tatsächlich 120 Wohnungen zulegen sollte.

realisiert durch evolver group