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Die Besatzung der "Professor Albrecht Penck" rettete 17 Geflüchtete aus dem Mittelmeer. - © Sea-Eye
Die Besatzung der "Professor Albrecht Penck" rettete 17 Geflüchtete aus dem Mittelmeer. | © Sea-Eye

Verl/Malta Malta lässt Flüchtlinge an Land - Helferin aus Verl muss auf Schiff bleiben

Seit Ende Dezember sitzen 49 Flüchtlinge an Bord der deutschen Hilfsschiffe vor der Küste fest. Die Besatzung aber muss weiter warten.

Christian Geisler
09.01.2019 | Stand 10.01.2019, 07:03 Uhr

Verl/Valetta. „Die Ernüchterung bei der Besatzung ist groß", sagt Flüchtlingshelferin Diane Glossop. Die Verlerin befindet sich aktuell vor der maltesischen Küste an Bord der „Professor Albrecht Penck", einem Forschungsschiff der Regensburger Organisation Sea-Eye. 17 Geflüchtete hat die 54-Jährige gemeinsam mit anderen Crewmitgliedern aus einem Holzboot gerettet, das mitten auf dem Mittelmeer trieb. Während die Flüchtlinge jetzt aber an Land dürfen, um von Malta ausgehend auf acht EU-Staaten verteilt zu werden, muss die 19-köpfige Besatzung des Forschungsschiffes weiter auf offener See ausharren. „Momentan befinden wir uns in einem kleinen Tief", erzählt die Verlerin im Gespräch mit der NW und ergänzt: „Natürlich freuen wir uns für die Geflüchteten, dass sie endlich an Land dürfen. Wir wären aber natürlich auch gerne gegangen." Nach Angaben der gelernten Krankenschwester sei die Crew davon ausgegangen mit der gefundenen Lösung für die Flüchtlinge ebenfalls das Schiff verlassen zu dürfen. Neben dem Forschungsschiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye darf auch das Schiff der Organisation Sea-Watch seine geretteten Flüchtlinge an Malta übergeben. Das teilte Maltas Premierminister Joseph Muscat mit. Die 49 Migranten auf der „Sea-Watch 3" und der „Professor Albrecht Penck" werden demnach auf die EU-Staaten Deutschland, Frankreich, Italien, Irland, Portugal, Rumänien, Luxemburg und die Niederlande aufgeteilt. Als Teil einer Vereinbarung zwischen acht EU-Staaten und Malta wird Deutschland 60 Migranten aufnehmen, die im Mittelmeer gerettet worden waren. Das teilte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Mittwoch in Berlin mit. Damit Malta 49 Migranten von zwei Rettungsschiffen deutscher NGOs gestattet, vorerst an Land zu gehen, hatten sich die acht Staaten bereit erklärt, diese aufzunehmen. Zu dem Deal gehört zudem, dass sie einige der 249 Migranten, die Malta um den Jahreswechsel gerettet hatte, übernehmen. Die Migranten sollen „so bald wie möglich" von maltesischen Militärschiffen übernommen werden, sagt der Regierungschef. Die beiden Rettungsschiffe seien dann aufgefordert, maltesische Gewässer unverzüglich zu verlassen. Muscat betonte, die Rettung der Flüchtlinge habe außerhalb des maltesischen Verantwortungsbereichs stattgefunden. Auch hätten sich die nächstgelegenen sicheren Häfen nicht in Malta befunden. Muscat verwies weiter darauf, die EU-Kommission habe festgestellt, dass Malta für die Bergung und Aufnahme nicht zuständig gewesen sei. „Ich denke, wir werden mit der Maßnahme bestraft. Malta geht es schlichtweg darum, dass wir im kommenden Monat nicht wieder mit Geflüchteten vor der Küste auflaufen", mutmaßt Glossop. Während die „Sea-Watch 3" bereits seit dem 22. Dezember mit 32 Geretteten auf dem Mittelmeer unterwegs ist, wartet die „Professor Albrecht Penck" seit dem 29. Dezember mit weiteren 17 Migranten auf einen Hafenzugang.

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