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Breitbandausbau im Außenbereich: 384 Gebäude, die bisher als unterversorgt gelten, sollen im Rahmen einer Fördermaßnahme mit Glasfaser einen schnellen Internetzugang erhalten. - © Picture Alliance
Breitbandausbau im Außenbereich: 384 Gebäude, die bisher als unterversorgt gelten, sollen im Rahmen einer Fördermaßnahme mit Glasfaser einen schnellen Internetzugang erhalten. | © Picture Alliance

Verl Die Zeit für den geförderten Glasfaseranschluss in Verl wird knapp

Mit 4 Millionen Euro fördert der Staat den Anschluss von 658 Haushalten im Außenbereich der Stadt Verl. Bislang haben 58 Prozent den kostenlosen Anschluss beantragt. Im Herbst rollen die Bagger - danach kann es teuer werden

Roland Thöring
06.09.2019 | Stand 06.09.2019, 15:13 Uhr

Verl. Sie gilt als leistungsstark und zukunftssicher: die Internet-Verbindung über Glasfaser. Gerade im Außenbereich, wo die Wege lang sind und die Datenübertragung über die Kupferleitung mit jedem Meter weniger Geschwindigkeit bietet, ist der Glasfaseranschluss aktuell die einzige Chance, auf die Datenautobahn zu gelangen. 658 Haushalte in 384 Gebäuden haben dazu jetzt die Gelegenheit. Der Stadt stehen dafür 4 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung. Aktuell haben aber erst 58 Prozent der infrage kommenden Haushalte zugegriffen. Dass es nicht mehr sind, die sich den für sie kostenlosen Anschluss ins Haus legen lassen, sorgt im Rathaus für Verwunderung. „Die Chance kommt so schnell nicht wieder" „Die Chance kommt so schnell nicht wieder", sagt die städtische Wirtschaftsförderin Sandra Claes. In wenigen Wochen will das Borkener Unternehmen Deutsche Glasfaser Holding GmbH mit dem geförderten Ausbau beginnen. Infrage kommen dafür Haushalte, die im Außenbereich liegen und die Verler Telefonvorwahl 05246 haben. Außerdem muss die bislang mögliche Datenübertragungsgeschwindigkeit unter 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) liegen. Das Glasfaserkabel wird im geförderten Ausbau bis zur Grundstücksgrenze verlegt – eine Baumaßnahme, die bei Streusiedlungen und weit auseinander liegenden Höfen teuer ist und sich für die Telekommunikationsanbieter privatwirtschaftlich nicht rechnen würde. 50 Euro und mehr kostet die Verlegung je laufendem Meter. Damit die im Außenbereich wohnenden Menschen aber nicht vom schnellen Internet abgeschnitten sind, gibt es den staatlichen Zuschuss. Das Kabel von der Grundstücksgrenze bis ins Haus verlegt die die Firma Deutsche Glasfaser zusätzlich auf eigene Kosten. 44 Prozent der 658 Haushalte im Verler Außenbereich haben bereits einen aktiven Vertrag mit dem Unternehmen abgeschlossen, teilte die Stadt jetzt mit, weitere 14 Prozent einen passiven Vertrag. Sie haben sich das Kabel vorsorglich bis ins Haus legen lassen, aber noch keinen Telekommunikationsvertrag mit der Deutschen Glasfaser. Telefon- und Internetverbindung laufen weiterhin über das alte Kupferkabel. Trotzdem hat die Firma diese Zusatzleistung erbracht. Sie verspricht sich davon, dass das Geschäft zu einem späteren Zeitpunkt zu Stande kommt, da der Anschluss ohne weiteren Aufwand möglich ist. Stadt sucht Lösung für die restlichen 15 Prozent Im Umkehrschluss heißt das jedoch, dass sich 42 Prozent der angeschriebenen Haushalte noch gar nicht mit dem Thema befasst, sich zumindest dazu noch nicht geäußert haben. „Die Zeit wird knapp", sagt Bürgermeister Michael Esken. Ist der Bagger am Grundstück erst einmal vorbeigefahren, kostet ein späterer Anschluss die Haushalte richtig viel Geld. Sandra Claes wirbt für die Vorteile, die der Glasfaser-Anschluss bis ins Haus (FTTH-Anschluss) bietet: Die Internet-Bandbreiten werden nicht mehr mit anderen Nutzern geteilt und bieten ausreichend Geschwindigkeit für zukünftige Ansprüche, zum Beispiel digitales Fernsehen, digitalen Arztbesuch oder Home-Office. Die Wirtschaftsförderin geht davon aus, dass ein Glasfaseranschluss zugleich den Wert und die Attraktivität einer Immobilie steigert. Wenn im Ortskern und im Außenbereich das komplette Netz ausgebaut ist, liegt die Anschlussquote in Verl bei 85 Prozent (Bundesdurchschnitt: 8,9 Prozent). Die Stadt ist aber daran interessiert, auch für die restlichen 15 Prozent eine Lösung anzubieten. Diese Haushalte liegen zumeist ebenfalls im Außenbereich, könnten aber eine Leitung nutzen, die mehr als 30 Mbit/s bietet, oder haben eine andere als die Verler Telefonvorwahl - vom aktuell geförderten Ausbauprogramm sind sie ausgeschlossen. Ihnen rät Claes, sich im Rathaus zu melden. Die Stadt bündele die Nachfrage und gebe diese an die Deutsche Glasfaser weiter, damit das Unternehmen ein für die einzelnen Haushalte möglichst kostengünstiges Angebot unterbreiten kann. Diese Interessenbekundungen müssen bis Ende des Monats bei der Stadt vorliegen. Sie bedeuten noch keinen Vertragsabschluss. Die Kommune lädt für den kommenden Mittwoch, 11. September, gemeinsam mit dem Unternehmen Deutsche Glasfaser um 19.30 Uhr zu einer Informationsveranstaltung in das Pädagogische Zentrum der Gesamtschule ein.

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