0
Endstation: Jochen Franke, Fahrdienstleister beim Lebensbaum, kann das Ziel in 150 Metern zwar schon sehen, die Genehmigung den geschotterten Bypass in Richtung Waldstraße zu nutzen, versagte der Kreis aber. - © Kerstin Spieker
Endstation: Jochen Franke, Fahrdienstleister beim Lebensbaum, kann das Ziel in 150 Metern zwar schon sehen, die Genehmigung den geschotterten Bypass in Richtung Waldstraße zu nutzen, versagte der Kreis aber. | © Kerstin Spieker

Wertheraner Baustellenschranke bremst Pflegedienst aus

Der Kreis verwehrt dem Pflegedienst die Durchfahrterlaubnis für die Baustelle Theenhausen. Statt 150 Meter bis zum nächsten Klienten fahren Mitarbeiter viele Kilometer. Bei der Pflege fehlt diese Zeit

Kerstin Spieker
01.10.2019 | Stand 01.10.2019, 13:19 Uhr

Werther-Theenhausen. „Es ist schlicht eine Katastrophe." Sybille Florschütz, Geschäftsführerin der Lebensbaum Werther Soziale Hilfen gGmbH, nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Situation, die sich durch die Baustelle Theenhausen für den Lebensbaum ergibt, ist erkennbar ein Reizthema. Nicht ohne Grund: Der Einsatzplan des mobilen Pflegeteams ist komplett aus den Fugen, die betagten Klienten sind verärgert über Zeitplanänderungen, und einige Strafzettel hat es für die Lebensbaum-Mannschaft auch schon gegeben. Am schlimmsten sei aber, dass hier Zeit verfahren werde, die bei der Pflege dann fehle, beklagt Fahrdienstleiter Jochen Franke. „Und das in Zeiten des Pflegenotstands." „Wir waren der Ansicht, Mitarbeiter aus Richtung Niedersachsen sind Anlieger, wenn sie morgens über die Barnhauser Straße zum Lebensbaumbüro an der Borgholzhausener Straße fahren. Der Kreis teilte unsere Ansicht nicht", erklärt dazu Franke. Als Anlieger gelten die Lebensbaummitarbeiter nur, wenn sie im Dienst unterwegs sind. „Das gilt für unseren mobilen Pflegedienst, aber auch für die beiden Fahrzeuge, die regelmäßig für die Bewohner unserer Wohngruppe in Theenhausen im Einsatz sind", berichtet er weiter. Wenn er allerdings mit dem Personentransporter die Barnhauser Straße befährt, wird ihm manches Mal Angst und Bange. Begegnungsverkehr, zumal mit dem großen Fahrzeug, ist eigentlich nicht möglich. Die Banketten sind aber auch nicht befahrbar. Inzwischen hat der Kreis sogar Warnbaken aufstellen lassen, die das deutlich machen sollen. „Ich fahre garantiert nicht mit einem Rollstuhlfahrer an Bord auf die Bankette", macht Franke deutlich. „Schon jetzt nicht und erst recht dann nicht, wenn sie bei Regenwetter richtig aufgeweicht sind." Breitbandausbau kollidiert mit Straßenbau Und dann soll in naher Zukunft auch noch der langerwartete Breitbandausbau durch die Telekom erfolgen – leider auf der Barnhauser Straße. Eine Ampel soll dann die Baustelle sichern. Jochen Franke kann dazu nur den Kopf schütteln. Er pendelt je nach Gemengelage manchmal bis zu fünf Mal täglich zwischen Lebensbaum-Hauptsitz und Wohngruppe. Und das kann künftig noch länger dauern. Dauern kann es auch, wenn die Pflegedienstmitarbeiter vom Lebensbaum ihre Klienten in Theenhausen ansteuern. Denn war man früher fünf Minuten unterwegs, um von der westlichen Seite Theenhausens über die Theenhausener Straße auf die östliche zu wechseln, so dauert der Weg jetzt fast eine halbe Stunde, denn die Mitarbeiter müssen zurück auf die Borgholzhausener Straße fahren und von da aus den Ostteil anfahren. „Wir haben Patienten, die fahren wir mehrfach am Tag an, teilweise nur für eine Medikamentengabe", macht Sybille Florschütz deutlich. Da sei eine Fachkraft teilweise eine knappe Stunde unterwegs für zehn Minuten abrechenbare Arbeitszeit. "Unsere älteren Klienten werden nöckelig, wenn sich etwas ändert" „Wir dachten, da müsse es doch eine Lösung geben", so die Geschäftsführerin. Jochen Franke beantragte beim Kreis eine Genehmigung für die Nutzung der geschotterten Bypassstraße parallel zur Baustelle. Rund 150 Meter ist sie lang und würde den Lebensbaummitarbeitern mehrere Kilometer Umweg ersparen. „Aber der Kreis hat das abgelehnt", so Franke. Schulbus, Feuerwehr und Rettungswagen dürfen durch, der Pflegedienst nicht. „Veränderungen im Arbeitsplan sind unumgehbar, aber unsere älteren Klienten haben sich an Menschen und Zeiten gewöhnt. Sie werden richtig nöckelig, wenn sich da was verändert", beklagt Sybille Florschütz. Der Kreis äußerte sich auf eine Anfrage bis Redaktionsschluss nicht.

realisiert durch evolver group