Das Amtsgericht kann nicht klären, ob der angeklagte Zwilling in die Disko-Rangelei verwickelt war. - © Andreas Frücht
Das Amtsgericht kann nicht klären, ob der angeklagte Zwilling in die Disko-Rangelei verwickelt war. | © Andreas Frücht

Verl Disko-Rangelei: Zwillinge werden zum Albtraum des Amtsgerichts

Das Amtsgericht kann nicht klären, ob der Angeklagte in die Disko-Rangelei verwickelt war. Der Bruder hätte es auch sein können – doch der schweigt

Verl-Bornholte/Gütersloh. In den frühen Morgenstunden des 18. Februar vergangenen Jahres war es in einer Verler Diskothek zu einer Rangelei gekommen, in deren Verlauf ein Mann zwei andere verletzt haben soll. Eine Platzwunde am Kopf trug der eine, einen Bluterguss der andere davon. Das Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung wurde nun vom Amtsgericht Gütersloh nicht zuletzt deshalb gegen eine Geldauflage von 1.000 Euro vorläufig eingestellt, weil der Verteidiger des Angeklagten dessen Zwillingsbruder in den Zeugenstand rief. Der nahm sein Aussageverweigerungsrecht in Anspruch und blieb stumm. Er hätte vielleicht auch tatsächlich nichts sagen können, denn es war ungewiss, ob er in jener Nacht auch in dem Tanzlokal gewesen ist. Doch ausgeschlossen war das nicht. Indem die Verteidigung diese Möglichkeit ins Spiel brachte, wurde die Beweisaufnahme schwierig. „Die Ähnlichkeit ist deutlich erkennbar", untertrieb der Richter die Verwechslungsgefahr der nicht in Verl beheimateten 23-jährigen eineiigen Zwillinge, die vor Gericht auch noch gleich gekleidet erschienen waren. Zeuge vollzieht Eiertanz Zuvor hatte der Anwalt für seinen im Übrigen schweigenden Mandanten erklärt, dieser sei in „keinerlei Auseinandersetzung oder Streit" verwickelt gewesen. Ein Zeuge vollführte sodann nach Ansicht aller Prozessbeteiligten einen ziemlichen Eiertanz. Er sei damals mit dem Angeklagten, den er seit der Grundschule kenne, in die Disko gefahren und könne nicht sagen, ob getrennt von ihnen vielleicht auch dessen Bruder da gewesen sei. Als er wieder habe aufbrechen wollen, so der 24-Jährige, habe er dies dem Freund mitgeteilt, habe sich seine Jacke von der Garderobe geholt und im Eingangsbereich gewartet. Währenddessen sei ein paar Meter hinter ihm eine „kleine Rangelei" entstanden, das habe er aber „nur so am Rande mitgekriegt". Drei Leute seien beteiligt gewesen. Bei der Polizei hatte er noch gesagt, dass er auch den Angeklagten darunter gesehen habe. Dessen war er sich nun nicht mehr sicher. Der Raum sei auch ziemlich voll gewesen. Auskünfte sind ein "bisschen dürftig" Die Staatsanwältin fand die Auskünfte ein „bisschen dürftig", der Mann sei bemüht gewesen, „seinen Kumpel nicht zu belasten". Der Richter regte ein Verfahren gegen den Zeugen an. Der Verteidiger schlug eine Einstellung vor, da ein Auseinanderhalten der Zwillinge den anderen Zeugen kaum möglich sei. Es wären wohl Déjà-vu-Erlebnisse außerhalb der gleichnamigen Disko gewesen.

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