Versmold Wurst-Unternehmer Hans-Ewald Reinert sagt: "Der Veggie-Hype ist vorbei"

Jetzt kommt wieder Wurst aufs Brot

Stefan Schelp
Zuversichtlich: Der Versmolder Unternehmer Hans-Ewald Reinert. - © Markus Hauschild
Zuversichtlich: Der Versmolder Unternehmer Hans-Ewald Reinert. | © Markus Hauschild

Versmold. Der Versmolder Wurst-Unternehmer Hans-Ewald Reinert setzt auf Schweinefleisch aus einer komplett antibiotika-freien Aufzucht.

Herr Reinert, die Macher des Fleischatlas empfehlen, nur noch halb so viel Fleisch zu essen, wie bisher. Welches sollen wir noch essen?
Hans-Ewald Reinert:
Aus meiner Sicht sollten wir vor allem darauf achten, hochwertiges Fleisch zu essen. Ich halte die aktuelle Diskussion um den Fleischkonsum für sehr wichtig. Es gilt, die Wertigkeit von Fleisch für den Verbraucher für eine ausgewogene Ernährung wieder bewusst zu machen.

Und was essen Sie?
Reinert: Ich achte auf eine ausgewogene Ernährung, zu der selbstverständlich auch qualitativ hochwertige Fleisch- und Wurstprodukte gehören.

Der Veggie-Trend bei der Wurst flaut offenbar wieder ab. Welchen Stellenwert hat die Sparte bei Reinert?
Reinert:
Die Nachfrage nach Veggie-Produkten ist in der Tat deutlich rückläufig. Vegetarische Produkte wird es natürlich auch in Zukunft geben, aber eben mehr als Nische im Gesamtmarkt – der Hype ist vorbei. Wir werden uns auch zukünftig auf unser Kerngeschäft der klassischen Wurstwaren konzentrieren. Ende 2017 haben wir uns komplett vom vegetarischen Markt verabschiedet.

Sie kündigen ein gemeinsames Projekt mit DanishCrown an. Worum geht es?
Reinert:
Wir werden Mitte 2018 erstmals eine Produktlinie mit Schweinefleisch aus 100 Prozent antibiotikafreier Aufzucht auf den deutschen Markt bringen und damit das Angebot für Verbraucher erweitern. Als starken Partner mit der notwendigen Erfahrung in der Aufzucht haben wir uns den dänischen Fleischproduzenten Danish Crown an die Seite geholt, mit dem wir eine exklusive Partnerschaft für den deutschen Markt eingehen werden.

Der Weg zu Tönnies wäre kürzer gewesen. . .
Reinert: Selbstverständlich haben wir im ersten Schritt mit deutschen Partnern geredet. In Deutschland gibt es allerdings bislang keinen Produzenten, der in der Aufzucht von Schweinen gänzlich auf den Einsatz von Antibiotika verzichtet und uns die benötigten Fleischmengen in der von uns geforderten hohen Qualität liefern kann. Danish Crown produziert bereits seit einigen Jahren auf ausgewählten, zertifizierten Höfen in Dänemark. Die Dänen sind als Vorreiter in der Produktion von antibiotikafreiem Fleisch und verfügen bereits über viel Erfahrung.

Kann Fleischindustrie ohne Massentierhaltung und den Einsatz von Antibiotika überhauptfunktionieren?
Reinert: Dass es geht, zeigt unser Projekt mit Danish Crown. Angesichts der Probleme durch multiresistente Keime und der Verunsicherung der Verbraucher sind neue Konzepte gefragt. Wir nehmen unsere unternehmerische Verantwortung ernst und gehen neue Wege. Sicherlich hängt der Erfolg dieses und ähnlicher Projekte davon ab, ob der Verbraucher sie durch den Kauf entsprechender Produkte unterstützt.

Kann es eine Rückkehr zum ländlichen Bauern und glücklichen Kühen geben?
Reinert
: Die Rückkehr zu einer Fleischproduktion ohne Massentierhaltung ist nur denkbar, wenn der Verbraucher bereit ist, deutlich mehr für sein Fleisch zu bezahlen. Aber auch jetzige Haltungsbedingungen werden sich verändern müssen. Neben unserem Projekt gibt es aktuell viele weitere neue Ansätze in der Fleischbranche, den Status quo zu verändern. Ich finde das sehr gut.

Neuerdings gibt es auch künstliches Fleisch aus der Petri-Schale. Wie schmeckt Ihnen das?
Reinert: Ein interessantes Experiment, das langfristig sicherlich einen Beitrag zur Erneuerung der Branche leisten könnte. Es wird darüber hinaus aber auch weitere Initiativen geben müssen, um etwas in der Branche zu verändern. Grundsätzlich schätze ich innovative Kräfte.

Bei den Wurstherstellern hat es zuletzt eine kräftige Konzentration gegeben. Wie schlägt sich Reinert im schärfer werdenden Wettbewerb?
Reinert: Als Familienunternehmen ist es unsere Stärke, mit hoher Qualität und Innovationen zu überzeugen. Wir nehmen die Wünsche des Verbrauchers ernst und haben den Mut, neue Wege zu gehen. Gute Produkte und zufriedene Kunden sind uns eine Herzenssache. Das hat uns in der Vergangenheit erfolgreich gemacht und das wird auch in Zukunft so sein.

Das Handwerk jammert über Fachkräftemangel. Das Fleischerhandwerk gehört auch nicht zu den Traumberufen. Wie werben Sie um Fachkräfte?
Reinert: Einerseits indem wir uns als modernes, innovatives Unternehmen mit guten Arbeitsbedingungen präsentieren und selbst Fachkräfte mit entsprechendem Know-how ausbilden. Wir sind zudem kontinuierlich auf Jobbörsen oder auch auf verschiedenen Social Media-Kanälen präsent.

Daneben engagieren wir uns seit langem dafür, das Metzger-Image zu stärken. Mit dem Reinert Metzger-Kalender, für den jedes Jahr junge, dynamische Metzger professionell fotografiert werden, zeigen wir, dass sich das Berufsbild verändert und weiterentwickelt hat – und das kommt an.

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