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Verl Bürgermeister a. D. will nicht in der Ahnengalerie der Stadt Verl landen

Für den neuen Ratssaal soll die Galerie mit den Fotos der ehemaligen Amts- und Gemeindedirektoren und Bürgermeister wieder aus dem Archiv geholt und öffentlich zugänglich gemacht werden. Auch Klaus Hörsting bekommt seinen Platz. Nur dessen Nachfolger stimmt nicht zu.

Roland Thöring
05.09.2019 | Stand 05.09.2019, 11:18 Uhr

Verl. 13 Jahre ist es her, da wanderten die ehemaligen Gemeindedirektoren und Bürgermeister Verls ins Archiv. Ihre Porträtfotos hatten bis dahin im kleinen Sitzungssaal des Rathauses in Form einer Bildergalerie gehangen. Nun sollen die Fotos zurückkehren. Im Rahmen der Eröffnung des Rathausanbaus will die Stadt die ursprüngliche Galerie aktualisieren und der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich machen. Einer jedoch wird fehlen: Paul Hermreck. Der ehemalige Bürgermeister habe seiner Aufnahme in die Galerie widersprochen, teilt die Stadt in ihrer Beratungsvorlage für den Haupt- und Finanzausschuss mit, der am Dienstag, 10. September, über diese Idee diskutieren wird. Hermrecks Wunsch werde berücksichtigt, heißt es knapp in der Vorlage weiter. Zur Begründung des Bürgermeisters a. D. (2004 bis 2015) macht die Stadt keine Angaben. Hermreck bezieht klar Stellung Auf Anfrage von nw.de bezog der ehemalige Bürgermeister Stellung. Er dankte der Stadt für die Anfrage nach einem geeigneten Foto, lehnte die Beteiligung jedoch mit folgender Begründung ab: „Zu Beginn meiner Amtszeit hatte ich eine bereits vorhandene Galerie abnehmen lassen, weil niemand mehr von ihr Notiz nahm und außer dem Foto, dem Namen und der Amtszeit keine weiteren Informationen geboten wurden." Weiter erklärte er: "Im digital geprägten 21. Jahrhundert muss es meiner Ansicht nach andere Erinnerungsformen geben, als die aus den Familienverbünden des Römischen Kaiserreiches stammenden Ahnengalerien." Mit einer Beteiligung an der jetzt wieder geplanten Galerie würde er gegen seine eigene Entscheidung handeln. Aufnahme habe einen ehrenden Charakter Im Archiv der Stadt lagern sechs gerahmte Schwarz-weiß-Porträtfotos. Die Reihe umfasst Amtmann Werner Rohden (1852 – 1888), Amtmann Adolf Rohden (1888 – 1919), Amtmann/Amtsbürgermeister Wilhelm Runte (1920 – 1932), Amtsbürgermeister Josef Lükewille (1932 – 1945), Amtsdirektor Paul Gärtner (1945 – 1961) und Amtsdirektor/Gemeindedirektor Hans Georg Klose (1961 – 1985). Da die Aufnahme in die Galerie einen ehrenden Charakter habe, bedürfe die Einreihung Josef Lükewilles als Amtsbürgermeister während des Nationalsozialismus einer besonderen historisch-kritischen Einordnung, schreibt der amtierende Bürgermeister Michael Esken in der Beratungsvorlage für den Ausschuss. Die Stadt will das Porträtfoto deshalb in Abstimmung mit dem Heimatverein um ein entsprechendes Hinweisschild ergänzen. Einige der Hauptverwaltungsbeamten in der Geschichte der Stadt fehlen noch und sollen der Reihe hinzugefügt werden. Zwar liegen von den Amtsvorgängern Werner Rohdens aus den Jahren 1838 bis 1852 keine Bildnisse vor. Von Carl Creutz, der von Juli bis Oktober 1945 für wenige Monate als Amtsbürgermeister eingesetzt war, in der alten Galerie aber nicht vertreten war, gibt es hingegen ein Altersbildnis in der Sammlung des ehemaligen Beigeordneten Josef Freise, das für die neue Galerie genutzt werden soll. "Seine Ehefrau unterstützt das Vorhaben" Nachträglich aufgenommen wird, so der Haupt- und Finanzausschuss und anschließend der Rat der Wiederbelebung der Galerie zustimmen, auch Klaus Hörsting, Gemeindedirektor von 1985 bis 1999 und hauptamtlicher Bürgermeister von 1999 bis 2004. „Seine Ehefrau unterstützt das Vorhaben und hat ausdrücklich ihre Einwilligung erteilt", schreibt Esken. Zur Eröffnung des Ratssaales soll außerdem eine Skulptur als Kunstwerk angeschafft werden. In Abstimmung mit dem beauftragten Künstler ist geplant, sie im Foyer des neuen Ratssaales aufzustellen. Die Galerie mit den Amtsdirektoren, Gemeindedirektoren und Bürgermeistern findet dann ihren neuen Platz im Durchgang vom Foyer zum Sitzungssaal.

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