Sven Schurig hat sich kürzlich zum Diplom-Fleischsommelier ausbilden lassen. - © Christian Geisler
Sven Schurig hat sich kürzlich zum Diplom-Fleischsommelier ausbilden lassen. | © Christian Geisler

Verl Sven Schurig ist der erste Diplom-Fleischsommelier in Verl

Sven Schurig von der gleichnamigen Grillwerkstatt hat sich zum Diplom-Fleischsommelier ausbilden lassen. Sein Wissen möchte er in Grillseminaren teilen

Verl. Weltweit gibt es rund 500 Diplom-Fleischsommeliers. 20 Davon kommen aus Deutschland. Nur einer aus Verl. Sven Schurig von der gleichnamigen Grillwerkstatt hat den Lehrgang von November bis Januar im österreichischen Graz mit der Note „sehr gut" absolviert. „Da ich Grillseminare gebe, möchte ich meinen Kunden auch die Geschichte zum jeweiligen Fleisch erzählen können", sagt der 49-Jährige. Haltung, Hygiene, Fütterung, Zerlegung – das alles sind Themen, die ein angehender Diplom-Fleischsommelier während seiner Ausbildung lernt. „Ich sehe mich selbst als Botschafter", erklärt Schurig. „Menschen sollten sich darüber im klaren sein, dass für ihr Fleisch auf dem Teller ein Tier gestorben ist. Insofern bin ich für einen respektvollen Umgang mit Fleisch. Es sollte etwas Besonderes sein." Der Verler spricht sich daher auch strikt gegen Werbung für Lebensmittel aus. „Ich finde das nicht in Ordnung." Gleichzeitig appelliert Schurig an die Verbraucher, mehr darauf zu achten, wie das jeweilige Tier aufgezogen und ernährt wurde. „Viele geben mehr Geld für ihr Handy aus, als für eine gute, ausgewogene Ernährung", kritisiert der Diplom-Fleischsommelier. Qualität wirkt sich auf den Geschmack aus Platz, Bewegung und ein intaktes Sozialverhalten der Tiere bei der Haltung haben stets eine Auswirkung auf das Fleisch. „Ein gutes Fleisch hat eine feste Fettschicht und schöne Auflage. Auch an der Marmorierung kann man die Qualität erkennen. Sind darin Fettäderchen enthalten, ist das Fleisch deutlich saftiger", erzählt Schurig. Haltung und Herstellungsprozess haben also eine unmittelbare Auswirkung auf die Qualität des Fleisches, diese wiederum fördert den Geschmack. Für Verbraucher hat Schurig einen wertvollen Tipp. „Fragen Sie in der Metzgerei oder im Restaurant danach, woher das jeweilige Tier kommt. Wie alt war es? Um welche Rasse handelt es sich? Wie lange ist das Fleisch gereift? Wie wurde das Tier gefüttert? Können die Fragen nicht beantwortet werden, sollte man vielleicht lieber woanders essen." Der Diplom-Fleischsommelier ergänzt: „Man sollte Dinge hinterfragen. Wir zahlen einen gewissen Preis für die Ware. Dafür sollte man davon ausgehen können, dass sich ein Händler mit seinem Produkt auseinandergesetzt hat." Sein neu erworbenes Wissen möchte Sven Schurig in seinen Grillseminaren teilen. Seit 2015 ist der Verler mit seiner Grillwerkstatt in ganz Deutschland unterwegs. Bereits im Frühjahr gibt er zwei bis drei Seminare wöchentlich. „Die Leute, die dort mitmachen, wollen wissen, woher das Fleisch kommt. Sie wollen gute Produkte haben", sagt der 49-Jährige. Dabei ist Schurig eigentlich gelernter Maschinist für Kraftwerkanlagen. Über sein Hobby, das Grillen, ist er zu seinem heutigen Beruf gekommen. „Angefangen hat alles mit einem Grill, den mir meine Frau geschenkt hat. Man könnte sagen, sie ist Schuld daran", sagt Schurig mit einem Lächeln im Gesicht.

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