Rebecca Brak (links) und Tanja Meuthen-Copertino vermieten Hühner.
Rebecca Brak (links) und Tanja Meuthen-Copertino vermieten Hühner.

Verl Sonntags-Ei vom eigenen Huhn

Hühner-Patenschaften sichern frische Eier in Zeiten von Lebensmittel-Skandalen

Verl. "Natürlich ist die Idee beim Frühstück entstanden. Wo sonst?" fragt Tanja Meuthen Copertino schmunzelnd. Die Brackwederin hatte ihre Freundin Rebecca Brak in Verl besucht. Inmitten der Schar aus glücklichen Hühnern, die bei Rebecca Brack auf dem Hof am Lienenweg herumlaufen, lag die Idee auf der Hand: Wer eine Patenschaft für ein Huhn übernimmt, kann sich täglich oder wöchentlich selbst seine Eier abholen. "Und die sind garantiert frisch und von glücklichen Tieren", versichern die Freundinnen.

Das Konzept hinter "Mein eigenes Huhn" ist simpel: Hühner-Paten zahlen 15 Euro pro Monat und bekommen dafür 25 Eier – maximal sieben pro Woche, die sie sich aus einer Box am Außengehege der Hühner selbst abholen müssen. Tanja Meuthen Copertino ging als gutes Beispiel voran und übernahm die erste Patenschaft für eines der insgesamt 15 Hühner auf dem Hof. "Ich habe dem Huhn einen Namen gegeben – meins heißt Gina Lollobrigida. Und es ist ein tolles Gefühl, das Huhn persönlich zu kennen, das mir meine Eier legt", so die Hühner-Patin. Wer ein Huhn sozusagen "mietet", bekommt einen Paten-Brief – ganz offiziell. "Mit Foto vom Huhn und dem Namen, den die Paten selbst auswählen", ergänzt Rebecca Brak, der die Hühner gehören.

Familie Niebuhr aus Verl, die heute zu Gast ist, ist derweil damit beschäftigt, sich auf Paten-Hühner und Namen für dieselben zu einigen. An einem schmucken Exemplar mit sehr hellem Gefieder findet schließlich die ganze Familie Gefallen. "Ich finde, Uschi ist ein schöner Name – der passt zu ihr", schlägt Papa Jörg Niebuhr vor, und Töchterchen Pia-Christin (2) ist begeistert. Nicht nur den Paten-Brief für Uschi, sondern auch acht "popofrische" Eier kann die Familie sofort mit nach Hause nehmen. "Da brauche ich ja Ostern gar nicht mehr färben", meint Simone Niebuhr beim Anblick der Eier begeistert. Die verschiedenen Rassen – Grünleger, Sussex und Italiener – seien dafür verantwortlich, erklärt Tanja Meuthen Copertino.

Vor allem für Kinder sei es eine schöne Erfahrung zu sehen, woher die Frühstücks-Eier kommen, sagt die Kommunikationstrainerin und Fotografin aus Bielefeld-Brackwede. "Um Profit geht es uns hier nicht. Vielmehr wollen wir durch ,Mein eigenes Huhn' in kleinem Rahmen die Welt etwas verbessern." Gerade in Zeiten von Lebensmittelskandalen sei es schön und beruhigend, zu wissen, wie die Hühner gehalten werden und sie sogar persönlich zu kennen. Bei Familie Brak haben die Hühner ein eigenes Stück Wiese als Auslauf und einen Stall, der mit Stroh ausgelegt ist. "Gefüttert werden sie ausschließlich mit guten Körnern", so Rebecca Brak.

Bei "Mein eigenes Huhn" werde kein Tier doppelt vermietet, so Brak und Meuthen Copertino. Sechs der 15 Hühner auf dem Verler Hof haben derzeit schon Paten. "Und wenn alle Hühner vergeben sind, gibt es eine Warteliste", sagt Meuthen Copertino. "Sonst ist unser Grundgedanke mit der persönlichen Beziehung zum Eierlieferanten ja auch dahin."

Die Idee der beiden Freundinnen kommt auch bei anderen Geflügelhaltern gut an. Deshalb denken die Freundinnen über ein Franchise-System nach. "Besitzer von mehr als zehn Hühnern können sich gerne bei uns melden", so Meuthen Copertino.

Nähere Infos gibt es unter Tel. (05246) 70 32 91 oder im Internet unter www.mein-eigenes-huhn.de.

Copyright © Neue Westfälische 2019
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group