Frei geräumt: Das ehemalige Schlachthofgelände liegt brach, die Gebäude sind abgebrochen. Von ihnen zeugt nur noch ein Schutthaufen. Hier sollen ab April kommenden Jahres die Bauarbeiten für den neuen Bau- und Wertstoffhof beginnen. - © Roland Thöring
Frei geräumt: Das ehemalige Schlachthofgelände liegt brach, die Gebäude sind abgebrochen. Von ihnen zeugt nur noch ein Schutthaufen. Hier sollen ab April kommenden Jahres die Bauarbeiten für den neuen Bau- und Wertstoffhof beginnen. | © Roland Thöring

Verl Stadt Verl nimmt neuen Anlauf für Bau des Bauhofs

Lösung gefunden: Die Stadt hat genug Einsparmöglichkeiten gefunden, um die Kostengrenze von 8,3 Millionen Euro einhalten zu können. Dafür aber trennt sie sich von dem bisherigen Architekturbüro

Roland Thöring

Verl. Die Kostenschätzungen stiegen schneller, als man sich im Rathaus verwundert die Augen reiben konnte: Anfangs hatte ein unabhängiges Fachbüro die Umsetzung des Architektenentwurfs für den neuen Bau- und Wertstoffhof mit 5,2 Millionen Euro beziffert, dann wurden daraus 7,2 Millionen Euro, später 8,3 Millionen Euro, schließlich gar 10,5 Millionen Euro; und auch an der Belastbarkeit dieser Zahl gab es noch Zweifel. Nun scheint die Stadt aber einen Weg gefunden zu haben, wie die im November vergangenen Jahres vom Rat gesetzte Obergrenze von 8,3 Millionen gehalten werden kann. Wie die Verwaltung gestern Abend vor dem Bau-, Planungs- und Umweltausschuss mitteilte, hat sie sich sowohl von dem Architekturbüro als auch von dem beauftragten Projektsteuerer getrennt und wird mit neuen Büros rigoros Einsparmöglichkeiten umsetzen. Friedliche Trennung vom Architekten Beide Trennungen seien einvernehmlich geschehen, sagte Bürgermeister Michael Esken. Einen Projektsteuerer hatte die Stadt erstmals überhaupt bei einem eigenen Bauvorhaben eingeschaltet. Der sollte die aktuell mit vielen aufwendigen Bauprojekten belastete Verwaltung, die zudem seit zwei Jahren vergeblich versucht, eine Architektenstelle im Rathaus zu besetzen, entlasten. Weil der Projektsteuerer sich beruflich verändert hat und das Münsteraner Büro Schütt Ingenieurbau personell keine entsprechende Nachfolge sicherstellen konnte, habe man die Zusammenarbeit beendet, so Esken. Die Stadt wird jetzt die Dienste eines sogenannten Bauherrenvertreters mit Stundensatz nutzen. Den gleichen Schritt ist sie mit dem Kölner Architekturbüro V-Architekten gegangen, das 2015 den Planungswettbewerb mit seinem Entwurf gewonnen hatte. In der Sitzung im November sah sich Geschäftsführer Markus Kilian ob der Kostenexplosion harter Kritik des Rates ausgesetzt. Der forderte, den siegreichen Entwurf abzuspecken, um die Baukosten zumindest auf 8,3 Millionen Euro drücken zu können. Zunächst habe man mit zahlreichen Einsparvorschlägen „auf drei oder vier Seiten Papier eine Million Euro zusammengekratzt", so Beigeordneter Thorsten Herbst. Als jedoch deutlich geworden sei, dass so der gesetzte Kostenrahmen nicht einzuhalten ist, sei auch klar gewesen, dass die Architekten und Landschaftsplaner „dieses Projekt nicht mehr als ihr Projekt würden ansehen können". Der Entwurf wird beibehalten In beiden Fällen rechnet die Stadt die bisher erbrachten Planungsleistungen der Büros ab und zahlt zudem einen Abstand, da den Planern ja nun der Rest des Auftrages abhanden gekommen ist. Das, betonen Esken und Herbst gleichermaßen, werde aber durch die am Ende insgesamt geringeren Honorare, die sich an der verringerten Bausumme bemessen, ausgeglichen. Herbst: „Das ist dann ein Nullsummenspiel." Der ursprüngliche Entwurf, die beiden „U"-Formen für den Wertstoffhof und den Bauhof, behält die Stadt bei. „Aus der Luft sieht es noch genauso aus – ansonsten haben wir das Ding auf links gezogen", sagt Herbst. Der neue Architekt werde auf der Idee der Kölner aufbauen. Gleichwohl soll es einige Änderungen geben. Das ist geplant So wird die Lagerfläche des Bauhofes von rund 4.000 auf etwa 3.000 Quadratmeter verkleinert. Das bedeutet, dass die Stadt nicht alle Außenlagerplätze in den Ortsteilen wird auflösen können. Büros, Sozialräume und Werkstätten blieben in ihrer Größe jedoch erhalten. „Im Vordergrund steht der Nutzen des Gebäudes, nicht mehr dessen Architektur", so Herbst. „Es ist jetzt ein reiner Funktionsbau." Beispielsweise hatten die Architekten aus Köln ursprünglich vorgesehen, an den Dächern der Gebäude rundherum Strahler anzubringen. Nun wird es in der Mitte des Lagerplatzes einen Laternenmast geben, von dem aus der ganze Bereich ausgeleuchtet werden kann. Der Mast ist zwölf Meter hoch und war von den Architekten aus gestalterischen Gründen abgelehnt worden, weil er die Gebäude überragen wird. „Von solchen Gedanken haben wir uns aber entfernt", so Herbst. Die Planer hatten auf dem Grundstück des ehemaligen Schlachthofs Echterhoff zudem „ein transparentes Gebäude" errichten wollen. So war ursprünglich eine komplette Glasfassade zur Landschaft hin vorgesehen. Erste Kritik daran entzündete sich, weil die Bauhof-Mitarbeiter dann aus optischen Gründen keine Regale an der Außenwand der Lagerhallen hätten aufstellen können. Schon im November war die Fensterfläche bereits auf die Hälfte zusammengestrichen worden, nun entfällt sie ganz. Die Wände der Hallen werden stattdessen komplett aus Beton hergestellt, was deutlich billiger wird. Und auch nicht aus dem ursprünglich vorgesehenen sündhaft teuren Sichtbeton, der aussieht wie eine geputzte Wandfläche. Bei der Bedachung wurde ebenfalls abgespeckt. Einfache Bleche und eine außen verlaufende Rinne werden die vorgesehene teure Betondachkonstruktion mit innenliegender Wasserführung ablösen. Selbstverständlich entfallen werden die von den Kölnern vorgesehenen großen Schriftzüge auf den Asphaltflächen, die sie seinerzeit mit dem Hinweis beworben hatten, dann sei der neue Bauhof auch auf Google-Earth zu erkennen. Gerade diese Idee hatte die Ratsmitglieder regelrecht auf die Palme gebracht, schließlich sollten die Bodenmarkierungen alleine schon 50.000 Euro kosten. Ganz wesentlich verändert wird das Betriebsgebäude. Der Keller einfällt, auch das Obergeschoss, stattdessen wird das Gebäude eingeschossig. „Wir brauchen dann kein Treppenhaus und keinen Aufzug, der für sich schon monatliche Wartungskosten von 1.500 Euro verursacht", sagte Herbst. Verkehrsflächen entfallen so, daraus werden Nutzflächen. Weil das Gebäude in seinen Ausmaßen etwas vergrößert werden muss, fallen fünf der vorgesehenen 40 Mitarbeiter-Parkplätze weg. Herbst: „Wir haben aber nur 20 Mitarbeiter, für die reichen auch 35 Stellplätze." Das Betriebsgebäude wird so hergestellt, dass eine spätere Aufstockung möglich ist. Und es wird auch von den Mitarbeitern des Wertstoffhofes mitgenutzt, dessen eigenes Betriebsgebäude gestrichen werden soll. Einfacher als gedacht Beim Wertstoffhof wird ebenfalls einiges einfacher ausgeführt, als von den Kölner zunächst großzügig angedacht. So soll die Sondermüllannahme in einem Container untergebracht werden, „den wir von der Stange bekommen", sagte Herbst. Das kommt die Stadt deutlich günstiger als eine individuelle Lösung. Gleiches gilt für die Aufstellung der Silos. Die werden nun statt außen in der Mitte des Platzes angeordnet und können umfahren werden. Das spart die Hälfte der Trennwände ein und auch Verkehrsfläche. Und auch die Silos werden keine kostspieligen Sonderanfertigungen sein, sondern etwas, was es auf dem Markt bereits gibt. „Gleichwohl wird es von den Materialien her kein ,Billigbauhof‘", sagt Thorsten Herbst. „Beispielsweise nehmen wir für die Fenster immer noch Aluminium und nicht Kunststoff." Die Kostengrenze sei aber erreichbar – und das sogar mit einem Sicherheitspuffer von 500.000 Euro.

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