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Torsten Reineke, Kai-Florian Frevert (vorne v. l.) und ihre Mitschüler aus dem Chemiekurs der 9. Jahrgangsstufe der Verler Realschule beteiligten sich an dem Projekt Energie sparen macht Schule. Ihre Erkenntnis: Alleine mit ein paar kleinen Veränderungen bei der Technik und dem eigenen Verhalten ließen sich mehrere Hundert Euro Stromkosten in der Schule vermeiden. - © FOTOS: ROLAND THÖRING
Torsten Reineke, Kai-Florian Frevert (vorne v. l.) und ihre Mitschüler aus dem Chemiekurs der 9. Jahrgangsstufe der Verler Realschule beteiligten sich an dem Projekt Energie sparen macht Schule. Ihre Erkenntnis: Alleine mit ein paar kleinen Veränderungen bei der Technik und dem eigenen Verhalten ließen sich mehrere Hundert Euro Stromkosten in der Schule vermeiden. | © FOTOS: ROLAND THÖRING

Verl Im Kleinen für das große Ganze

Realschüler entwickeln Ideen, mit denen sich mehrere Hundert Euro Stromkosten pro Jahr sparen ließen

VON ROLAND THÖRING
30.11.2012 | Stand 29.11.2012, 22:18 Uhr

Verl. Der Einspareffekt ist messbar. Würden die 17 Rechner im alten Computerraum der Realschule nach dem Unterricht ordentlich heruntergefahren und nicht nur in den Ruhezustand versetzt, würde das im Jahr 834 Euro Stromkosten sparen. Das Ausschalten der modernen PCs im neuen Computerraum könnte 423 Euro einbringen. Und 175 Euro weniger auf der Stromrechnung stünden, würde die Halogenbeleuchtung in den zehn Schaukästen der Schule auf energiesparende LED umgestellt.

Was die Schüler eines Chemiekurses der Jahrgangsstufe 9 im Rahmen des Projektes "Energiesparen macht Schule" herausgefunden haben, lässt sich auch auf das Verhalten in der eigenen Wohnung übertragen: Angesichts steigender Energiepreise, angesichts des fortgesetzten Verbrauchs fossiler Rohstoffe und der einsetzenden Klimaerwärmung wird das Bewusstsein für das eigene mitunter verschwenderische Handeln immer wichtiger. Für die an dem Mitte 2010 angelaufenen Projekt beteiligten Verler Schulen - das sind alle mit Ausnahme der Marienschule - zahlt sich das Energiesparen sogar finanziell aus: Von den im zweiten Halbjahr 2010 und im Jahr 2011 eingesparten Strom-, Heiz- und Wasserkosten in Höhe von 20.912 Euro erhalten die Schulen eine Erfolgsbeteiligung in Höhe von 7.319 Euro.

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Die Energiespartipps der Schüler

Nicht nur in der Schule, auch zu Hause lassen sich mit kleinen Verhaltensänderungen die Kosten für den Stromverbrauch senken. Hier die Vorschläge der Schüler:
Das Handy-Ladegerät für nur während der Ladens in der Steckdose belassen.
Warmes Wasser während des Zähneputzens oder des Einseifens nicht laufen lassen, sondern abstellen.
Nur Zimmer heizen, die auch gebraucht werden und beispielsweise nicht das unbewohnte Gästezimmer.
Auf ein paar elektrische Weihnachtslichter verzichten.
Nicht unnötig viel Wasser im Wasserkocher erhitzen.
Die Waschmaschine nur voll befüllt betreiben.
Wäsche im Sommer im Freien trocknen.
Zimmerleuchten dimmen.

Dabei sind die Einflussmöglichkeiten der Schüler und der Lehrer auf den Energieverbrauch an ihren Schulen sogar stark begrenzt, sagte gestern bei der Vorstellung der ersten Projektergebnisse Bettina Baron vom Bielefelder e & u Energiebüro, welches das bis Ende 2014 angelegte Projekt fachlich begleitet. Nur 10 bis 15 Prozent des Energieverbrauchs eines Gebäudes seien überhaupt vom Nutzerverhalten abhängig, fast 90 Prozent machten die bauliche Beschaffenheit und die Qualität der technischen Ausstattung eines Hauses aus.

Deshalb stellte der Energiebeauftragte der Realschule Viktor Huber die Schüler seines Chemiekurses auch zunächst vor die Frage, was diese denn überhaupt beeinflussen können, wo selbst die Heizungsregelung vom Hausmeister überwacht wird. Weil an der Schule das Lehrerraum-Prinzip gilt, die Schüler also den Unterrichtsraum wechseln und ein Lehrer den seinen behält, obliegt es überwiegend auch ihm, für ein energiesparendes Lüftungsverhalten zu sorgen.

Doch die Schüler, ausgestattet mit Messgeräten den großen Stromfressern in der Realschule auf der Spur, entdeckten so manche Verbesserungsmöglichkeit. Beispielsweise verfügt die Computeranlage im Lehrerpult ihres Physikraums nicht über einen Ausschalter, so dass sie sich permanent im energieverschwenderischen Standby-Modus befindet. Beispiel Deckenbeleuchtung: Sie kann nur in Gänze eingeschaltet werden, obwohl an den Fensterplätzen das Tageslicht ausreicht. Beispiel Kühlschrank: Hier wird für Kälteversuche Material gelagert. Würde der Kühlschrank in den Schulferien aber ausgeschaltet, ließen sich von seinem jährlichen Stromverbrauch in Höhe von 120 Euro fast 28 Euro einsparen.

"Wir müssen klein anfangen, dann wird was Großes daraus", fasste Celina Kaimann die Erkenntnisse der Schüler zusammen. Mithelfen müssen dann aber auch die Lehrer: Treppen steigen statt Aufzug fahren mahnte Kai-Florian Frevert an. Und Licht ausschalten. Bei ihrem Gang durch die Schule waren die Jugendlichen mitunter auf Räume gestoßen, in denen das Deckenlicht eingeschaltet war, obwohl sich niemand darin aufhielt. "Besonders oft war das im Lehrerzimmer der Fall."

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