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Elmar Brok verliert den Rückhalt des Landesvorstands der NRW-CDU. - © picture alliance/Kay Nietfeld/dpa
Elmar Brok verliert den Rückhalt des Landesvorstands der NRW-CDU. | © picture alliance/Kay Nietfeld/dpa

Düsseldorf/Verl Vorstand der NRW-CDU kippt Europapolitiker Elmar Brok

CDU-Landesvorstand kippt den dienstältesten Abgeordneten des Europaparlaments aus der Kandidatenliste. Möglicherweise aber nutzt der Bielefelder seine zweite Chance

Lothar Schmalen
08.01.2019 | Stand 09.01.2019, 05:52 Uhr

Düsseldorf/Bielefel/Verl. Paukenschlag in der Düsseldorfer CDU-Zentrale: Elmar Brok (72), dienstältester Europa-Parlamentarier und eines der bekanntesten Gesichter der Europa-Politik, ist vom CDU-Landesvorstand aus der Kandidatenliste für die Wahl des Europaparlaments am 26. Mai gekippt worden. Damit könnte die Karriere des einflussreichen Politikers ein abruptes Ende finden. Das ist die Geschichte des Dramas um Elmar Brok: Am Montagvormittag legten die Vorsitzenden der acht CDU-Bezirksverbände, darunter auch OWL-CDU-Chef Ralph Brinkhaus, die Reihenfolge der Landesliste für die Europa-Wahl fest. Auf den sechs aussichtsreichsten Plätzen rangierten hinter den unumstrittenen Peter Liese (Sauerland), Markus Pieper (Kreis Steinfurt) und Sabine Verheyen (Aachen),  Axel Voss (Bonn) sowie Dennis Radtke (Bochum) und dann erst auf Platz sechs der Bielefelder Elmar Brok. Brinkhaus sei zwar mit dieser Platzierung nicht zufrieden gewesen, war aus Vorstandskreisen zu erfahren, habe dem Agreement aber am Ende zugestimmt. Laschet wollte Brok weiter vorn Der Vorsitzende des CDU-Bezirksverbande Niederrhein, Günter Krings, dagegen war nicht einverstanden mit der Platzierung seines Kandidaten Stefan Berger (Kreis Viersen) auf Rang 8 und kündigte an, seinen Kandidaten bei der Abstimmung im Gesamtvorstand auf Platz sechs ins Rennen zu schicken. Am Montagnachmittag dann tagte zunächst der engere Landesvorstand. CDU-Landeschef und Ministerpräsident Armin Laschet wollte Elmar Brok, den er in der schwierigen europapolitischen Situation rund den Brexit für unverzichtbar hielt, weiter vorn auf der Liste sehen. Das Gremium folgte Laschet und setzte Brok auf Platz vier, dafür rückten Voss und Radtke einen Platz nach hinten, Berger war nach wie vor die Nummer acht.Diesen Plan aber durchkreuzte Brok dann selbst, als er erklärte, er sei mit Platz sechs zufrieden - offenbar, weil er zu viel Widerstand gegen die von Laschet initiierte Veränderung der Listenreihenfolge befürchtete. Brok war sich sicher, dass er die angekündigte Kampfabstimmung gegen den Niederrheiner Berger um Platz sechs gewinnen würde. Dabei verließ er sich auf Zusagen der anderen Bezirksvorsitzenden. "Enttäuscht und traurig über die Entscheidung" In der entscheidenden Abstimmung im erweiterten Landesvorstand dann die Überraschung: Mit 20:17 Stimmen setzte sich Berger gegen Brok durch. Die angebotene Kandidatur auf Platz acht der Liste lehnte Brok dann ab. Und damit war er raus aus dem Rennen. "Ich war enttäuscht und traurig über diese Entscheidung des Landesvorstands", sagte er im Gespräch mit nw.de. Im CDU-Landesvorstand sitzen zahlreiche Landtagsabgeordnete. Möglicherweise spielte, so war von mehreren Sitzungsteilnehmern zu hören, noch etwas anderes eine Rolle. Berger ist Landtagsabgeordneter und muss im Fall seines Wechsels nach Brüssel dieses Mandat niederlegen. Für ihn würde der Aachener Hendrik Schmitz nachrücken, der Sohn des früheren langjährigen Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Schmitz. Hendrik Schmitz, der bereits 2012 bis 2017 im Landtag saß, gilt als fähiger junger Politiker, den viele CDU-Landtagsabgeordnete gerne wieder im Landesparlament sähen. Doch möglicherweise gibt es eine zweite Chance für Elmar Brok. Er behalte sich vor, so Brok am Nachmittag, in der CDU-Landesvertreterversammlung am 26. Januar in Siegburg, die erst die endgültige Entscheidung über die Europawahl-Liste der NRW-CDU trifft, zu einer Kampfkandidatur für einen der vorderen Listenplätze anzutreten. Enttäuscht über die Entscheidung des Landesvorstands äußerte sich auch Landesvorstandsmitglied Detlef Sieveke (Paderborn) und der stellvertretende Vorsitzende der OWL-CDU, Tim Ostermann (Herford). "Wie immer Elmar Brok sich entscheidet, er wird die volle Unterstützung der OWL-CDU haben", sagte Ralph Brinkhaus, CDU-Bezirkschef und Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Gespräch mit nw.de.

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