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Der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs für den Neubau von Gesamtschule und Hallenbad in Verl setzt auch viel Glas. Ob er und die beiden anderen Preisträger überhaupt den gesetzten Kostenrahmen von 29 Millionen Euro einhalten, überprüft jetzt im Auftrag der Stadt ein Projektsteuerer. - © 4A Architekten
Der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs für den Neubau von Gesamtschule und Hallenbad in Verl setzt auch viel Glas. Ob er und die beiden anderen Preisträger überhaupt den gesetzten Kostenrahmen von 29 Millionen Euro einhalten, überprüft jetzt im Auftrag der Stadt ein Projektsteuerer. | © 4A Architekten

Verl Werden die Neubauten von Verler Gesamtschule und Hallenbad teurer?

Ein Projektsteuerer prüft, ob die preisgekrönten Wettbewerbsentwürfe den vorgegebenen Kostenrahmen überhaupt einhalten können. Jetzt droht eine zeitliche Verzögerung.

Roland Thöring
14.07.2019 | Stand 13.07.2019, 16:06 Uhr

Verl. Die schlechten Erfahrungen mit der Kostenexplosion beim Bau des neuen Baubetriebs- und Wertstoffhofs haben die Stadt vorsichtig werden lassen. Im Falle des geplanten Neubaus von Gesamtschule und Hallenbad hat sie deshalb - erstmals im Rahmen eines Architektenwettbewerbs - die Überprüfung der preisgekrönten Entwürfe hinsichtlich der versprochenen Baukosten zwischengeschaltet. Im Rathaus ist man besorgt Offenkundig war die Skepsis angebracht: Im Rathaus gibt es jetzt Zweifel, ob die drei Entwürfe der Preisträger es schaffen, die in der Wettbewerbsausschreibung gesetzte Kostenobergrenze von 29 Millionen Euro einzuhalten. Nach einer entsprechenden Information des Bürgermeisters hat der Stadtrat, anders als ursprünglich vorgesehen, in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause noch nicht den Architektenauftrag vergeben. Der Wettbewerb war im November 2018 ausgeschrieben worden. Acht Büros hatten sich beworben. Als Gewinner kürte das Preisgericht Anfang März die "4A Architekten" aus Stuttgart. Der zweite Preis ging an das Berliner Büro FAR Frohn und Rojas, der dritte an Schlattmeier Architekten aus Herford. Letztere haben in Verl unter anderem die Erweiterung des Rathauses umgesetzt. Im Anschluss hatten die Architekten die Aufgabe, die Anregungen des Preisgerichts in ihre Entwürfe aufzunehmen und diese zu konkretisieren. In diesem sogenannten "nachgeschalteten Verhandlungsverfahren" legten die Büros eine erste konkrete Kostenschätzung für ihre jeweilige Planung vor. Bis dahin setzte das Verfahren lediglich voraus, dass die Entwürfe den genannten Kostenrahmen auch einhalten würden, denn das war ja Bedingung des Wettbewerbs. Nach "Hinweisen externer Projektsteuerer" ist man im Rathaus jetzt zumindest "besorgt". Im schlimmsten Fall droht ein kompletter Neustart und damit eine Verzögerung Im besten Fall stellt sich das in den nächsten Wochen als unbegründet heraus. Dann könnte der Bürgermeister mit einem Vertreter des Rates einen Dringlichkeitsbeschluss für die Auftragsvergabe fassen, der dann im Nachgang dem Stadtrat zur Genehmigung vorzulegen wäre. Zwei wäre dann keine verloren. Was aber, wenn der favorisierte Entwurf die 29-Millionen-Euro-Latte reißt? Die Verwaltung hat drei mögliche Szenarien vor Augen: Sollte die Bausumme den finanziellen Rahmen sprengen, hat der Rat die Möglichkeit, die Verwaltung mit Nachverhandlungen zu beauftragen. Die Stadt müsste dann gemeinsam mit den Planern Einsparmöglichkeiten finden. So war sie seinerzeit auch im Falle der aus dem Ruder laufenden Baukosten für den Bauhof verfahren. Unter bestimmten Voraussetzungen könnte der Rat schließlich den Kostenrahmen anheben. In beiden Fällen könnte Bürgermeister Michael Esken in den Sommerferien eine Sondersitzung des Rates einberufen; denkbar wäre aber auch eine Entscheidung erst im September. Nicht ganz so einfach wäre es, auf einen anderen als den bislang favorisierten Entwurf umzuschwenken - denn die Kosten sind nicht das einzige Kriterium, auf dem die bisherige Platzierung der preisgekrönten Entwürfe beruht. Der möglicherweise schlechteste Fall: Die Bausumme übersteigt die festgesetzte Obergrenze so deutlich, dass die Planung auch mit Abstrichen zur Kostenreduzierung nicht zu halten ist. Dann droht ein kompletter Neustart und damit eine zeitliche Verzögerung des Projekts von mindestens einem Jahr. Ein Fall, den man sich im Rathaus lieber noch nicht vorstellen mag, wie der Bürgermeister einräumt. Sonderwünsche könnten den Bau teurer machen Esken sieht sich jedenfalls durch das jetzt erstmals angewandte nachgelagerte Verhandlungsverfahren und die Überprüfung der von den Architekturbüros angegebenen Baukosten bestätigt: Es gelte der Grundsatz "Gründlichkeit vor Schnelligkeit", um unliebsamen Überraschungen vorzubeugen. Schließlich hatte es die nicht nur beim neuen Bauhof gegeben. Auch die Erweiterung des Gymnasiums und der Neubau des Feuerwehrgerätehauses Kaunitz waren deutlich teurer geworden, als ursprünglich berechnet. Bei der Kostenbegrenzung von 29 Millionen Euro hatte die Stadt übrigens schon Sicherheiten eingebaut: Im Rathaus hatten Berechnungen nach drei unterschiedlichen Methoden voraussichtliche Gesamtkosten von 26 bis 27 Millionen Euro prognostiziert. Allerdings kann trotz allem eine Preiserhöhung auch das Projekt Gesamtschule/Hallenbad treffen. Wenn nämlich der Rat nachträglich noch die Umsetzung von Sonderwünschen beschließt, die im Wettbewerb gar nicht gefordert waren. Zum Beispiel den Erhalt der heutigen Realschul-Aula, für den sich bereits erste Stimmen erhoben haben.

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