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Zweimal musste die Feuerwehr ausrücken. Gegen 1 Uhr 
brannte ein Laubhaufen, gegen 4 Uhr an der Grundschule eine
Mülltonne. - © Feuerwehr Werther
Zweimal musste die Feuerwehr ausrücken. Gegen 1 Uhr
brannte ein Laubhaufen, gegen 4 Uhr an der Grundschule eine
Mülltonne. | © Feuerwehr Werther

Kreis Gütersloh Nach Chaosnacht: So greift eine Bürgermeisterin gegen randalierende Jugendliche durch

Ein marodierender Mob zieht in der Nacht zu Freitag durch Werther, zerstört Gegenstände, legt kleine Brände, behindert die Feuerwehr. Gegen fünf junge Leute wird ein Strafverfahren eingeleitet.

Anja Hanneforth
26.10.2019 | Stand 26.10.2019, 16:27 Uhr

Werther. Vandalismus von Jugendlichen ist nicht neu und hat es in Werther schon häufiger gegeben. Was sich aber in der Nacht zu Freitag in der Innenstadt abgespielt hat, erreicht eine neue Qualität: Ein Mob Jugendlicher und junger Erwachsener zieht durch die Straßen, lärmt, dröhnt, randaliert, beschimpft und bedroht Anlieger und Ordnungskräfte, zerstört und beschädigt Autos, Fahrräder, Straßenlaternen und Überwachungseinrichtungen, provoziert einen Stromausfall, legt zwei Brände, behindert die Feuerwehr bei ihrer Arbeit. Fünf der jungen Leute kann die Polizei schließlich dingfest machen, sie erwartet nun ein Strafverfahren. Der jüngste von ihnen ist 14 Jahre alt, der älteste 21. Einige von ihnen sind schon mehrfach in Werther auffällig geworden. Das bestätigt Bürgermeisterin Marion Weike. „So schlimm wie jetzt war es aber noch nie", zieht sie eine traurige Bilanz der Chaosnacht. Die Sommermonate habe man verhältnismäßige Ruhe gehabt, seit einigen Wochen ginge der Ärger wieder los. Am späten Donnerstagabend haben sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen offenkundig zusammengefunden, um bis in die frühen Morgenstunden des Freitags zusammen oder aufgeteilt in kleinere Gruppen randalierend durch die Innenstadt zu ziehen und eine Schneise der Verwüstung zu hinterlassen. Der Schaden ist erheblich, der Ärger der betroffenen Anlieger ebenfalls. "Schlimm, die Feuerwehr auf so massive Weise zu behindern" Warum die Auswüchse in dieser Nacht so extrem sind, kann sich Marion Weike nicht erklären. „Völlig inakzeptabel" nennt sie das Verhalten der Jugendlichen, und fast noch schlimmer sei es, die Feuerwehr auf derart massive Weise am Löschen der Brände zu hindern. So haben die jungen Leute, nachdem sie am Containerstandort Meyerfeld einen Laubhaufen angezündet haben, die dort abgestellten Absperrbaken genommen und auf die Straße geschleppt. Die ist entsprechend erst einmal für Autofahrer und die Einsatzkräfte gesperrt. Die zweite Brandstiftung ereignet sich drei Stunden später an der Grundschule, wo die Jugendlichen eine Mülltonne in Brand setzen. „Man kann von Glück sagen, dass nicht mehr passiert ist", kommentiert Einsatzleiter Christian Sußieck vom Löschzug Werther. Die Bürgermeisterin bestätigt: „So etwas kann ganz schnell nach hinten losgehen. Was, wenn der Brand auf ein Gebäude übergeschlagen wäre?" Jugendliche schlagen ein Fahrrad gegen ein geparktes Auto Erhebliche Auswüchse nimmt auch das Kaputtschlagen mehrerer Straßenlaternen im Stadtpark. Nach ersten Erkenntnissen sind diese Vorfälle Schuld an einem Stromausfall im Umfeld. Auch zwei beschädigte Fahrräder gehen auf das Konto der Tatverdächtigen. Dabei sind sie von Zeugen beobachtet worden. Ein dritter Zeuge muss mit ansehen, wie drei Jugendliche auf dem Netto-Parkplatz ein Fahrrad gegen ein geparktes Auto schlagen. Immer wieder werden die Jugendlichen im Verlauf dieser Nacht bei ihren Taten gesehen. Fünf von ihnen können schließlich durch die Polizei ermittelt werden; alles junge Männer aus Werther. Gegen sie ist inzwischen ein Strafverfahren eingeleitet worden. Die Ermittlungen der Polizei dauern an Die Ermittlungen der Polizei dauern an. Sie sucht weitere Zeugen, um noch mehr Täter dingfest machen zu können. Auch wird noch geprüft, ob es im Zuge des Stromausfalls und der Brände zu Folgeschäden gekommen ist. Bürgermeisterin Marion Weike zeigt sich kompromisslos und kündigt an, den fünf Jugendlichen Hausverbote für städtische Orte und Einrichtungen auszusprechen, darunter das Jugendzentrum, die Sportanlage Meyerfeld, das Schloss und den Stadtpark. „Erst einmal für drei Monate jeweils von 20 bis 7.30 Uhr." Sie hofft, dass dies Wirkung zeigt. Es sei nicht das erste Mal, dass sie ein Hausverbot ausspreche, wohl aber das erste Mal für gleich mehrere Einrichtungen. Sie werde die Schreiben persönlich bei den Eltern der Jugendlichen vorbeibringen, betont sie. Ihre Hoffnung setzt sie jedoch vor allem in die Justiz. „Gegen einen der Jugendlichen, der dieses Mal offensichtlich wieder dabei war, ist schon im vergangenen Jahr ein Strafantrag wegen Sachbeschädigung gestellt worden", erzählt sie. Überhaupt sei er schon häufiger wegen solcher Delikte aufgefallen. Am Ende sei das Verfahren jedoch fallen gelassen worden. „Sehr bedauerlich", beklagt Marion Weike. "Was tun die mitten in der Nacht auf der Straße?" Sie weiß, dass ein dauerhaftes Hausverbot nicht die Lösung sein kann. „Wenn wir die jungen Leute von diesen Orten verdrängen, gehen sie woanders hin." Ein wichtiger Weg sei also zu versuchen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Auf jeden Fall werde sie nun zeitnah Kontakt zum Jugendzentrum aufnehmen, um gemeinsam zu überlegen, was die Stadt für eine Beruhigung der Lage tun kann. Erschreckend ist für Marion Weike das Alter der jungen Leute. Die beiden jüngsten seien gerade einmal 14 und 15 Jahre alt. „Was tun die mitten in der Nacht auf der Straße? Und was tun ihre Eltern?", fragt sie sich. Natürlich würden Jugendliche immer mal Unfug machen. „Aber Leute zu beschimpfen, zu bedrohen, Sachen zu beschädigen und anzuzünden – da hört bei mir jedes Verständnis auf!"

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