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Für den Vorsitzenden der Dorfgemeinschaft Kaunitz, Siegfried Erichlandwehr, ist der Reisezugwagen Baujahr 1924 ein großes Ärgernis. Der Waggon, der in unmittelbarer Nähe zum Begegnungszentrums "Alter Bahnhof" sein Dasein fristet, ist für ihn und die Menschen im Dorf ein echter Schandfleck. - © FOTO: HUBERTUS EBBESMEYER
Für den Vorsitzenden der Dorfgemeinschaft Kaunitz, Siegfried Erichlandwehr, ist der Reisezugwagen Baujahr 1924 ein großes Ärgernis. Der Waggon, der in unmittelbarer Nähe zum Begegnungszentrums "Alter Bahnhof" sein Dasein fristet, ist für ihn und die Menschen im Dorf ein echter Schandfleck. | © FOTO: HUBERTUS EBBESMEYER

Verl-Kaunitz Rostiger Zugwaggon sorgt für Ärger

Dorfgemeinschaft Kaunitz möchte "Schandfleck" entfernen lassen / Ideen für Aufwertung alter "Pättkes"

VON HUBERTUS EBBESMEYER
20.04.2013 , 00:33 Uhr

Verl-Kaunitz. Beim Thema Eisenbahn denkt man gemeinhin an Mobilität. Bei der Dorfgemeinschaft Kaunitz kommen beim Wort Eisenbahn seit geraumer Zeit ganz andere Assoziationen hoch: Unmut. "Hier bewegt sich schon lange nichts mehr", ärgern sich die Heimatfreunde um ihren Vorsitzenden Siegfried Erichlandwehr. Das wurde bei der jüngsten Jahresversammlung deutlich.

Deutlich sind denn auch die Worte Erichlandwehrs, wenn er an jenen Waggon denkt, der seit rund fünf Jahren neben dem schmucken Begegnungszentrum "Alter Bahnhof" in des Wortes ureigenster Bedeutung auf dem Abstellgleis steht. "Das ist doch ein echter Schandfleck in unserem Dorf", schimpft der Heimatfreund. "Das Ding muss hier weg."

Stein des Anstoßes ist jener historische Reisezugwagen vom Typ D-21 d, Baujahr 1924, den Mitglieder des Vereins "Westfälische Localbahn" e. V. aus Bielefeld 2007 auf einem Nebengleis der TWE-Strecke am Alten Bahnhof mit dem Ansinnen abgestellt haben, ihn zu restaurieren. Und auch, wenn die Eisenbahn-Fachleute seinerzeit mitgeteilt hatten, es dauere einige Jahre, bis der Waggon wieder und mit eigenen finanziellen Mitteln in einen originalgetreuen Zustand versetzt sein würde: "Seit damals ist nichts passiert", deutet Siegfried Erichlandwehr auf einen "Schrotthaufen auf Rädern", den längst Jugendliche für sich eingenommen hätten.

Information

Dorfgemeinschaft


Die Dorfgemeinschaft wurde 1992 anlässlich der Teilnahme am Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" gegründet.

Gemeinsam möchte der Verein Altes und Überliefertes bewahren und zugleich den Blick in die Zukunft des Dorfes richten. Stichworte sind dabei Entwicklung und Nachhaltigkeit. (ebbe)

Die Scheiben sind größtenteils eingeschlagen, hier und da sind unter Verwendung von Farbspraydosen verfasste, unflätige Botschaften in englischer Sprache zu lesen, im Innern befindet sich einiger Unrat, kurz gesagt: Der Waggon ist ein einem verwahrlosten Zustand.

Der Dorfgemeinschaft Kaunitz jedenfalls reicht’s. "Das Maß ist voll", sagt Erichlandwehr, dessen Gemeinschaft nunmehr die Situation rechtlich abklopfen will. Dem Verein "Westfälische Localbahn e. V." soll eine Frist zur Entfernung des 89 Jahre alten Vehikels gesetzt werden. Bei Nichteinhaltung ist die Dorfgemeinschaft durchaus zum Handeln bereit: "Gegebenenfalls lassen wir den Waggon von einem Schrotthändler abholen", sagt Erichlandwehr.

Eines der Ziele der Kaunitzer Heimatfreunde sei jedenfalls, den Alten Bahnhof und das Gelände drum herum weiter aufzuwerten. So könne man sich beispielsweise vorstellen, am Dorfgemeinschaftshaus eine Boule-Anlage zu errichten.

Und das ist nur eines der Projekte, das sich die 67 Mitglieder zählende Gemeinschaft vorgenommen hat. Grundlage hierfür ist das Dorfentwicklungskonzept von 2008. Und auch, wenn die Punkte Ortsdurchfahrt und Errichtung eines Kreisels zwischenzeitlich abgearbeitet und umgesetzt seien: "Kaunitz hat das Potenzial, seinen Einwohnern und Besuchern noch mehr zu bieten". So denkt man etwa an die Erschließung und Aufwertung von altüberlieferten "Pättkes".

"Die werden von Spaziergängern und Radfahrern sehr gerne genutzt", weiß Erichlandwehr. So könne man sich beispielsweise vorstellen, an ausgesuchten Stellen Ruhebänke aufzustellen. Als hierfür geeignet hierfür gelten in den Reihen der Heimatfreunde etwa das nördliche Kaunitz und die Bereiche zwischen der Straße "Zum Furlbach" und der Delbrücker Straße. Erichlandwehr: "Hier könnten auch die Bewohner des Altenzentrums mit ihren Rollatoren spazierengehen".

Da die Wege oftmals auf Privat- wie auf städtischem Grund verlaufen, müsse man zunächst mit den Grundstückseignern Gespräche führen. Da sieht Erichlandwehr zumindest nach entsprechendem "Vorfühlen bei der Stadt offene Türen". In einem nächsten Schritt sei zu klären, ob die Stadt noch Ruhebänke in ihrem Bestand habe, die sie zur Verfügung stellen könnte. "Hilfreich wären auch Sponsoren", hofft der Dorfgemeinschaftsvorsitzende auf das entsprechende Engagement von Unterstützern aus dem Kaunitzer und Verler Land.