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Das Verler Rathaus: Der Streit um die Ahnengalerie geht weiter. - © Stadt Verl
Das Verler Rathaus: Der Streit um die Ahnengalerie geht weiter. | © Stadt Verl

Verl Wieder Streit um die Verler „Ahnengalerie“

Die Mehrheit im Hauptausschuss stimmt dafür, die Porträts der ehemaligen Hauptverwaltungsbeamten wieder öffentlich zu zeigen. Diskutiert wird aber nicht über den fehlenden Paul Hermreck, sondern über einen anderen Amtsvorgänger.

Roland Thöring
11.09.2019 | Stand 11.09.2019, 14:51 Uhr

Verl. Die bis vor etwa 13 Jahren im kleinen Sitzungssaal des Rathauses ausgestellte Foto-Galerie der ehemaligen Gemeindedirektoren und Bürgermeister wird zur Eröffnung des neuen großen Ratsaals im Durchgang zu dessen Foyer wieder aufgehängt. Dafür sprach sich der Haupt- und Finanzausschuss gegen die Stimmen von SPD und Grünen mehrheitlich aus. Ergänzt wird dies Foto-Galerie um die Porträts der drei langjährigen ehrenamtlichen Bürgermeister Hermann Dreismann, Hubert Hermwille und Josef Lakämper. Dass sich der Vorgänger des jetzigen Bürgermeisters Michael Esken, Paul Hermreck, auf dessen Initiative hin die Galerie vor dem Umbau des Rathauses im Jahre 2006/2007 abgehängt und im Archiv eingelagert worden war, nicht einreihen lassen möchte, war bei der Diskussion am Dienstagabend nur ein Randaspekt. Den Namen Hermreck nahm kein einziges Ausschussmitglied in den Mund. Im Mittelpunkt der Wortbeiträge stand vielmehr der Umgang mit dem Amtsbürgermeister Josef Lükewille, der zwischen 1932 um 1945 im Rathaus das Sagen hatte. „An einer Stelle wie ein zahnloses Gebiss" CDU-Fraktionsvorsitzende Gabriele Nitsch nannte Eskens Vorschlag, die Fotos wieder öffentlich zugänglich zu machen, „absolut angemessen". Bei den gezeigten Personen handelt es sich um ein „Stück Stadtgeschichte". Ihr SPD-Kollege Peter Heethey sah das anders. Mit der Verweigerung des „ehemaligen Bürgermeisters" wirke die Foto-Galerie „an einer Stelle wie ein zahnloses Gebiss". Mehr Kopfzerbrechen bereitete Heethey allerdings, dass auch das Porträt Lükewilles in der Reihe ausgestellt werden soll, wenngleich mit einem kommentierenden Text versehen. Die Aufnahme in die Galerie stelle schließlich eine Würdigung der gezeigten Personen da. „Wollen wir so einen Mann wirklich mit einem Foto ehren? Ich halte das für fragwürdig. Ich würde ihn im Keller lassen." Michael Esken hatte zuvor den vorgesehenen kommentierenden Text zitiert, der unter dem Porträt des während der Nazizeit amtierenden Bürgermeisters angebracht werden soll. Der Text wurde gemeinsam von Stadtarchivarin Annette Huss und dem Heimatverein verfasst. Darin wird erwähnt, dass Lükewille Gegner des Regimes denunziert und der Entnazifizierungsausschuss im Jahr 1948 geurteilt habe, „dass er mehr getan hat, als er hätte tun müssen". Getanes Unrecht werde allerdings durch einen solchen Text nicht aufgefangen, gab Peter Heethey zu Bedenken. „Eine Ahnengalerie ist antquiert" Die Präsentation der ehemaligen Hauptverwaltungsbeamten in Form einer Foto-Galerie sei überdies nicht mehr zeitgemäß, sagte Heethey weiter und nahm damit jenes Argument auf, mit dem Paul Hermreck seine Zustimmung verweigert hatte, ebenfalls in die Riege der Amtsträger seit 1852 eingereiht zu werden. Unterstützung erhielt er vom Vorsitzenden der Grünen-Fraktion, Johannes Wilke. Diese „Ahnengalerie" sei antiquiert, eine Präsentation im Internet zu bevorzugen. FDP-Ratsherr Ulrich Klotz, selbst Historiker, sagte, würde die Stadt as Foto von Josef Lükewille nicht zeigen und an seiner Stelle für die Jahre 1932 bis 1945 eine Lücke lassen, sehe es aus, als wolle sie etwas verschweigen. Der erklärende Text sei jedoch wichtig, „wir können ja nicht so tun, als wäre das eine normale Amtszeit gewesen". Alle Fraktionsvertreter sprachen sich zugleich dafür aus, auf der städtischen Internetseite die Bilder mit ausführlicheren Erläuterungstexten zu präsentieren.

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