Familienbetrieb: Michele De Nadal (l.) führt das Eiscafé Cortina an der Paderborner Straße seit drei Jahren. Seine Eltern Lorena und Elio De Nadel stehen dem 39-Jährigen zur Seite. Klassische Eissorten wie Vanille, Schokolade und Stracciatella ließen sich nach wie vor am besten verkaufen. - © Karin Prignitz
Familienbetrieb: Michele De Nadal (l.) führt das Eiscafé Cortina an der Paderborner Straße seit drei Jahren. Seine Eltern Lorena und Elio De Nadel stehen dem 39-Jährigen zur Seite. Klassische Eissorten wie Vanille, Schokolade und Stracciatella ließen sich nach wie vor am besten verkaufen. | © Karin Prignitz

Verl Eiscafé Cortina: Altes Familenrezept bei der Eisproduktion

Das Eiscafé Cortina an der Paderborner Straße besteht dort seit dem Jahr 1986. Alle Eissorten werden dort noch selber von Elio De Nadal hergestellt

Karin Prignitz

Verl. "Wenn die Kirchenglocken von St. Anna um sieben Uhr läuten, dann stehe ich schon eine halbe Stunde im Keller", sagt Elio De Nadal. Jeden Morgen ab 6.30 Uhr und bis zur Mittagszeit bereitet der 69-Jährige bis zu 30 Eissorten nach original italienischem Rezept zu, das ausschließlich in der Familie weitergegeben wird. So ist es über Generationen hinweg gehandhabt worden. "Bei der Eisherstellung dürfen nicht viele Leute mitmischen", betont Elio De Nadal. Jeder Schritt und jede Zutat will wohl bedacht sein, und eben das mache den Unterschied aus. Eis ist nicht gleich Eis. "Die Kunden merken den Qualitätsunterschied schnell", ist er sich sicher. Jede Sorte wird von ihm einzeln produziert. "In Verl sind wir die Einzigen, die das Eis selber herstellen, auch im gesamten Kreis Gütersloh gibt es nur noch wenige." "Die original italienischen Eisdielen sind alle in dieser Gegend entstanden" Die Familie von Elio De Nadal stammt aus den Dolomiten, hat ihre Wurzeln in einem Dorf, das im bekannten Skigebiet Cortina d?Ampezzo liegt. "Die original italienischen Eisdielen sind alle in dieser Gegend entstanden", weiß Sohn Michele. Auch er hat bereits als Kind gelernt, Eis zu verkaufen. Als die Eltern nach Deutschland gingen, blieb er bei den Großeltern, in den Sommerferien war die Familie wieder vereint. Seit 1993 steht Michele De Nadal, der das Handwerk des Speiseeisherstellers vom Papa gelernt hat, ebenfalls im Geschäft an der Paderborner Straße 15. Zusammen mit dem Vater und Mutter Lorena. Verl ist nicht die erste Station des Eiscafés Cortina. Elio De Nadal und seine Familie haben bereits ab 1973 eine Eisdiele in Braunschweig betrieben. Dort ist auch Michele geboren. Die Geschichte aber reicht noch viel weiter zurück. "Schon vor dem Krieg hatten meine Großeltern eine Eisdiele im Ruhrgebiet und in Österreich." Er selbst sei seit 1963 in Deutschland, erzählt Elio De Nadal. Mit Bekannten und Verwandten sei er gekommen. "Aus unserem Dorf sind nach und nach viele weggegangen." 1986 eröffnete er sein Eiscafé Cortina in Verl am Standort der alten Post im seinerzeit neu errichteten Geschäftsgebäude an der Paderborner Straße. Damals war es das zweite Eisgeschäft im Ort. 1986, daran kann sich Elio De Nadal noch gut erinnern, kostete die Eiskugel 30 Pfennige, zehn Pfennige seien es 1963 gewesen. Heute zahlen die Kunden einen Euro. Zutaten, Strom, Maschinen, Reparaturen, all das sei immens teuer geworden, erklärt der 69-Jährige, warum der Preis durchaus gerechtfertigt sei. "Eis essen ist immer noch etwas Besonderes", glaubt De Nadal. Sicherlich gebe es mittlerweile eine wesentlich höhere Sortenvielfalt. Sechs bis acht waren es früher, mehr als 30 sind es heute, aber die gängigen Sorten gehen nach wie vor am besten: Vanille, Schokolade, Stracciatella, Nuss. Sehr beliebt seien auch Spaghetti-Eis oder Fruchtbecher. Freude über das gute Wetter in diesem Jahr Immer wieder kommen Spezialitäten wie etwa Cookies dazu. "Meist folgt im Jahr darauf etwas anderes", erzählt Michele, der das Geschäft seit drei Jahren führt. Er und die Familie freuen sich über das ausgesprochen gute Wetter in diesem Jahr. Gerade bei den Stadtfesten sei es hervorragend gelaufen. Dann kommen auch viele neue Gäste hinzu. "Wir leben aber vor allem von unseren Stammkunden", betonen Vater und Sohn. "80 Prozent kennen wir. Viele waren schon als Kinder bei uns und kommen jetzt mit dem eigenen Nachwuchs." Elio und Michele De Nadal heben die Besonderheit ihres Geschäftes hervor. "Wir verkaufen fast nur Eis." Das gebe es selten, "aber uns ist das wichtig". Eisdielen, geführt von italienischen Inhabern, die ihre Geheimrezepte verwenden und noch selbst Eis herstellen, von ihnen gibt es längst nicht mehr so viele, wie noch vor zwei Jahrzehnten. "Aus Italien kommen immer weniger", sagt Elio De Nadal. Das Eiscafé hat täglich von 10 bis 21 Uhr geöffnet.

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